Schweizer-Franken-Beben: Das sollten Kreditnehmer jetzt tun

Häuselbauer, die noch immer auf einem Schweizer-Franken-Kredit sitzen, brauchen in diesen Tagen besonders gut Nerven.
Häuselbauer, die noch immer auf einem Schweizer-Franken-Kredit sitzen, brauchen in diesen Tagen besonders gut Nerven.

Häuselbauer, die noch immer auf einem Schweizer-Franken-Kredit sitzen, brauchen in diesen Tagen besonders gut Nerven.

Der Euro ist gegenüber dem Schweizer Franken um bis zu 28 Prozent abgestürzt. Womit Schuldner und Franken-Kreditnehmer nun rechnen müssen. Schweizer Franken Guru Johann Massenbauer erklärt, ob die Banken mehr Sicherheiten fordern dürfen, den Kredit zwangskonvertieren oder fällig stellen dürfen.

Die Gesichter vieler Schweizer-Franken-Schuldner sind am 15. Jänner 2015 beim Blick auf den Kursverfall des Euro gegenüber dem Franken, eingefroren. In nur wenigen Stunden hat die europäische Einheitswährung gegen über dem Franken bis zu 28 Prozent an Wert verloren. Damit verteuerten sich die Kredite für Frankenschuldner im selben Ausmaß.

Für Häuselbauer, die noch immer im Schweizer Franken feststecken, eine mittlere Katastrophe. Bereits seit Mitte 2007 verliert der Euro gegenüber der Schweizer Währung stetig an Wert. Die Schulden der Häuslbauer explodieren. Der Verlust kann bis zu 60 Prozent der Kreditsumme ausmachen. Doch noch nie sind die Schulden an einem Tag so stark gestiegen wie am 15. Jänner 2015.

Bei 300.000 Euro Kredit zusätzlich 180.000 Euro Schulden wegen Franken-Kursanstiegs

„Die ärmsten sind diejenigen Schuldner, deren Franken-Kredit in zwei, drei Jahren ausläuft“, urteilt Fremdwährungsspezialist Johann Massenbauer. Für diese wird es sich nicht mehr ausgehen, dass der Franken nennenswert billiger wird. Schon jetzt sind die zusätzlichen Kosten, die ein solcher Kredit verursacht, erdrückend. Wer etwa noch 2007 einen Schweizer-Franken-Kredit in Höhe von 300.000 Euro aufgenommen hat, muss derzeit grob geschätzt rund 180.000 Euro zusätzlich abstottern. Selbst wenn die Zinsen in der Schweiz noch niedriger als in Österreich sind fällt es Frankenschuldner angesichts des Kurseinbruchs schwer, nicht die Nerven wegzuschmeißen.

Mögliches Euro-Kursziel: 1,10 CHF

Aber Massenbauer beruhigt. Wenn die aktuellen Krisen wie in der Ukraine abklingen und die Sanktionen gegen Russland irgendwann aufgehoben werden, wird die Währung wieder steigen, zumindest leicht. Denn viele Experten halten den Franken derzeit ohnehin für zu hoch bewertet. Massenbauer: "So gut ist die Wirtschaft der Schweiz auch wieder nicht." Laut Prognosen mehrerer Banken soll der Euro/Franken-Kurs von derzeit 1.028 längerfristig wieder auf 1,25 Franken steigen. Massenbauer: "Der Schweizer-Franken-Kurs ist aufgrund der Freigabe des Franken durch die Schweizer Nationalbank aus meiner Sicht kurzfristig überbewertet und ich rechne in den nächsten Wochen und Monaten mit der Reduktion des Kurses auf etwa 1,10." Doch auch andere Gründe sprechen dafür die Ruhe zu bewahren. „Banken dürfen den Kredit nicht zwangskonvertieren. Das ist gesetzlich verboten“, weiß Massenbauer, auch wenn es manche Banken in der Vergangenheit bereits probiert haben.
Auch vor einer weiteren illegalen Methode der Banken warnt Massenbauer: „Es wird sicher wieder Banken geben, die von ihren Schuldnern höhere Sicherheiten fordern. Wie bei Fälligstellung von Krediten gibt es dazu bereits eine Reihe von Gerichtsurteilen, die dieses Vorgehen untersagen.“ Vertragsklauseln dürften im Nachhinein höchstens Zugunsten von Verbrauchern geändert werden. Allerdings mit einer Einschränkung. Sie betrifft Selbstständige. „Die sind für die Banken Freiwild“, so Massenbauer.

Denjenigen Häuslbauer, die in ihrer Verzweiflung mit dem Gedanken spielen, einen günstigen Eurokredit aufzunehmen, um die Franken-Schulden schneller abzustottern, rät Massenbauer aber von dieser Idee dringend ab. So etwas könne die Schuldenprobleme höchstens zusätzlich verschärfen. Derzeit hilft in diesem Fall wohl nur abwarten.

Wie jemanden zu raten, mit vier Promille im Blut Auto zu fahren

Generell sprechen so manche Experten hinter verhaltener Hand davor, dass Banken, die Kunden Fremdwährungskredite angedreht haben, völlig verantwortungslos gehandelt hätten. Massenbauer kritisiert speziell die Kreditvergabe vieler österreichischer Banken in Osteuropa. "Da gab es nicht selten keine Bonitätsprüfungen und man hat die Kunden oft gar nicht gesehen. Das war als ob man jemand mit vier Promille im Blut rät Auto zu fahren." Viele Banken hätten an den Fremdwährungskrediten glänzend verdient und nicht auf die Risiken geachtet.

Der VKI bietet Verbrauchern an, Deckungslücke und Schaden zu berechnen. Die Konsumentenschützer verlangen dafür 165 Euro. Bei Streitigkeiten mit der Bank hilft die neu gegründete Verbraucher-Schlichtungsstelle, die die Ex-OGH-Präsidentin Irmgard Griss leitet. Und im Gegensatz zum Anwalt, kostet die Rechtshilfe dort nichts.

Fixzins auf zehn Jahre sichern für 1,75 Prozent

Wer jetzt einen Kredit abschließen will, dem bietet der Finanzierungsspezialist Massenbauer 1,75 Prozent Zinsen, inklusive Spesen der Banken. Für ein variables Darlehen zahlt man im besten Fall 1 1/8 Prozent. Beste Bonität natürlich vorausgesetzt. Massenbauer: "Wer hart verhandelt, kann das auch bei der Bank herausschlagen."

Gute Nachricht für Franken-Kreditnehmer: Zumindest die Zinsen bleiben in der Schweiz weiter günstig.

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