Marktforscher: Schweizer Franken zu stark für breiten Aufschwung

Marktforscher: Schweizer Franken zu stark für breiten Aufschwung

Die Stimmung unter schweizerischen Managern hellt sich wieder auf. Allerdings wird es ohne eine Abwertung des Schweizer Franken keine breit gestützte Erholung der schweizerischen Industrie geben, sagen Marktforscher. Und angesichts der aktuellen Euro-Politik dürfte der Franken stark bleiben.

Die Stimmung in der Schweizer Wirtschaft bessert sich wieder, nachdem vor allem exportorientiere Unternehmen nach der Aufhebung des Mindestkurses unter dem starken Schweizer Franken gelitten haben. Der Einkaufsmanagerindex (PMI), der vom Fachverband für das Beschäftigungsmanagement procure.ch und der Großbank Credit Suisse erhoben wird, ist im Dezember um 2,3 Punkte gestiegen und belief sich somit auf 52,1 Punkte - als Faustregel gilt, dass ab 50 Punkten Wachstum angezeigt wird.

Allerdings weisen die Autoren der Umfrage darauf hin, dass es ohne eine markante Frankenabwertung keine breit abgestützte Erholung der Industrie geben wird. In der Aussendung heißt es auch, dass die benötigte Abwertung des Schweizer Franken angesichts der zusätzlichen geldpolitischen Lockerung in der Eurozone unwahrscheinlich scheint.

Download: Ergebnisse des PMI im Detail

Trotz des neuen schweizerischen Optimismus verharrt die Subkomponente "Beschäftigung" mit einem Wert von 42,1 im negativen Bereich - 22 Prozent der befragten Einkaufsmanager geben an, dass der Personalstand im laufenden Monat niedriger ist als im Vormonat. Die geringeren Durchschnittswerte deuten auf einen noch andauernden Personalabbau hin.

Die Entwicklung des Schweizer Einkaufsmanagerindex (PMI) seit 2001.

Den Studienautoren zufolge ist der Grund für den gesteigerten Optimismus, dass die Produktion im Dezember abermals gesteigert wurde. Der entsprechende Wert steigerte sich um 8,1 Punkte auf 57,6. In den meisten Monaten des vergangenen Jahres sei die Produktion erhöht worden, allerdings seien die Schwankungen von Monat zu Monat ungewöhnlich stark gewesen.

Starker Schweizer Franken drückt Export

Seit der Entscheidung der schweizerischen Nationalbank am 15. Jänner 2015, den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufzuheben, laboriert die schweizerische Exportwirtschaft an der starken Landeswährung - denn im europäischen Ausland wurden schweizerische Waren und Dienstleistungen schlagartig um zehn Prozent teurer. Auch europäische Urlauber müssen in der Schweiz nun mehr bezahlen, Viele sind daher heuer den Schweizer Alpen fern geblieben. Die Schweizer selbst wiederum kaufen weniger im Inland ein; wer in Grenzregionen lebt, fährt zum Shoppen nach Österreich oder Deutschland.

Experten von Raiffeisen Research rechneten Ende 2015 für heuer mit einem Kurs von 1,10 Schweizer Franken je Euro. Maßnahmen der Notenbank sollten dies möglich machen: Die SNB dürfte bei ihrer Zwei-Säulen-Strategie - negative Zinssätze und Interventionen der Notenbank zur Schwächung des Franken - bleiben. Im Dezember hat die SNB verkündet, den negativen Zinskorridor von -1,25 bis -0,25 Prozent beizubehalten; bei Bedarf könnte das Zinsniveau weiter gesenkt werden.

SNB-Chef Thomas Jordan hatte im Dezember in einem Interview von einem "schwierigen Jahr" gesprochen.

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