Schweizer Franken: Finanzprofis erwarten Aufwertung gegen den Euro

Schweizer Finanzexperten gehen von einer Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro aus. Der Grund dafür ist die expansive Geldpolitik der EZB. Eine nennenswerte Konjunkturverbesserung wird für 2015 nicht mehr erwartet.

Schweizer Finanzexperten gehen davon aus, dass es heute keine merkliche Konjunkturverbesserung mehr im Nachbarland geben wird. Das besagt der ZEW-CS Finanzmarkttest, der im November um 18,3 Punkte gefallen ist und somit jetzt bei exakt null Punkten steht. Der ZEW-CS Indikator wird vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit der Credit Suisse monatlich im Rahmen des Finanzmarkttests für die Schweiz erhoben und spiegelt die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz auf Sicht von sechs Monaten wider.

Im Vergleich zur Oktober-Umfrage gehen mehr Finanzanalysten von einer Aufwertung des Frankens gegenüber der Hauptexportwährung Euro aus. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie mit einer Ausweitung der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember rechnen. EZB-Chef Mario Draghi hat signalisiert, nötigenfalls die Geldschleusen im Dezember noch weiter zu öffnen. Damit will die EZB die niedrige Inflation ankurbeln.

Download: Ergebnisse des ZEW-CS Indikators November im Detail

Den fairen Euro-Wechselkurs sehen jeweils rund ein Drittel der Befragten in der Spanne 1,00 bis 1,10 Franken beziehungsweise 1,10 bis 1,20 Franken. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,0830 Franken bezahlt. Der Wert der Landeswährung war im Jänner sprunghaft gestiegen, nachdem die Schweizer Notenbank die mehr als drei Jahre geltende Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken aufgegeben hatte. Zu schaffen macht das innerhalb der Schweiz vor allem der exportorientierten Industrie, deren Waren im Ausland teurer und weniger konkurrenzfähig werden.

Der Euro/Franken-Kurs der letzten fünf Jahre.

Notenbank könnte eingreifen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht nach Angaben der Schweizer Regierung bei Bedarf bereit für weitere Interventionen am Devisenmarkt, um den Franken zu schwächen. Die Geldpolitik der Währungshüter sei mit den bestehenden Negativzinsen "auf die aktuelle Situation mit einem immer noch deutlich überbewerteten Franken ausgerichtet", berichtete der Bundesrat am Mittwoch im Anschluss an ein Treffen mit SNB-Chef Thomas Jordan. Wenn es nötig ist, sei die SNB zudem am Devisenmarkt aktiv, hiess es weiter.

Fremdwährungskredite deutlich abgebaut - Problem bleibt

In Österreich sind etliche Kreditnehmer von der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze betroffen. "Wer Anfang 2008 einen Fremdwährungskredit im Volumen von 100.000 Euro im Schweizer Franken aufgenommen hat, müsste bei einer Tilgung heute - ohne Verzinsung - allein aufgrund der Aufwertung 158.900 Euro zurückzahlen", hieß es dazu im Oktober von der Finanzmarktaufsicht FMA.

Der Abbau der Fremdwährungskredite schreitet zwar voran, das Problem ist aber noch lange nicht gelöst. "Da mehr als 80 Prozent der Fremdwährungskredite eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren haben, die ersten Tilgungsspitzen aber ab 2020 einsetzen, darf hier bei den Anstrengungen nicht nachgelassen werden", so die FMA-Chefs Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller.

Fremdwährungskredite wurden von den Banken lange Zeit als günstige Finanzierung, etwa für Häuselbauer, empfohlen. Derzeit haben noch rund 138.000 Haushalte einen Fremdwährungskredit aushaftend, wobei der noch zu tilgende Betrag im Schnitt knapp über 180.000 Euro liegt.