Franken: Für FMA "kein Grund zur Panik, staatliche Maßnahmen möglich"

Franken: Für FMA "kein Grund zur Panik, staatliche Maßnahmen möglich"
Franken: Für FMA "kein Grund zur Panik, staatliche Maßnahmen möglich"

FMA-Vorstand Helmut Ettl

FMA-Chef Helmut Ettl sieht nach der Freigabe des Franken-Wechselkurses keinen Grund zur Panik und schließt staatliche Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditnehmer nicht aus. Franken-Kredite sind durch die Freigabe um durchschnittlich 33.000 Euro teurer geworden.

"Keinen Grund für Panik für Frankenkreditnehmer", sieht FMA-Vorstand Helmut Ettl nach der Freigabe des Franken-Wechselkurses und des folgenden Kursanstiegs des Schweizer Franken. Frankenkredit-Besitzer sollten sich allerdings rasch mit ihrer Bank in Verbindung setzen, um über für sie maßgeschneiderte Lösungen zu beraten. "Patentrezept gibt es keines", so Ettl.

"Die Kursverluste überwiegen jetzt bei weitem die Zinsvorteile", meinte der zweite FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller. Auch die Mehrheit der Tilgungsträger dürfte heute weniger wert sein. "Viele Kreditnehmer werden für ihre Rückzahlungen jetzt wohl länger brauchen als ursprünglich vereinbart", warnt Kumpfmüller.

Kreditnehmer, die ihre Immobilien mit Krediten im Schweizer Franken finanziert haben und deren Kredite im Jahr 2015 auslaufen, trifft die Aufhebung der Wechselkurs-Bindung von Franken und Euro besonders hart. Ihre Kredite haben sich seit dem 15. Jänner zusätzlich um durchschnittlich 33.000 Euro verteuert. Das entspricht nun einem Mittelklassewagen, den sie zusätzlich zurückzahlen müssen. Von den davor bereits realisierten Verlusten ganz zu schweigen. Für einen Mitte 2007 abgeschlossenen Frankenkredit in der Höhe von 100.000 Euro müssen die Kreditnehmer etwa aktuell rund 160.000 Euro zurückzahlen.

Rund 6.000 der geschätzten 150.000 österreichische Haushalte, die Frankenkredite abstottern, sind davon betroffen. Das sind laut Finanzmarktaufsicht FMA vier Prozent aller Fremdwährungskredite. Angesichts der Misere vieler Kreditnehmer halten es die beiden FMA-Vorstände für nicht ausgeschlossen, dass den österreichischen Banken auch in anderen osteuropäischen Ländern - ähnlich wie in Ungarn - staatliche Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditnehmer drohen. "Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen", meinte Ettl.

Kein Ruhmesblatt für Banken

Ettl nimmt die Banken mit ins Gericht. "Die Vergabe von Frankenkredite an private Haushalte in Österreich und auch in Osteuropa ist für die österreichischen Banken kein Ruhmesblatt", meint Ettl. "Alle Warnungen haben nichts gefruchtet." In Österreich habe es sogar während der Zeit der Warnungen vor dem drohenden Währungsrisiko einen "Run" auf Finanzierungen im Schweizer Franken gegeben. Die FMA hatte dem Treigen mangels Eingriffsmöglichkeiten nur zusehen können. Auch sei man verwundert, dass in den letzten Jahren nicht mehr konvertiert worden sei, obwohl klar gewesen sei, dass die jetzt aufgehobene Mindestgrenze der Schweizer Nationalbank eine rein binnenwirtschaftliche Maßnahme gewesen sei.

Laut Finanzmarktaufsicht FMA hat sich das Volumen der Frankenkredite durch die Franken-Aufwertung um 20 Prozent von 24,7 (per Ende September 2014) auf über 29 Milliarden Euro erhöht. Dadurch hat sich auch die Rückzahlungssumme für die Kreditnehmer, die schon heuer zurückzahlen müssen, rein rechnerisch um rund 200 Millionen Euro erhöht.

Abwarten und sparen

Viele Kreditnehmer können noch abwarten und Alternativen überlegen. Innerhalb der kommenden ein bis fünf Jahre werden laut FMA weitere 15 Prozent der Fremdwährungskredite fällig, in fünf bis zehn Jahren 22 Prozent, in zehn bis 15 Jahren 25,8 Prozent, in 15 bis 20 Jahren 29,7 Prozent und in über 20 Jahren die restlichen 3,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der Kredite wird also erst in über zehn Jahren fällig. Und je länger die Laufzeit noch ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Situation wieder bessert und der Euro gegenüber dem Franken wieder an Wert zulegt.
Mit 73,6 Prozent ist der größte Teil der Fremdwährungskredite endfällig mit Tilgungsträger, 6,6 Prozent sind endfällig ohne Tilgungsträger und 19,8 Prozent abstattend.

Das gesamte private Fremdwährungsvolumen hat laut FMA seit dem Neuvergabestopp 2008 von 36,1 Mrd. Euro auf 25,7 Mrd. Euro im September 2014 abgenommen. Davon entfallen 24,7 Mrd. auf Frankenkredite. Wechselkursbereinigt bedeute dies ein Minus von 45 Prozent. Durch die Franken-Freigabe habe sich das Volumen der Frankenkredite nunmehr wieder auf rund 29 Mrd. Euro erhöht. 120.000 Haushalte hätten kein Fremdwährungsrisiko mehr, entweder weil sie ausgestiegen seien oder ihren Kredit schon zurückgezahlt hätten

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