Schweizer Franken: Der Schock ist beinahe überwunden

Schweizer Franken: Langsam gewinnt der Euro wieder an Gewicht.

Schweizer Franken: Langsam gewinnt der Euro wieder an Gewicht.

Drei Jahre nach dem Frankenschock vom 15. Jänner 2015 - dem Tag, an dem die Schweizer Nationalbank SNB den Mindestkurs von 1,20 zum Euro aufgab -, hat der der Euro den Wertverlust nahezu wieder wettgemacht. Und die SNB setzt alles daran, den Franken weiter zu schwächen. Ein Ausblick.

Der 15. Jänner 2015 war ein Schicksalstag für all jene, die in Schweizer Franken investiert hatten. An dem Tag vor genau drei Jahren hob die Schweizerische Nationalbank SNB den am 6. September 2011 eingeführten Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro wieder auf und leitete damit den bislang größten Kursverlust des Euro gegenüber der Schweizer Landeswährung ein. Binnen weniger Tage fiel der Kurs des Euro auf bis zu 0,86 Franken und viele Kreditnehmer sahen die Immobilien, Anlagen und Objekte, die sie mit Krediten im Schweizer Franken finanziert hatten, dahinschwimmen.

Seither hat sich die Lage etwas gebessert. Drei Jahre nach dem Frankenschock vom 15. Jänner 2015 hat sich der Wert des Euro wieder auf rund 1,18 Franken verbessert (--> aktueller Wechselkurs EUR/CHF ), doch für viele Kreditnehmer - in Österreich sitzen neben rund 90.000 Haushalten auch zahlreiche öffentliche Stellen, Institutionen und Unternehmen auf Franken-Krediten und alleine das Franken-Kreditvolumen der Privaten liegt immer noch bei rund 20 Milliarden Euro.- bedeutet das noch einen enormen Verlust.

Seinen Höchststand hatte der Euro im September 2007 erreicht. Damals hatte der Euro bei 1,678 Franken notiert, ehe er im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise bis zum Juni 2011 auf 1,148 Franken fiel. Diejenigen, die bei einem Kurs von rund 1,60 einen Kredit über 100.000 Euro aufgenommen hatten, waren zu diesem Zeitpunkt bereits rund 40.000 Euro im Minus.

Mindestkurs als Notbremse

Dann zogen die Schweizer die Notbremse. "Internationale Ereignisse haben bewirkt, dass sich der Schweizer Franken innert kurzer Zeit sehr stark aufgewertet hat. Dies hat zu einer
massiven Überbewertung unserer Landeswährung geführt", erklärte SNB-Chef Thomas Jordan damals. "Unsere Wirtschaft ist klein und sehr offen. Wir verdienen jeden zweiten Franken im Ausland. Eine massive Überbewertung birgt das Risiko einer Rezession und einer deflationären Entwicklung", führte er weiter aus und dass die. Nationalbank daher eine deutliche und dauerhafte Abschwächung des Frankens anstrebt und keinen Euro-Franken-Kurs unter Eins Zwanzig mehr tolerieren werde.

Entwicklung des Euro-Franken-Wechselkurses Jan 2004 - Jan 2017. für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildungt.

Entwicklung des Euro-Franken-Wechselkurses Jan 2004 - Jan 2017. für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildungt.

Die Nationalbank war entschlossen, diesen Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und erklärte sich bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. "Unsere Währung ist auch bei Eins Zwanzig pro Euro hoch bewertet. Sie sollte sich über die Zeit weiter abschwächen. Falls die Wirtschaftsaussichten und die deflationären Risiken es erfordern, wird die Nationalbank weitere Maßnahmen ergreifen", erklärte Jordan. Die Maßnahme sei im Gesamtinteresse der Schweiz, nichts zu tun würde der Schweizer Volkswirtschaft enormen langfristigen Schaden zufügen.

In Österreich bemühten sich Banken in der Folge, ihre Kreditnehmer zur Konvertierung ihrer Kredite zu bewegen. Bei einem Mindestkurs von 1,20 sei der Verlust zumindest eingegrenzt - auf rund 25.000 pro 100.000 Euro ursprünglicher Kreditsumme. All jene, deren Kredite nur noch eine kurze Laufzeit hatten, taten auch gut daran, dieser Empfehlung zu folgen, denn am 15. Jänner 2015 wurde der Mindestkurs wieder aufgegeben.

"Angesichts eines sich dramatisch verändernden internationalen Umfelds für die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank entschied das Direktorium, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufzuheben", erklärte Jordan. "Wegen der anhaltenden Abschwächung des Euros in der ersten Januarhälfte 2015 wäre der Mindestkurs nur noch mit permanenten und rasch zunehmenden Interventionen am Devisenmarkt durchzusetzen gewesen. Damit war diese Maßnahme nicht mehr nachhaltig."

SNB nach dem Mindestkurs

Das Ende des Mindestkurses zog den erwähnten dramatischen Kurssturz nach sich, bedeutete allerdings nicht, dass für die Geldpolitik der SNB wieder normale Zeiten angebrochen worden wären. Der Franken war auch der Einschätzung der SNB zufolge weiterhin deutlich überbewertet. Allerdings setzte die Bank von 2015 an auf Zeit: Die Überbewertung sollte sich über die Zeit korrigieren und die SNB griff zu anderen Mitteln, um den Franken-Kurs zu drücken.

Mit der Aufhebung des Mindestkurses reduzierte die Nationalbank den Zins auf Sichteinlagen bei ihr auf minus 0,75 Prozent. "Die Zinsdifferenz zwischen Anlagen in ausländischer Währung und Anlagen in Franken hatte sich fast auf null verringert, weil die Zinsen im Ausland im Zuge der Finanzkrise stärker gefallen sind als in der Schweiz. Damit wurde der Franken für in- und ausländische Investoren noch attraktiver. Da die ausländischen Zinsen nahe null oder negativ sind, können die Schweizer Zinsen nicht an der Nulllinie verharren. Sie müssen in den negativen Bereich sinken, um die traditionelle Zinsdifferenz tendenziell wieder herzustellen und so das Halten von Franken gegenüber anderen Währungen zu verteuern", begründete die SNB diesen Schritt. Die Schweizerische Nationalbank behielt sich außerdem vor, weiterhin am Devisenmarkt aktiv zu sein, um die monetären Rahmenbedingungen in ihrem Sinn zu beeinflussen.

Drei Jahre nach Aufhebung der Wechselkurs-Bindung hat sich der Kurs des Euro zumindest wieder annähernd auf das Niveau von damals erholt, doch der Franken ist weiterhin deutlich überbewertet - nicht nur für die heimischen Kreditnehmer, sondern auch für die SNB und die exportorientierte Schweizer Wirtschaft, die unter dem hohen Franken-Kurs ächzt. "Seit Sommer 2017 ist die deutliche Überbewertung etwas zurückgekommen", hält Jordan im Gespräch mit dem Schweizer Fernsehsender SRF fest. "Aber der Franken bleibt noch hoch bewertet."

Die Schweizerische Nationalbank peile Preisstabilität an und richte ihre Geldpolitik so aus, dass dieses Ziel mittelfristig möglichst gut erreicht werde. "Die Inflation in der Schweiz ist immer noch sehr tief, deutlich unter zwei Prozent, sogar unter einem Prozent", sagte Jordan. "Es gibt überhaupt keinen Grund hier zur Eile."

Ausblick: Weiter Kampf gegen den starken Franken

Die SNB wird nach Einschätzung von Experten Jahrzehnte benötigen, um den Krisenmodus wieder zu verlassen. Sie steht nämlich beim Abbau ihrer Bilanz und der Abkehr von Negativzinsen vor wesentlich größeren als andere Notenbanken. Von einer Normalität ist die SNB noch sehr weit entfernt.

"Es gibt Spezialprobleme, die dazu führen, dass die SNB erst sehr spät zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren wird", sagt Alan Mudie, der für die Investitionsstrategie im Vermögensverwaltungsgeschäft der Großbank Societe Generale zuständig ist. "Das könnte zumindest ein Jahrzehnt dauern. Das sind die Zeiträume, in denen wir denken müssen." Zu diesen Spezialproblemen zählt die Bilanz der SNB, die mit über 800 Milliarden Franken (aktuell rund 678,7 Milliarden Euro) mittlerweile deutlich größer ist als die Schweizer Wirtschaftsleistung.

Und die SNB hat um den Franken zu schwächen und die Schweizer Wirtschaft zu stützen in großem Umfang Anleihen und Aktien auch in fremden Währungen wie Euro und Dollar gekauft. Falls die SNB damit beginnen würde, SNB auslaufende Euro-Anleihen nicht zu ersetzen oder US-Aktien zu verkaufen, würde der Franken wieder an Wert gewinnen - was die Bank tunlichst verhindern will. "Es wird für die SNB viel Zeit brauchen, um ihre eigene Bilanz abzubauen", meint daher Daniel Rempfler vom Lebensversicherer Swiss Life. Bevor die SNB über einen Bilanzabbau nachdenken kann, muss der Franken auch nach Einschätzung von Analyst Sven Schubert von der Bank Vontobel aber noch stärker an Wert verlieren.

Beim Abbau der durch die Devisenmarkteingriffe stark aufgeblähten SNB-Bilanz sieht SNB-Chef Jordan die Notenbank jedoch nicht unter Druck. "Wir haben überhaupt keinen Zwang, hier rasch voranzugehen", sagte er. "Wir müssen hier vorsichtig vorgehen und genau die Auswirkungen einer Reduktion der Bilanz auf die monetären Bedingungen abschätzen können."

Weiter anhaltendes Zinstief

Auch bei den Zinsen, die in der Schweiz nach wie vor bei minus 0,75 Prozent liegen, ist eine Wende oder gar eine Rückkehr zur Normalität nicht absehbar. Die SNB will den Zinsabstand zum Euro - der für die Kreditnehmer eines der wichtigsten Argumente war, um sich in Franken zu verschulden - unbedingt einhalten.

Früher steuerte die SNB den damals noch positiven Zins über sogenannte Repo-Geschäfte mit Banken: Dabei versorgte die Zentralbank die Institute mit Liquidität und bestimmte mit dem dafür verlangten Satz den Leitzins. Die Banken boten Sicherheiten an, etwa bestimmte Wertpapiere. Voraussetzung für das Funktionieren des Systems ist aber, dass die Banken zu wenig Liquidität haben und Geld bei der SNB nachfragen. Das ist im Moment jedoch nicht der Fall: Weil viele Investoren in der Krise in den "sicheren Hafen" Franken geflohen sind, schwimmen die Schweizer Banken im Geld. Ihre Überschussreserven betrugen zuletzt knapp 460 Milliarden Franken.

Eine Rückkehr in den Vor-Krisen-Modus ist also nicht einfach möglich und die SNB muss kreativ sein, um ihren Zins zu steuern: Sie könnte etwa eigene Anleihen begeben, die Banken und andere Marktteilnehmer im Gegenzug für einen Zins zeichnen. Damit würde die Notenbank Liquidität aus dem System ziehen und wohl auch den Zins beeinflussen. Offen stehen der SNB zudem "umgekehrte Repos" (Reverse Repo). Dabei könnte die SNB kurzfristig Sicherheiten und eine Verzinsung anbieten und im Gegenzug Liquidität erhalten. Beide Instrumente hat die Notenbank bereits während der vergangenen Finanzkrise erprobt - dann aber mit Ausbruch der Euro-Zonen-Krise eingestellt.

Doch bis eine Rückkehr zu positiven Zinsen möglich wird, müssen die Schweizer Währungshüter erst noch Zinsschritte der EZB abwarten. Mit einer ersten Erhöhung des EZB-Leitzinses wird aber frühestens 2019 gerechnet. Also ist auch hier Geduld gefragt. Kreditnehmer, deren Kredite noch einen längeren Zeithorizont haben, können daher vorerst noch abwarten und auf bessere Zeiten hoffen.


Ein Service von trend in Kooperation mit bankdirekt.at. Alle Kursinformationen sind nach den Bestimmungen der jeweiligen Börse verzögert. Technologie und Daten von Teletrader.


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