Schweizer Franken wird zur Carry Trade-Währung Nummer eins

Schweizer Franken wird zur Carry Trade-Währung Nummer eins

Carry-Trades auf Währungen der Industrieländer waren in jüngster Zeit erfolgreicher als solche auf Devisen der Schwellenländer, die häufig von renditehungrigen Investoren bevorzugt werden. So brachte beispielsweise ein Carry-Trade mit dem Schweizer Franken auf der Finanzierungsseite und einer anderen G10-Währung auf der Kaufseite einen jährlichen Überschussertrag von 17,1 Prozent ein, seit die Stimmung im Juni letzten Jahres umschlug. Hingegen weist eine entsprechende Schwellenländer-Transaktion nur ein Plus von 6,5 Prozent auf.

Händler sind zu dem Schluss gekommen, dass sich Berechenbarkeit am Devisenmarkt auszahlt, nachdem Notenbankchefs von Fed-Chairman Ben S. Bernanke bis EZB-Präsident Mario Draghi wenig Neigung zeigen, ihre Stützungsmaßnahmen zurückzunehmen. Bernanke sagte am Montag, dass die niedrigen Zinsen in den Industrieländern der Weltwirtschaft zugutekommen, aber keine Unruhe stiftende Umlenkung des Handels über schwächere Währungen bewirken. Indes weiten Währungshüter in den Schwellenländern die Interventionen aus.

“Der Markt sieht weniger Risiko von Interventionen und aufsichtsrechtlichen Veränderungen bei den G10-Staaten”, sagt Shahab Jalinoos, leitender Devisenstratege bei der UBS AG in Stamford, Connecticut. “In den Schwellenländern ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass die Notenbanken ihre Landeswährungen aktiv nach unten manipulieren. Das schließt eine ganze Reihe von Schwellenländern aus.”

Carry-Trades auf die G10 beinhalten einen Verkauf der drei am niedrigsten rentierenden Währungen in dieser Gruppe wie beispielsweise den US-Dollar, um damit die drei am höchsten rentierenden Devisen wie beispielsweise den australischen Dollar zu kaufen. Die Verkaufs- und Kaufpositionen werden täglich auf Basis der Renditeschwankungen angepasst. Der Schwellenländer- Carry-Trade wendet die gleiche Strategie auf eine Gruppe von Währungen wie die tschechische Krone, den polnischen Zloty, den südafrikanischen Rand, den Singapur-Dollar, den südkoreanischen Won, den brasilianischen Real und den mexikanischen Peso an.

Die großen Zentralbanken unter Führung der Fed, EZB, sowie der japanischen und britischen Notenbank haben durch ein Zinsniveau nahe Null und ihre Bondaufkäufe die Volatilität gesenkt. Ziel der Maßnahmen war es, die Erholung der Konjunktur von der schlimmsten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise am Laufen zu halten.

Volatilität sinkt, Rendite steigt

Der JPMorgan G7 Volatility Index, der auf Drei- Monats-Optionen auf den G7-Währungen basiert, liegt mit 9,48 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von 12,2 Prozent. Eine geringe Volatilität erhöht in der Regel den Ertrag aus Carry-Trades, da die Devisenausschläge geringer sind.

Der Ertrag, gemessen am UBS AG V24 Carry Trade Index, der Positionen in 24 Währungen am Terminmarkt abdeckt, steuert auf den vierten Monat mit Anstiegen zu, die längste Aufwärtsphase seit 2009. Am 8. März kletterte der Index auf 440,36, den höchsten Stand seit dem 28. August. Am 4. Dezember lag er noch bei 422,721, dem tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren.

Der G10-Carry-Trade kommt seit Anfang 2009 auf einen jährlichen Überschussertrag von 9,8 Prozent, zeigen Bloomberg- Daten. Ein identisch strukturiertes Geschäft mit den zehn liquidesten Schwellenländer-Währungen brachte einen Ertrag von 5,2 Prozent.

Zentralbank-Interventionen in Schwellenländern lasten auf den am höchsten rentierenden Währungen, die den Kauf-Part der Transaktion darstellen. Seit Jahresanfang 2009 weist die indische Rupie die viertschlechteste Performance unter 31 großen Währungen auf, zeigen Bloomberg-Daten. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Reserve Bank of India den Repo-Satz dreimal gesenkt. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins seit Anfang 2012 sechs Mal reduziert. Die Lira hat seit Anfang 2009 die drittschlechteste Performance erzielt.

Aber die Volatilität beginnt nun anzuziehen, der G7-Index von JPMorgan ist über die Messgröße für die Schwellenländer gestiegen und die Differenz hat im vergangenen Monat den größten Wert seit Juli 2011 erreicht. Das signalisiert, dass die Währungen von Industrienationen risikoreicher werden könnten.

Zentralbanken haben zur Diversifizierung ihrer Reserven G10-Währungen gekauft. Die Währungen von Ländern mit einer Spitzen-Bonitätsnote von “AAA” wie der australische und kanadische Dollar haben von diesen Kapitalströmen profitiert, so Michael Siviter von Invesco Ltd.

Der Aussie, den der Internationale Währungsfonds als offizielle Reservewährung empfahl, weist seit dem 7. Juli den höchsten Ertrag unter den G10-Währungen auf. “Australien und insbesondere Kanada erhalten diese Diversifikationsgelder, so dass sie wohl von ihrer Fundamentallage abweichen”, berichtet Siviter, Fondsmanager bei Invesco. “Im Gegensatz dazu haben einige Schwellenländer nicht so stark profitiert.”

Die Spitzen-Empfehlungen von Invesco bei den G10-Ländern sind der US-Dollar, den die Gesellschaft gegen den Euro kauft, der kanadische Dollar und der Neuseeland-Dollar, erläutert Siviter.

Schweizer Franken

Schadenersatz für Schweizer Franken Kreditnehmer

Schweizer Franken

Schweizer Franken: SNB bleibt trotz Euro-Erholung bei Negativzinsen

Schweizer Franken

Frankenschwäche lässt Schweizer Wirtschaft jubeln