Franken-Limit: "Eine Extremmaßnahme für eine Extremsituation"

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat die vor knapp einem Jahr festgesetzte Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken als notwendig verteidigt.

Franken-Limit: "Eine Extremmaßnahme für eine Extremsituation"

Zudem sagte Thomas Jordan in einem am Montag auf der Homepage des Schweizer Fernsehens veröffentlichten Interviews, dass der Mindestkurs "nicht für die Ewigkeit" sei. Die Frage nach einem Ausstieg aus dem Währungsregime stelle sich derzeit aber nicht.

"Der Euro-Mindestkurs ist eine Extremmaßnahme für eine Extremsituation", erklärte Jordan. "Der Mindestkurs ist nicht für die Ewigkeit, aber zurzeit stellt sich einfach diese Frage nicht. Es ist die richtige Geldpolitik für die Herausforderungen, denen wir im Moment gegenüberstehen."

SNB greift wieder verstärkt ein

Parallel zum wieder stärker hinterfragten Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone musste die SNB offenbar wieder stärker am Markt intervenieren, um den Euro-Mindestkurs zum Franken durchzusetzen. Denn die Schweizer Banken haben wieder mehr Geld bei SNB deponiert. Die Giroguthaben der Banken bei der Notenbank wuchsen in der Woche zum 24. August um 5,79 Milliarden auf 286,38 Milliarden Franken, wie die SNB am Montag mitteilte. In der Woche zum 17. August hatte die Zunahme drei Milliarden Franken betragen und in der Woche davor lediglich 240 Millionen. Davor waren die Guthaben in manchen Wochen um deutlich mehr als zehn Milliarden Franken gewachsen.

Das Wachstum der Guthaben gilt als Indiz dafür wie stark die SNB zur Verteidigung der Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken im Devisenmarkt intervenierte. Wenn die Zentralbank Devisen kauft, wird der Franken-Gegenwerte dem Konto der jeweiligen Bank gutgeschrieben. Zugleich wachsen die Devisenbestände der SNB.

Voerst keine zusätzlichen Kapitalpuffer der Banken

Die Notenbank sieht gegenwärtig zudem keinen Anlass, von den Banken zusätzliche Kapitalpuffer zur Begrenzung der vom Schweizer Immobilien- und Hypothekenmarkt ausgehenden Risiken zu verlangen. Im zweiten Quartal 2012 habe es Hinweise auf eine mögliche Verlangsamung des Preisanstiegs von Wohnliegenschaften in einigen Regionen und einigen Segmenten gegeben. Zudem seien am 1. Juni 2012 eine Verschärfung der Eigenmittelanforderungen für Hypothekarkredite und eine Revision der Selbstregulierung im Hypothekarbereich angekündigt worden.

"Aufgrund dieser Elemente hat die SNB entschieden, dem Bundesrat zurzeit keinen Antrag auf Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers zu stellen." Vor Anfang 2013 erwarte die SNB keine Ankündigung einer Aktivierung, Anpassung oder Deaktivierung des Kapitalpuffers.

Die Schweizer Regierung hatte Anfang Juni angekündigt, dass die Banken des Landes um bis zu 2,5 Prozent mehr Eigenmittel als normalerweise vorhalten müssen, um einem übermässigen Kreditwachstum entgegenzuwirken. Ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind, beurteilt die SNB.