Schweizer Franken schwächelt, Marke von 1,20 in Reichweite

Schweizer Franken schwächelt, Marke von 1,20 in Reichweite

Die US-Sanktionen gegen Russland könnten zum Abzug von russischem Vermögen aus der Schweiz führen. Der Franken verliert mit Ende der Euro-Krise seine Funktion als "sicherer Hafen". Franken-Kreditnehmer könne ein wenig aufatmen.

Zürich. Der Schweizer Franken verliert seit mehr als einem Monat kontinuierlich und deutlich an Wert. Devisenexperten gibt das ein Rätsel auf. Nach dem Kursrutsch von vergangener Woche rückt sogar die wichtige Marke eines Euro-Kurses von 1,20 Franken wieder ins Blickfeld.

Das sind gute Nachrichten für die exportorientierte Wirtschaft - denn Schweizer Waren werden damit im Ausland günstiger. Eigentlich sprächen das unsichere Umfeld mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China und der jüngste Militärschlag in Syrien für einen steigenden Franken, sagte Ökonom Arthur Jurus von der Privatbank Mirabaud am Montag. "Doch das Gegenteil ist der Fall."

Seit einigen Tagen ist der Franken zum Euro so schwach wie seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Jänner 2015 nicht mehr. Auch am Montag kostete ein Euro knapp 1,19 Franken. "Über die Schwäche des Franken rätseln wir auch", sagte ein Händler. Somit nähert sich der Kurs wieder an den von der Schweizer Nationalbank vor drei Jahren aufgegebenen Mindestkurs von 1,20 Franken (--> aktueller Wechselkurs EUR/CHF ).

Wertentwicklung des Euro gegenüber dem Franken

Wertentwicklung des Euro gegenüber dem Franken

Die Gründe dafür sind vielfältig. Derzeit werden von Analysten gleich mehrere Punkte ins Feld geführt: Zum einen verliere der Franken mit dem Ende der Euro-Krise zunehmend seine Funktion als "sicherer Hafen" in der Region. Zum anderen könnten auch die US-Sanktionen gegen Russland eine Rolle spielen: Russische Oligarchen könnten auf der Suche nach Liquidität ihre Franken-Positionen abbauen und Bargeld aus der Schweiz abziehen, erklärte Mirabaud-Experte Jurus.

Andere Marktteilnehmer begründeten die Franken-Schwäche mit den weiterhin sehr tiefen Zinsen von minus 0,75 Prozent in der Schweiz - während diese in anderen Währungsräumen wieder steigen. Investitionen in Franken werden damit für Anleger zunehmend unattraktiv. Das zeige sich auch am Anleihenmarkt, wo die Investoren einen Bogen um Franken-Obligationen machen und stattdessen zu deutschen Schuldtiteln greifen, sagten Händler.

Die Zinsdifferenz gewinnt auch nach Ansicht der Commerzbank an Gewicht und wird "wieder zu einem stärkeren Argument für oder gegen eine Währung". Dabei spiele auch eine Rolle, dass die Schweizer Notenbank (SNB) bisher keine Anstalten mache, ihre Negativzinsen aufzugeben.

Das bekräftigte SNB-Präsident Thomas Jordan erst jüngst in einem Interview der Zeitung "La Liberte". Die SNB ist an einem möglichst schwachen Franken interessiert.

Durchatmen bei Kreditnehmern mit Frankenkrediten

In Österreich haben viele Privatpersonen, hier vor allem Hausbauern, sowie Kommunen den Kurs des Schweizer Franken im Fokus. Vor allem all diejenigen, die noch vor der Finanzkrise im Jahr 2007 einen Frankenkredit aufgenommen haben. Vor allem Privatpersonen wurde seinerzeit geradezu der Abschluss von Krediten in Schweizer Franken empfohlen. Das sollte sich im Verlauf der Finanzkrise und vor allem mit der Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) am 15. Jänner 2015 als folgenschwerer Irrtum herausstellen, als der Kurs noch weiter in den Keller abgesackt ist.

Im September notierte der Euro bei 1,678 Schweizer Franken zum Höchstand. Im Zuge der Finanzkrise ist der Kurs von damals bis zum Juni 2011 auf 1,148 Franken gefallen. Wer bei einem Kurs von rund 1,60 einen Kredit über 100.000 Euro aufgenommen hatten, war zu diesem Zeitpunkt bereits rund 40.000 Euro im Minus. Im Jahr 2015 nach der Aufgabe des Mindestkurses von 1,20 Franken hat sich der Verlust noch ausgeweitet. Beim Tiefpunkt, als der Euro bei einem Franken notierte war der Verlust des Schweizerfranken-Kredit mit mit rund 65.000 Euro im Keller.


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