Porträt: Der dritte Kopf für die SNB

Porträt: Der dritte Kopf für die SNB

Am 1. August ist die Spitze der Schweizer Notenbank nach mehreren Monaten wieder komplett. Dann besetzt Fritz Zurbrügg den seit dem Rücktritt des damaligen Notenbank-Präsidenten Philipp Hildebrand im Januar verwaisten dritten Platz an der Spitze der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Ernannt wurde er zwar schon zusammen mit SNB-Chef Thomas Jordan im April. Der 52-Jährige wollte aber zuerst seine Arbeit im Finanzministerium abschließen und den Haushaltsplan für 2013 unter Dach und Fach bringen, bevor er sein neues Amt bei der SNB antrat. Dort ist er für Finanzmärkte, das operative Bankgeschäft und die Informatik verantwortlich. In sein Ressort fällt auch die Verteidigung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken.

Zwar bringt Zurbrügg nicht ganz den akademischen Hintergrund mit wie Jordan und Vizepräsident Jean-Pierre Danthine, die als versierte Geldtheoretiker gelten. Als Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV) und einer der Väter der erfolgreichen Schweizer Schuldenbremse ist der studierte Ökonom allerdings den Umgang mit großen Beträgen gewohnt. Die Notenbank muss derzeit Milliarden in die Hand nehmen, um die im vergangenen September zum Schutz der exportabhängigen Schweizer Wirtschaft festgesetzt Euro-Kursuntergrenze durch Devisenmarkt-Interventionen zu verteidigen.

Zurbrügg ist als Sohn eines UNO-Forstexperten unter anderem im Iran, in Myanmar und in Italien aufgewachsen und spricht mehrere Sprachen. Der Familienvater von drei Söhnen bringt ein gehöriges Maß an Praxis und internationaler Erfahrung in das Leitungsgremium der Notenbank ein. "Er ist ein sehr guter und erfahrener Makroökonom, der vor allem auch durch seine langjährige Tätigkeit in Washington über ausgezeichnete internationale Kontakte verfügt und sich auf dem internationalen Parkett zu bewegen weiß", sagt Aymo Brunetti, der frühere Chef des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), der während der Finanzkrise eng mit Zurbrügg zusammenarbeitete. "Und gerade das ist aus meiner Sicht für die SNB in der heutigen Situation ein besonderes Asset." Zurbrügg arbeitete nach seinem Studium und der Promotion an der Universität Bern von 1992 bis 1994 und dann wieder von 1998 bis 2006 beim Internationalen Währungsfonds (IWF).

Seine Kontakte dürften Zurbrügg zugutekommen, wenn es darum geht, den Euro-Mindestkurs international zu erklären. Denn faktisch stellt das Vorgehen der SNB eine Subventionierung der Exporte dar. Und die Schweizer Ausfuhren haben sich in den letzten Monaten trotz der Konjunkturflaute im Hauptabsatzmarkt Europa erstaunlich gut entwickelt. Neben seinen fachlichen Qualitäten bringt der parteilose Zurbrügg durch seine Tätigkeit im Finanzministerium auch die nötigen Verbindungen zur Schweizer Politik mit und ist gewohnt, in heiklen Fragen Kompromisse zu finden: ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn es darum geht, die Interessen der Exporteure und die Skepsis rechtskonservativer politischer Kreise gegenüber dem Euro-Mindestkurs unter einen Hut zu bringen.

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