Schweizer Banken bunkern Franken

Schweizer Banken bunkern Franken

Schweizer haben bereits 386 Milliarden bei der SNB eingelagert.

Der starke Franken lässt die Schweizer Banken beinahe im Geld ersticken. Ihre Einlagen bei der Nationalbank SNB sind auf den neuen Rekord von 386 Milliarden Franken gestiegen. Und die Einlagen werden weiter steigen: Analysten rechnen mit einem anhaltend starken Franken und weiter sinkenden Zinsen.

Der starke Franken stellt die Schweizer Banken vor ein neues Problem: Sie wissen kaum mehr, wohin mit dem Geld. Die Lösung: Sie bunkern es bei der Nationalbank SNB ein. Vergangene Woche sind die Einlagen der Banken erneut auf einen historischen Höchststand gestiegen. Exakt 385,9 Milliarden Franken - aktuell 373,3 Milliarden Euro - waren vergangene Woche bereits bei der SNB eingelagert, um 1,9 Milliarden Franken mehr als noch in der Woche davor. Tendenz weiter steigend.

Wichtig ist die Entwicklung der sogenannten Sichteinlagen, weil sie als Indiz dafür gilt, ob die SNB am Devisenmarkt eingreift, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Girokonten gut.

Der Euro war vorige Woche im Sog des Griechenland-Schuldenstreits bis auf Kurse knapp über 1,02 Franken abgesackt - den tiefsten Stand, seit Jänner als die SNB den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgab. Aktuell werden für einen Euro 1,08 Franken bezahlt. Zu Zeiten des Mindestkurses waren die Giroguthaben zeitweise um zweistellige Milliardenbeträge gestiegen. Aktueller Wechselkurs EUR/CHF.

Die Abwehr-Strategie

Ein SNB-Sprecher wollte keine Stellung dazu nehmen, ob die Notenbank am Devisenmarkt interveniert hat. Notenbankchef Thomas Jordan und seine beiden Direktoriumskollegen haben wiederholt gesagt, dass sie auch nach der Abkehr von der mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze eingreifen wollen, falls wieder eine Geld-Welle auf die Schweiz zurollen sollte.

Die Notenbank stemmt sich seit Jänner mit Strafzinsen gegen den Zufluss in den Franken und die für die exportorientierte Industrie des Landes schädliche Aufwertung der Landeswährung. Einlagen bei der Zentralbank werden aktuell mit einer Gebühr von 0,75 Prozent belastet.

"Die Tatsache, dass die Sichteinlagen gestiegen sind, impliziert, dass die SNB vermutlich ausländische Werte gekauft hat, insbesondere Euro", erklärte Andreas Ruhlmann, Marktanalyst bei der Genfer IG Bank. Sollte sich der Euro-Franken-Kurs der Parität nähern, könnte die SNB zu einer weiteren Zinssenkung greifen. Laut Ipek Ozkardeskaya, Analyst bei der London Capital Group, lastet die Kombination aus weit offenen EZB-Geldschleusen, ungelöstem Griechenland-Schuldenstreit und Unsicherheit über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung in den USA schwer auf den Schultern der SNB.

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