JPMorgan erwartet Bruch des Franken-Mindestkurs

JPMorgan erwartet Bruch des Franken-Mindestkurs

Am Donnerstag schwächten Spekulationen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren festgesetzten Euro-Mindestkurs ändern wird, um die Landeswährung abwerten zu lassen, den Franken-Kurs. Analysten von JPMorgan sind allerdings nicht davon überzeugt, dass die SNB den Mindestkurs des Franken zum Euro halten kann.

Donnerstag fiel der Franken um bis zu 0,2 Prozent auf 1,2063 Franken je Euro, das ist der tiefste Innertages-Stand seit 6. August.

Die SNB hatte den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken vor einem Jahr angesetzt. Grund war der damalige Höhenflug des Franken, der die Wirtschaftsentwicklung belastete.

“Angesichts der anhaltend schwachen Wirtschaftsaktivität und der Inflationsdaten haben in den vergangenen 24 Stunden Spekulationen grassiert, dass eine Anhebung des Limits auf 1,22 bevorstehen könnte”, schrieb Währungsstrategin Sue Trinh von Royal Bank of Canada in Hongkong in einer Kundennotiz. Die Währung sei “anfällig für einen Ausverkauf auf 1,2010 Franken, falls sich die Gerüchte und Spekulationen als unbegründet erweisen sollten.”

Der Sprecher der schweizerischen Zentralbank, Walter Meier, lehnte einen Kommentar ab. SNB-Chef Thomas Jordan hatte sich am 3. September erneut zur Verteidigung des Euro-Mindestkurses gegenüber dem Franken bekannt.

JPMorgan: 1,15 Franken je Euro

Während andernorts über eine Anhebung des Mindestkurses spekuliert wird, gehen die Analysten der Großbank JPMorgan davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs des Franken zum Euro nicht halten kann. Bisher hat die Deckelungsstrategie ein Jahr spekulativer Attacken und den Rücktritt ihres Erfinders verkraftet.

JPMorgan sieht den Franken zum Jahresende bei 1,15 Franken je Euro, was die Höchstschätzung in einer Bloomberg-Umfrage unter 42 Experten ist. Nur drei der Strategen erwarten, dass der Mindestkurs von
1,20 durchbrochen wird. Dieser war vor einem Jahr vom früheren SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand eingeführt worden, der im Januar wegen Devisengeschäften seiner Ehefrau zurückgetreten ist. Diese Marke ist nur einmal durchbrochen worden, obwohl der Euro in dem Zeitraum wegen der Euroraum-Schuldenkrise um 16 Prozent gegenüber dem Dollar nachgegeben hat.

Devisenreserven schwellen an

Durch die Verteidigung des Mindestkurses sind die Devisenreserven der Notenbank auf rund 409 Mrd. Franken angeschwollen. Das entspricht etwa 67 Prozent vom Schweizer Bruttoinlandsprodukt. Vor Einführung der Franken-Deckelung beliefen sich die Reserven auf 253 Mrd. Franken. Der SNB ist es mit der Politik nicht gelungen, den Franken zu schwächen. Der Wechselkurs schloss jeden Tag in einer Bandbreite von 0,4 Prozent zu 1,20, seit er am 5. April ein einziges Mal diese Marke durchbrochen hatte.

“Der Mindestkurs ist länger aufrechterhalten worden als die SNB gedacht hatte und der Euro-Franken-Kurs hat sich erheblich länger als erwartet in der Nähe der Deckelung gehalten”, sagt Paul Meggyesi, geschäftsführender Direktor und Devisenstratege bei JPMorgan in London. “Der Mindestkurs ist keine angemessene Basis für eine langfristige Geldpolitik. Irgendwann werden die Kosten die positiven Effekte überwiegen.”

Die gegenwärtige Medianschätzung für die eidgenössische Devise liegt bei 1,20 je Euro und damit auf der Höhe des Mindestkurses der SNB. JPMorgan hat im Mai ihre Jahresendprognose für den Franken von diesem Niveau korrigiert.

Maybank und Hamilton Court FX sehen ebenfalls den Franken zum Jahresende bei einem stärkeren Kurs als 1,20, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Morgan Stanley geht nun davon aus, dass der Franken im ersten Quartal den Mindestkurs durchbrechen wird, nachdem die Bank in der vergangenen Woche eine Prognose revidierte, dass dies bereits bis Ende 2012 geschehen solle.

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