Der Schweizer Franken und Österreichs Banken

Der Schweizer Franken und Österreichs Banken

Andreas Treichl, CEO Erste Group, erwartet keine großen Folgen für das Kreditgeschäft in Ungarn.

Allein in Österreich hatten ausstehende Franken-Kredite zuletzt ein Volumen von 29,5 Milliarden Euro; denn vor der Krise waren Franken-Kredite wegen der günstigen Zinsen gefragt. Nun stehen heimische und osteuropäische Banken vor dem Problem möglicher Kreditausfälle.

Ein fortgesetzter Höhenflug des Schweizer Franken könnte österreichischen Banken in Zukunft Probleme bringen. Er erschwert für die Kunden der Geldhäuser die Rückzahlung von Franken-Darlehen. Den Instituten drohen daher mittelfristig Kreditausfälle. Besonders betroffen sind Banken in Österreich sowie in Teilen Osteuropas. Allein in der Alpenrepublik hatten die ausstehenden Franken-Kredite zuletzt ein Volumen von 29,5 Milliarden Euro.

Grund für den neuerlichen Kurssprung des Franken ist die Kehrtwende der Schweizer Notenbank, die überraschend ihren Euro-Mindestkurs aufgibt. Die Schweizer Währung gewann nach der Bekanntgabe rund 14 Prozent an Wert.

Euro-Krise brachte die Wende

Franken-Kredite waren einst gefragt wegen günstiger Zinsen. Zum Problem wurden sie, als im Zuge der Euro-Krise die Schweizer Währung deutlich an Wert gewann. Die österreichischen Aufseher verboten daraufhin diese Art von Darlehen für Privathaushalte. Die Banken gingen auf viele Kunden zu, um sie zu einer Umwandlung der Darlehen in Euro-Kredite zu bewegen. Die SNB-Entscheidung wird sich erst mittelfristig auswirken. Da ein Großteil der Darlehen erst in einigen Jahren fällig werde, seien in Österreich auf kurze Sicht keine großen Probleme zu erwarten, verlautete aus Finanzkreisen.

Doch auch in anderen Ländern gibt die Kehrtwende der SNB Anlass zur Sorge. "Die Entscheidung ist eine extrem schlechte Nachricht für Fremdwährungskreditnehmer in Zentraleuropa, Polen und Ungarn", erklärte BNP-Paribas-Ökonom Michal Dybula. "Sie macht die Rückzahlung von Schweizer-Franken-Krediten teurer, verringert das zur Verfügung stehende Einkommen und bremst den Konsum. Das sind schlechte Nachrichten für das Wachstum und den Bankensektor, weil sich der Anteil der faulen Franken-Kredite wahrscheinlich erhöht", erklärte der Analyst.

ERSTE GROUP ERWARTET KEINE GROSSEN AUSWIRKUNGEN

In Ungarn, wo die Banken besonders viele Fremdwährungskredite vergeben hatten, dürfte der Vorstoß der SNB aber nur begrenzte Konsequenzen haben: Das Land hatte den Wechselkurs des Forint zum Franken für viele Kreditnehmer bereits vergangenes Jahr festgeschrieben. Die österreichische Erste Group erwarte daher keine Folgen für ihr dortiges Kreditgeschäft, sagte eine Sprecherin. Auch im Gesamtkonzern seien bei dem derzeitigen Franken-Kurs keine großen Auswirkungen auf die Ergebnisse zu erwarten.

Die Konkurrentin Raiffeisen Bank International erklärte, sie habe unter anderem ausstehende Franken-Kredite in Polen über 2,9 Milliarden Euro und in Rumänien über 360 Millionen Euro. Die UniCredit-Tochter Bank Austria teilte mit, sie rate betroffenen Kunden, sich an die Bank zu wenden, um individuelle Lösungen zu finden. Seit 2008 habe bereits ein Drittel der Fremdwährungskreditnehmer in Österreich die Darlehen entweder umgewandelt oder vorzeitig zurückgezahlt.

RBI-Aktie nur noch knapp über 10 Euro wert

Die Aktie der RBI stürzt seit Sommer vergangenen Jahres ab und erreicht ein Rekordtief nach dem anderen. Allein seit Jahresbeginn hat das Papier um 16,15 Prozent an Wert verloren und schloss am 15.1. bei 10,51 Euro. Immerhin gab es am besagten Tag, an dem die SNB den Euro-Mindestkurs kippte, ein kleines Plus von 0,38 Prozent.

Die Erste Group wiederum wurde von den Aktionären am gleichen Tag abgestraft, der Franken sorgte für Unruhe - und die Aktie war am 15.1. hingegen Tagesverlierer im ATX, mit einem Minus von 2,29 Prozent auf 19,34 Euro.

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