Schweizer Franken: SNB will Kurs weiter drücken

Schweizer Franken: SNB will Kurs weiter drücken
Schweizer Franken: SNB will Kurs weiter drücken

Das SNB-Direktorium: Vorsitzender Thomas Jordan (Mitte), Fritz Zurbrügg (rechts) und Jean-Pierre Danthine.

Der Franken hat gegenüber dem Euro zuletzt etwas abgeschwächt. Die Schweizer Notenbank SNB sieht den Franken allerdings immer noch als stark überbewertet. Der starke Franken belastet die exportorientierte Wirtschaft der Schweiz. SNB-Vizedirektor Fritz Zurbrügg will daher weiter intervenieren, um den Kurs der Landeswährung gegenüber dem Euro wieder zu schwächen. Ökonomen sehen den fairen Wechselkurs zum Euro aktuell bei 1,25 Franken

Die Schweizer Notenbank (SNB) denkt über weitere Eingriffe zur Schwächung des Franken nach und will die Landeswährung auch in Zukunft mit Negativzinsen unter Druck setzen. Die SNB hat im Januar Strafzinsen eingeführt, um den Kurs der Landeswährung zu schwächen. Derzeit liegt der Leitzins bei minus 0,75 Prozent, die Hüter des Franken sind damit weiter gegangen als andere Zentralbanken. Der Negativzins zeige die gewünschte Wirkung, sagte Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des SNB-Direktoriums in inem Interview der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Zurbrügg: "Wir sehen im Moment keinen Grund, etwas zu ändern. Die Abschwächung des Franken in den vergangenen Wochen geht in die richtige Richtung. Der Franken ist aber immer noch stark überbewertet."

Die SNB will aber auch am Devisenmarkt eingreifen, falls wieder eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen sollte. "Wenn es aus geldpolitischer Sicht notwendig wird, sind wir bereit zu intervenieren", erklärte Zurbrügg.. Die Lage bleibe daher für die Notenbank eine große Herausforderung."Verdeutlicht haben wir das beispielsweise nach Ankündigung des Referendums in Griechenland, als es zu verstärkten Safe-Haven-Geldzuflüssen in den Franken kam." In Krisensituationen fließen traditionell Milliarden in Gold, den Dollar und eben auch die Schweizer Währung.

Euro/Franken Wechselkurs: Der Franken hat zuletzt gegenüber dem Euro etwas abgeschwächt.

Lange galt eine Koppelung an den Euro mit einem Mindestkurs von 1,20 Euro, die aber Anfang des Jahres aufgegeben wurde. Seitdem hat der Franken deutlich an Wert gewonnen, was die exportorientierte Wirtschaft der Schweiz hart trifft. Die Unternehmen könnten das nicht so einfach wegstecken, so Zurbrügg. "Wir haben unsere Wachstumsprognose für dieses Jahr von zwei auf knapp ein Prozent halbiert. Thomas Gitzel, Chef-Ökonom der Liechtensteiner VP Bank, schätzt, dass sich das Wachstum sogar auf 0,7 Prozent abschwächen wird.

Sichtguthaben steigen weiter

Die Schweizer Banken haben in der letzten Woche bei der Notenbank nur etwas mehr Geld geparkt. Die Sichtguthaben von Banken und Bund bei der SNB stiegen in der Woche zum 7. August auf 462,3 Milliarden von 462,1 Milliarden Franken. Die Giroguthaben inländischer Banken verminderten sich um 2,3 Milliarden auf 395,8 Milliarden Franken.

Die Entwicklung der Sichtguthaben gilt als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut. Zwar setzt die SNB zur Abschwächung des überbewerteten Frankens auf Negativzinsen,

Schwache Konjunkturdaten haben den Franken vergangenen Woche etwas unter Druck gesetzt. Der Euro stieg bis auf 1,0720 Franken, dem höchsten Stand seit März. Ein Dollar kostete mit 0,9840 Franken so viel wie seit Anfang April nicht mehr. Aktueller Wechselkurs Euro/Franken.

Die Abwertung des Franken sei fundamental gerechtfertigt, erklärte Gitzel. Die Euro-Zone präsentiere sich so stark wie seit langem nicht mehr. Dagegen leide die exportorientierte Schweizer Wirtschaft stark unter der Frankenstärke. Viele Firmen erwägen Sparmaßnahmen und einen Stellenabbau. Den fairen Euro-Wechselkurs sieht Gitzel bei 1,25 Franken.

Zudem verschlechterte sich die Verbraucherstimmung in der Schweiz massiv. Der Index der Konsumentenstimmung fiel in der Juli-Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) um 13 Zähler auf minus 19 Punkte. Gegen den Franken spricht auch die rückläufige Teuerung in der Schweiz. Die SNB könnte auch deshalb weitere Maßnahmen gegen die Frankenstärke setzen. Im Juli gingen die Preise im Jahresvergleich um 1,3 Prozent zurück.

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