IWF: SNB soll bei Franken-Aufwertung Negativzinsen einführen

IWF: SNB soll bei Franken-Aufwertung Negativzinsen einführen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sollte bei einer erneuten Aufwertung des Franken negative Zinssätze auf die Überschussreserven der Geschäftsbanken einführen, rät der Internationale Währungsfonds (IWF).

“Im Falle von erneutem Aufwertungsdruck sollte die SNB nach Meinung des IWF negative Zinssätze auf die Überschussreserven von Geschäftsbanken bei der SNB einführen”, sagte IWF-Missionschefin Enrica Detragiache (Bild) auf einer Pressekonferenz in Bern. Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied des SNB-Direktoriums, bezeichnete dies als eine Option.

Der Schweizer Franken hat daraufhin vorherige Kursgewinne zum Euro eingebüßt und fiel auf 1,2289 Franken. Im Anschluss holte er einen Teil der Verluste wieder auf und notierte zuletzt bei 1,2239 Franken 0,3 Prozent höher. Der Euro stand wegen der von den Euroraum-Finanzministern geplanten Abgabe für zyprische Bankeinlagen, die sie im Rahmen des Hilfspakets für das Land vereinbarten, unter Druck.

Die SNB hat im September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro eingeführt, um den exportorientierten Unternehmen zu helfen und eine Deflation abzuwenden. Zuvor war die eidgenössische Währung auf die Parität zum Euro zugesteuert. Die Notenbank hat in der vergangenen Woche die Franken-Deckelung bekräftigt und auch das Zielband für den Leitzins bei null bis 0,25 Prozent belassen. Angesichts der Risiken aus der Euroraum- Schuldenkrise sollte der Mindestkurs beibehalten werden, solange Inflationsgefahren nicht auszumachen sind, geht aus einer Erklärung des IWF im Anschluss an die jährliche Artikel-IV- Konsultation hervor.

“Negative Zinsen, wie vom IWF empfohlen, sind eindeutig eine Option, die wir in Betracht ziehen”, sagte Moser von der SNB auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Detragiache in der Schweizer Hauptstadt und begrüßte die Schlussfolgerungen des IWF.

Die Rückendeckung durch den IWF stärke die Position der Zentralbank, sagte Peter Rosenstreich, Chef-Devisenanalyst bei Swissquote Bank. “Die Unterstützung vom IWF verleiht Glaubwürdigkeit und bestätigt die gegenwärtige Politik der SNB”, fügte er hinzu.

Die SNB hat im vergangenen Jahr 188 Mrd. Franken für Interventionen zur Verteidigung der Franken-Deckelung ausgegeben, und SNB-Präsident Thomas Jordan sagte in der vergangenen Woche, die Notenbank sei bereit, für die Beibehaltung des Mindestkurses Fremdwährungen in unbegrenzter Höhe zu kaufen. Die Reserven der SNB entsprechen mittlerweile fast drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Etwa die Hälfte der Reserven wird in Euro gehalten.

“Im Falle einer Zunahme der mit der Bilanzsumme der SNB verbundenen Risiken rät der IWF zu weiteren Anstrengungen, um die Eigenmittel der Nationalbank zu erhöhen,” erklärte Detragiache vom IWF.

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