Der Euro fegt den Schweizer Franken vom Platz

Nächste Woche veröffentlicht die Notenbank ihren Bericht zur geldpolitischen Lage.
Nächste Woche veröffentlicht die Notenbank ihren Bericht zur geldpolitischen Lage.

Nächste Woche veröffentlicht die Notenbank ihren Bericht zur geldpolitischen Lage.

Der Euro erholt sich weiter gegenüber dem Franken. Warum die Schweizer Nationalwährung gegenüber der Europäischen Gemeinschaftswährung verliert und Franken-Kreditnehmer auf weiter sinkende Kurse hoffen können.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone brummt - bis auf wenige Ausnahmen wie Österreich, immer stärker. Vor allem die deutsche Wirtschaft wird laut aktuellen Schätzungen auch im zweiten Halbjahr kräftig zulegen. Die EU-Kommission traut der deutschen Wirtschaft heuer ein Plus von 1,9 Prozent zu.

Anders die Situation in der Schweiz. Die Arbeitslosigkeit stieg um August heuer erstmals an, wenn auch nur leicht von 3,1 auf 3,2 Prozent und die Wirtschaft der Eidgenossen stagnierte im ersten Halbjahr. Die Schweizer Konsumentenpreise sind im August weiter nach unten getrieben. Im Vergleich zum Juli gaben sie um 0,2 Prozent nach. Im Vergleich zum August 2014 sind die Preise laut Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) gar um 1,4 Prozent gefallen.

Diese Zahlen setzen dem Schweizer Franken zu. In der Nacht auf Mittwoch lag der Euro/Franken-Kurs zwischenzeitlich bei nur noch bei 1,019. Damit war der Kurs so niedrig wie seit der Aufhebung des Mindestkurses nicht mehr. Zu Mittag notierte der Franken bei 1,089 Euro. (Aktueller Wechselkurs EUR/CHF)

Der Euro lebt. Vom Tiefschlag nach der Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Euro Franken und Euro hat er sich nun wieder halbwegs erholt.

SNB will weiter intervenieren

Nachdem die Schweizer Nationalbank SNB am 15. Jänner 2015 den drei Jahre zuvor eingeführten Mindest-Wechselkurs von 1,20 Franken je Euro überraschend aufgehoben hatte legte der Franken gegenüber dem Euro massiv zu. Am 25. Jänner war der Euro weniger als einen Franken wert und notierte nur noch bei 0,9822 Franken. Von diesem Tiefststand hat sich der Euro in den vergangen Monaten wieder deutlich erholt und nunmehr bereits knapp die Hälfte des Jänner-Verlusts wieder wettgemacht. Einschätzung von Experten dürfte sich der Franken weiter abschwächen und gegenüber dem Euro bald die Hürde von 1,10 testen.

Der Schweizer Nationalbank (SNB) ist das immer noch nicht genug. Sie will bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt intervenieren. "Die Nationalbank ist nicht eingeschränkt bei den Interventionen", erklärte Präsident Thomas Jordan erst vor wenigen Tagen erneut. Der Franken sei noch immer deutlich überbewertet. "Wenn wir überzeugt sind, dass eine bestimmte Intervention einen Nutzen herbeiführt, können wir das auch in der Zukunft machen." Mit der Bereitschaft zu Interventionen und mit Negativzinsen will die Notenbank die Währung des Landes über die Zeit schwächen. "Wir müssen noch längere Zeit mit Negativzinsen leben, bevor es eine Normalisierung geben wird." Beim gegenwärtigen Satz von minus 0,75 Prozent habe die SNB noch Spielraum gegen unten.

Neben der wirtschaftlichen Schwäche spricht laut Credit Suisse auch die höhere Risikofreudigkeit an den Märkten gegen den Franken. Die Credit Suisse erwartet daher auch, dass die SNB kommende Woche, anlässlich ihrer vierteljährlichen Beurteilung der geldpolitischen Lage, ihre lockere Geldpolitik fortsetzen wird. Sollte der Schweizer Franken wieder steigen, dürfte die Notenbank laut Einschätzung der Credit Suisse auch bereit sein, am Devisenmarkt zu intervenieren. Damit ist eine Aufwertung des Franken derzeit nicht in Sicht.

EU-Staaten greifen ein

Mehrere EU-Staaten wollen es nun Frankenkreditnehmern ermöglichen, ihre Kredite in Euro zurückzuzahlen und die Verluste auf die Banken abzuwälzen. Nach Ungarn und Polen wurde nun auch aus Kroatien ein solcher Plan bekannt. Finanzminister Boris Lalovac hat vergangene Woche im Radio angekündigt, dass allen Franken-Kreditnehmern der Umtausch ihrer Schulden in Euro ermöglicht werden soll. Die Regierung in Zagreb will das Gesetz sich bei ihrer Sitzung am 10. September beschließen. Die Banken sollen drei Monate Zeit bekommen, die für den Umtausch notwendigen Vorbereitungen zu treffen.

"Eine Zwangskonvertierung ohne die Einkommenssituation oder die Schuldendienstfähigkeit eines Kunden zu berücksichtigen, ist ein schwerwiegender rückwirkender Eingriff in bestehende Verträge", heißt dazu es in der Stellungnahme von Erste Group, Hypo-Group Alpe Adria AG, RBI, Sberbank Europe und UniCredit Bank Austria. Als betroffene Investoren wollen sie mit der kroatischen Regierung verhandeln.

In Österreich werden Kredit-Konvertierungen mit Verlustbeteiligungen der Banken dezidiert abgelehnt. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny vertritt dazu eine ganz klare Position. Er sagt: "Jeder hat dieses Risiko gekannt. Die Banken an den Kursverlusten zu beteiligen ist kein Thema. Jeder hat die Möglichkeit gehabt zu konvertierten, wer dies nicht tat, hat spekuliert." Seit dem Jahr 2010 gibt es in Österreich ein Verbot von Fremdwährungskrediten an Privathaushalte.

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