Franken-Abwertung wohl "nicht mehr als ein Strohfeuer"

Franken-Abwertung wohl "nicht mehr als ein Strohfeuer"

Der Euro ist am Freitag auch zum Dollar in die Höhe geschnellt. Gute Konjunkturdaten aus Deutschland gaben der Gemeinschaftswährung Auftrieb. Am Nachmittag geriet zudem der Dollar-Kurs zum Euro und Yen unter Druck, nachdem sich der Anstieg der Beschäftigung in den USA deutlich abschwächte.

Das heizte Spekulationen auf eine neuerliche Lockerung der Geldpolitik in den USA an. Der Euro gewann zuletzt ein Prozent auf 1,2759 Dollar. Im Tagesverlauf war die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2776 Dollar gestiegen - den höchsten Stand seit Mai. Im Tagestief fiel er auf 1,2626 Dollar.

Die deutschen Exporte - wichtigste Stütze der größten Volkswirtschaft der Eurozone - stiegen im Juli überraschend um 0,5 Prozent zum Vormonat. Zudem zog die Industrieproduktion im Juli auf Monatssicht um 1,3 Prozent an, während von Bloomberg News befragte Ökonomen mit einer Stagnation gerechnet hatten.

Stützend wirkte weiterhin die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Vortag, unbegrenzt Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten aufzukaufen. Dadurch wurde das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung gestärkt.

Fed-Maßnahmen vielleicht schon kommende Woche

In den USA erhöhte sich die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 96.000, nach einem Anstieg um 163.000 im Juli. Von Bloomberg News befragte Ökonomen hatten mit der Schaffung von 130.000 Stellen gerechnet. Die US-Notenbank hat neben der Bewahrung von Preisstabilität auch das Mandat, für eine maximale Beschäftigung zu sorgen. Vor diesem Hintergrund stieg die Erwartung einer dritten Runde der quantitativen Lockerung.

“Wir könnten bereits in der kommenden Woche Maßnahmen der Fed sehen”, sagte Marktanalyst Joe Manimbo von Washington’s Western Union Business Solutions. “Das würde einen erheblichen Druck auf die US-Währung ausüben.” Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank, bei der über die Geldpolitik entschieden wird, findet am kommenden Mittwoch und Donnerstag statt.

Der Yen fiel zuletzt um 0,3 Prozent zum Euro auf 99,90 Yen. Zeitweise wurde ein Kurs von 100,43 Yen erreicht, der niedrigste Yen-Kurs zum Euro seit Juli. Am Donnerstag hatte die japanische Landeswährung bereits um 0,8 Prozent zum Euro verloren. Zum Dollar notierte die japanische Devise zuletzt mit 78,30 Yen um 0,7 Prozent höher; der Kurs hatte nach dem US- Arbeitsmarktbericht die Richtung gewechselt.

Spekulationen um Anhebung des Euro-Mindestkurses

Der Schweizer Franken wertete deutlich ab und notierte zum Euro zuletzt um 0,5 Prozent niedriger bei 1,2109 Franken. Zeitweise wurde mit 1,2155 Franken der niedrigste Kurs seit Januar verzeichnet. Hintergrund der Abwertung sind Spekulationen, die Schweizerische Nationalbank (SNB) könne ihren festgesetzten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf 1,22 Franken korrigieren. Zum Dollar notierte der Franken um 0,5 Prozent höher bei 94,86 Rappen.

Nach Einschätzung des leitenden Devisenstrategen Lutz Karpowitz von der Commerzbank in Frankfurt ist es allerdings “unwahrscheinlich”, dass die SNB den Mindestkurs anheben wird. “Schließlich kann die Notenbank ja nicht unendlich intervenieren und damit letztlich auch Liquidität in Franken schaffen”, sagte Karpowitz. Die aktuelle Kursbewegung sei wahrscheinlich “nicht mehr als ein Strohfeuer”.

Schweizer Franken

Schweizer Franken: Notenbank SNB bleibt bei Negativzinsen

SNB-Präsident Thomas Jordan

Schweizer Franken

Schweizer Notenbankchef: "Viel zu früh für Zinserhöhung"

Schweizer Franken

Schweizer Franken schwächelt, Marke von 1,20 in Reichweite