Schweizer Franken weiter überbewertet - Zinssenkung nicht ausgeschlossen

Die Schweizerische Nationalbank wird an ihrem eingeschlagenen geldpolitischen Kurs festhalten, sie setzt weiter auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen. Nach Bekanntgabe der Entscheidung gewann der Schweizer Franken gegenüber dem Euro an Wert.

Schweizer Franken weiter überbewertet - Zinssenkung nicht ausgeschlossen

Der Beschluss der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die Zinsen unverändert zu belassen, hat am Donnerstag, 10.12., für eine leichte Aufwertung des Schweizer Franken gesorgt: Ein Euro kostete kurz nach der Veröffentlichung 1,0810 Schweizer Franken, nach 1,0827 Franken kurz vorher. Der Dollar sank auf 0,9850 von 0,9868 Franken. Der Börsen-Leitindex SMI notierte mit 8588 Punkten um 0,4 Prozent niedriger nach 8607 Punkten zuvor.

SNB behält Kurs vorerst bei

Die SNB hat am Donnerstag bekannt gegeben, am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs festzuhalten und zur Schwächung des Frankens weiter auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen zu setzen. Das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor beließen die Währungshüter am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Die Sichteinlagen der Banken bei der SNB werden weiterhin mit 0,75 Prozent belastet.

Der Schweizer Franken sei trotz einer gewissen Abschwächung in den letzten Monaten insgesamt immer noch deutlich überbewertet, teilte die Notenbank mit. Die SNB bekräftigte, dass sie bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren will, um Einfluss auf die Wechselkursentwicklung zu nehmen. Weiters hieß es von der Nationalbank, dass der Negativzins den Franken weniger attraktiv mache und somit weiterhin zu dessen Abschwächung beitragen werde.

Die Mehrzahl der von Reuters im Vorfeld befragten Volkswirte hatte mit einem unveränderten Libor-Ziel gerechnet.

Weitere Lockerung nicht ausgeschlossen

Die SNB schließt eine weitere Zinssenkung nicht aus. "Unsere Geldpolitik ist expansiv und wir überlegen jedes Mal, inwiefern es sich anbietet, die Geldpolitik weiter zu lockern", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan. Er gibt aber zu bedenken, dass alle nicht konventionellen geldpolitischen Instrumente Nebenwirkungen hätten. "Je länger sie eingesetzt werden, umso größer werden die Nebenwirkungen." Jordan bekräftigt die Bereitschaft der Notenbank, am Devisenmarkt zu intervenieren, sollte eine neue Geldflut auf die Schweiz zurollen.

Die SNB befindet sich in einer Ausnahmesituation. Denn mit Beginn der Euro-Schuldenkrise schafften immer mehr Investoren ihr Geld in die als sicherer Hafen geltende Schweiz. Drei Jahre lang dämmte die Notenbank die Aufwertung des Franken mit einer Kursuntergrenze ein. Doch zu Jahresbeginn gaben die Währungshüter den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf, die Landeswährung stieg sprunghaft. Das macht der exportorientierten Wirtschaft zu schaffen, weil Schweizer Waren im Ausland damit praktisch über Nacht merklich teurer wurden.

Marktteilnehmer hatten spekuliert, die SNB könnte die Zinsen weiter senken, um auf die jüngste Lockerung der EZB-Geldpolitik zu reagieren. In die Hände der SNB könnte jedoch die für kommende Woche erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank Fed spielen. Damit würde der Dollar als Anlage im Vergleich zu anderen Währungen wie dem Franken tendenziell attraktiver.

Mehr Wachstum im nächsten Jahr

Dieses Jahr rechnet die SNB weiterhin mit einem Wachstum der Schweizer von knapp einem Prozent. Im kommenden Jahr geht die Notenbank von einer Beschleunigung auf rund 1,5 Prozent aus. Die weltwirtschaftlichen Aussichten seien allerdings mit erheblichen Risiken behaftet, warnt die SNB. Sorgen bereiten der Notenbank China, die strukturellen Schwächen Europas und die aktuelle Diskussion um die öffentliche Sicherheit.

Ihre Inflationsprognose passt die SNB nur geringfügig an. Die Teuerung dürfte dieses Jahr bei minus 1,1 Prozent liegen. Für das nächste Jahr erwartet die SNB eine Inflationsrate von minus 0,5 Prozent. 2017 dürfte die Teuerung dann bei 0,3 Prozent betragen.