Euro fällt weiter – Sorgen um Mindestkurs zum Franken

Euro fällt weiter – Sorgen um Mindestkurs zum Franken

Die Verunsicherung über den Umfang möglicher Hilfen Spaniens für seinen maroden Bankensektor hat dem Euro am Mittwoch weiter zugesetzt. Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich auf bis zu 1,2455 Dollar. Dies ist der niedrigste Stand seit Anfang Juli 2010.

"Überhebt sich die Regierung in Madrid?", fragte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Marktkommentar. "Noch heißt es, dass eine staatliche Kapitalspritze von 19 Milliarden Euro ausreichen wird, eine angeschlagene Bankengruppe zu rekapitalisieren." Gleichzeitig sei dort aber bereits von "problematischen Aktiva" in Höhe von 40 Milliarden Euro die Rede. "Kein Wunder, dass die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer glauben dürfte, dass der Umfang der Bankenhilfe deutlich größer ausfallen könnte, als momentan aus Madrid verlautet wird."

Marktanalyst Satoshi Okagawa von der Sumitomo Mitsui Banking Corporation wies darüber hinaus auf den "besorgniserregenden" Anstieg der Risikoaufschläge für spanische Anleihen hin. Die Spreads der zehnjährigen Titel zogen im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren auf 515,9 Basispunkte an. "Die Ausweitung ist deutlich und belastet den Euro sowohl zum Dollar als auch zum Yen", fügte Okagawa hinzu. Die Gemeinschaftswährung lag mit 99,06 Yen nur knapp über ihrem Viereinhalb-Monats-Tief vom Vortag.

SNB unter Druck

Die Schweizerischen Nationalbank (SNB) wird zumindest für den Moment die Nachfrage nach Franken absorbieren und ist entschlossen, den Mindestkurs des Euro von 1,2 zur eidgenössischen Währung zu verteidigen. Darauf hat Stratege Valentin Marinov von der US-Großbank Citigroup hingewiesen.

Allerdings könnten sich die Wetten auf eine Abwertung des Euro zum Franken intensivieren, schrieb er. Er bezweifelt, dass Markteingriffe oder alternative Maßnahmen die Sorgen mildern werden, dass die SNB am Ende doch zur Aufgabe des Mindestkurses gezwungen werden könnte.

“Der Markt positioniert sich für die Gefahr, dass der Mindestkurs nicht halten wird, sollte sich die Lage im Euroraum verschlimmern”, sagte Jeremy Stretch, Devisenstratege bei Canadian Imperial Bank of Commerce in London, in der vergangenen Woche. “Das zeigt den Stress, unter dem die SNB steht.”

Der Franken hatte am 5. April den Mindestkurs zum Euro von
1,20 zum durchbrochen - worauf die Währungshüter bekräftigten, sie seien bereit dazu, unbeschränkt Devisen zu kaufen, um die Marke zu verteidigen. In Krisenzeiten gilt der Franken als sicherer Hafen und wird von Anlegern bevorzugt.

Agenturen/hahn

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