Euro markiert zum Franken Zweijahreshoch – IWF empfiehlt negativen Einlagenzins

Euro markiert zum Franken Zweijahreshoch – IWF empfiehlt negativen Einlagenzins

Die Einführung negativer Zinsen auf die Überschuss-Einlagen von Banken könnten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dabei helfen, den Immobilienmarkt des Landes abzukühlen. Darauf weist der International Währungsfonds (IWF) in einer aktuellen Studie hin.

“Negative Zinsen könnten bei der Adressierung des Dilemmas helfen, welchem sich die SNB gerade ausgesetzt sieht: Niedrige Zinsen sind zwar notwendig, um den Franken-Mindestkurs zu verteidigen, doch sie befeuern die Wohn- und Hypothekenmärkte”, erklärt der IWF in seinem Bericht.

Die Schweiz steckt gerade mitten im größten Immobilien-Boom der vergangenen zwei Jahrzehnte. Angetrieben wurde er teilweise von der lockeren Geldpolitik der SNB, durch die die Aufnahme von Krediten relativ günstig wurde.

Die Leitzinsen liegen in der Schweiz seit August 2011 bei null. Zudem hatte die SNB im September 2011 einen Mindestkurs der Landeswährung zum Euro eingeführt, nachdem der Franken auf einen Rekordstand zur Gemeinschaftswährung geklettert war. Das bedrohte vor allem die Schweizer Exporte.

Sollte es beim Franken eine weitere Runde an starkem Aufwertungsdruck geben, könnte die SNB eine Gebühr auf die Überschuss-Einlagen erheben, welche die Geschäftsbanken bei der Notenbank halten, hatte der IWF schon im März gesagt. Die SNB erklärt mehrfach, sie werde weitere Maßnahmen ergreifen, sollte sich dies als notwendig erweisen. Eine Aufgabe des Mindestkurses ist nach Einschätzung des IWF derzeit noch “verfrüht”.

Die Schweizer Wirtschaft ist anfällig für eine Instabilität in der Bankenbranche, ausgelöst durch den starken Anstieg der Hypotheken-Kredite. Davor hatte auch Jean-Pierre Danthine, der Vizepräsident des Direktoriums der SNB, Mitte April bei einer Rede in Genf gewarnt.
“Während der vergangenen Jahre ist das Kreditvolumen in der Schweiz so stark gewachsen, dass das Verhältnis von Kredit zu Bruttoinlandprodukt (BIP) neue historische Spitzenwerte erreicht hat”, sagte der Währungshüter damals laut einer Mitschrift der Rede. “Zusammen mit den anhaltend steigenden Immobilienpreisen ergibt dies Bedingungen, die zu Instabilität des Finanzsystems führen können.” Die Mehrheit der Hypotheken-Kredite liegt in der Schweiz bei den Regionalbanken.

Franken-Einlagen steigen noch immer

Die Franken-Einlagen bei Schweizer Banken aus dem Ausland haben in den letzten zwei Jahren zugenommen – gleichzeitig ließen die Franken- ausleihungen außerhalb des Landes nach, wie aus monatlichen Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervorgeht. Die Kluft zwischen den beiden Linien macht deutlich, dass Investoren
Franken kaufen.

Die Nachfrage nach der Schweizer Währung hat mit dazu beigetragen, dass sich die Zuflüsse - die mit Banken im Zusammenhang stehen - im ersten Quartal auf 19 Mrd. Franken summierten. Das erklärte Geoffrey Kendrick, Chef von European Foreign Exchange Strategy bei Nomura Holdings. “Solange diese Zuflüsse anhalten, dürfte der Franken stark bleiben”, erklärte er.

Dennoch scheint der schlimmste Aufwertungsdruck beim Franken verflogen. Franken-Kreditnehmer können daher aufatmen. Ein Euro kostet auktuell über 1,25 Franken und markiert damit den höchsten Wert seit über zwei Jahren.

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