Schweiz stoppt gigantisches Gelddrucken: Mögliche Folgen

Schweiz stoppt gigantisches Gelddrucken: Mögliche Folgen

Die Schweizer Notenbank könnte mit ihrer Währungsrochade längerfristig die Weltwirtschaft in Atem halten. Die Schweizer haben in den vergangenen Jahren ihre Bilanzsumme um 175 Milliarden Franken auf aktuell 525,3 Milliarden Franken aufgebläht. Damit hat die Schweiz im Verhältnis etwa genauso viel Geld gedruckt, wie die USA. Von hoher Arbeitslosikgeit in der Schweiz über steigenden Deflationsdruck bis hin zu einer Erholung des Franken ist alles möglich.

Die Schweiz hat nun ihre aggressive Geldpolitik beendet und das massive Gelddrucken beendet. Die gestrige Vorabentscheidung des Europäischen Gerichtshofs hat offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Darin hat der Europäische Gerichtshof der europäischen Notenbank den Segen gegeben, selbst zu entscheiden, wie viel Geld sie, wenn nötig durch den Ankauf von Euro-Anleihen in den Markt pumpen will.


Um einen Mindestkurs gegenüber dem Euro Aufrecht und die Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, hat die Schweiz seit Einführung des Euro-Mindestkurses Milliarden an Euro zugekauft – vielfach in Form von Euro-Staatsanleihenkäufen. Das Problem der Schweizer: Anleger aus krisengeschüttelten Währungsräumen sind mit ihrem Geld scharenweise in den sicheren Hafen Schweiz geflüchtet. Mit der Folge, dass der Franken kräftig aufwertete. Verschärft wurde das Problem mit dem Wertverfall des Euro seit Herbst vergangenen Jahres. Seither ist es für die Schweizer noch schwieriger geworden, den Franken künstlich billig zu halten. So mussten die Schweizer mehr und mehr Euro-Anleihen kaufen, um den Mindestkurs halten zu können

Der Supergau war nun für die Schweizer die Entscheidung des europäischen Gerichtshofs, es der EZB zu überlassen, unbegrenzt Staatsanleihen kaufen zu dürfen, wenn sie das für notwendig hält. Damit ist die Politik der EZB für die Schweizer völlig unberechenbar geworden. Wenn nämlich auch die EZB, so wie die Schweizer Notenbank, Euro-Anleihen kauft, würden die Zukäufe der Schweiz praktisch im Nichts verpuffen. Eine Koppelung an den Euro hätte sogar gefährlich werden können, da die Folgen unabsehbar geworden wären. Die Deutsche Asset & Wealth Management (AWM) in einer Analyse: „Die Zentralbank hat erkennen müssen, wie schwer es ist eine solche Mindestmarke von 1,20 Franken pro Euro zu halten und hat nun ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende gewählt.“ Schon nächste Woche dürfte die EZB auf ihrer Sitzung den Aufkauf von Staatsanleihen in großem Stil verkünden. Das bedeutete eine weitere radikale Lockerung der EZB-Geldpolitik.

Dennoch blicken viele Experten mit Sorge auf die Auswirkungen der Schweizer Geldpolitik. So kommt der EZB diese Rochade nach Einschätzung der deutschen Wealthmanager keineswegs zugute. „Der völlige und abrupte Rückzug erscheint aktuell kontraproduktiv für die EZB.“

Flucht in Gold

In Folge der Währungsturbulenzen flüchteten viele Anleger in Gold. Zum einen hat auch der Dollar nach der Entscheidung der Schweizer nicht nur zum Franken, sondern auch zu anderen Währungen an Wert eingebüßt. Da Gold in der US-Dollar gehandelt wird, wird der Kauf des Edelmetalls günstiger.

Die wirtschaftlichen Folgen

Die Frage ist nun, was das für die Realwirtschaft bedeutet. Der starke Ölpreisverfall zusammen mit dem Absturz des Franken im Höllentempo „birgt eine sehr große Deflationsgefahr“, so die deutsche AWM in einer aktuellen Analyse. So verlieren nicht nur die Schweizer Unternehmen stark an Wettbewerbsfähigkeit. Die Aktienkurse zahlreicher Schweizer Unternehmen rasselten deshalb bereits in den Keller. Die Gewerkschaft Travail.Suisse warnt etwa vor einer hohen Arbeitslosenrate, wenn die Frankenaufwertung außer Kontrolle gerate. Denn die Folge wäre, das Schweizer Produkte, aufgrund der Preissteigerung bei Exporten, deutlich weniger nachgefragt würden. Auch die Finanzindustrie wurde auf dem falschen Fuß erwischt und könnte auch weiter unter Druck geraten. Denn sowohl die Kreditnehmer als auch die Banken sind von den hohen Franken-Krediten ihrer Kunden betroffen. In Österreich sind Schweizer Franken Kredite in Höhe von 25 Milliarden Euro in Franken aushaftend. In Osteuropa haben die Banken sogar Fremdwährungskredite in Höhe von 118 Milliarden Euro gewährt. Alleine in Polen belaufen sich die Schweizer Franken Kredite auf 31 Milliarden Euro.Auf das Vertrauen in Zentralbanken eine Anlagestrategie aufzubauen, ist hochproblematisch. Und natürlich stellt sich nun die Frage: Wie vertrauenswürdig sind Zentralbanken?“

Doch zur Angst kommt bei vielen Ökonomen auch die Hoffnung, dass nun nach dem Ende des Geldflusses aus der Schweiz, die EZB den Geldhahn aufdreht und so Wirtschaft und Börsen einen Schub verleiht. "Offenbar ist sich die Schweizerische Nationalbank sehr sicher, dass die EZB ein umfangreiches Kaufprogramm für Staatsanleihen beschließen wird", so etwa Analyst Jasper Lawler vom Broker CMC Markets. Wie in den USA, wo seit Jahren viel Geld in die Märkte gepumpt wird, hofft man nun in Europa auf segensreichen Geldspritzen.

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