"Die Welt will Schweizer Franken"

"Die Welt will Schweizer Franken"

Ob Deutschland oder Italien, Frankreich oder Österreich - überall in Euroland bekommen Eidgenossen Schmaus und Braus billiger als daheim. Ob Deutschland oder Italien, Frankreich oder Österreich – überall in Euroland bekommen Eidgenossen Schmaus und Braus billiger als daheim.

Doch auch wer den starken Franken hat, muss sich um den Euro sorgen. Im Krisenstrudel der europäischen Gemeinschaftswährung wird der Franken allerdings nicht nach unten gezogen, sondern nach oben getrieben: Je düsterer die Zukunft des Euro, desto stärker die Flucht in "sichere Währungshäfen". Was Schweizer als Einkaufstouristen freut, kann sich für ihre Volkswirtschaft als Gift erweisen.

Von reichen Griechen, die Geld vor einer Rückkehr in die Drachme oder dem Fiskus sichern wollen, bis zu risikofreudigen Hedgefonds - immer mehr Anleger kaufen Schweizer Franken. So sank der Eurokurs von einst 1,65 Franken immer mehr in Richtung Parität.

Kurz bevor es 1:1 stand, zog die Schweizerische Nationalbank (SNB) im September 2011 die Notbremse. Sie erklärte, einen Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro zu garantieren. Die Exportindustrie atmete auf. Unterhalb dieser Grenze - so drohten viele Konzernchefs - müsse man große Teile der Produktion in Euro-Billig-Länder verlagern. Sonst würden sich Schweizer Erzeugnisse, produziert zu teuren Frankenlöhnen und hohen Frankenkosten, nicht mehr gewinnbringend verkaufen lassen.

Um die 1,20-Grenze zu verteidigen, muss die SNB immer mehr Euros aufkaufen. Allein im Mai soll sie dafür bis zu 100 Milliarden Franken ausgegeben haben. Genaue Zahlen nannte die SNB nicht. Doch wie lange lässt sich das durchhalten? Und was, wenn nach der Wahl in Griechenland die Fluchtbewegung in mutmaßlich sichere Währungen wie den Franken noch erheblich zunimmt?

SNB hält das wohl nicht durch

Der deutsche Währungsexperte Oswald Grübel - bis 2011 Chef der größten Schweizer Bank UBS - gab darauf jetzt eine Antwort: Es sei "nur noch eine Frage der Zeit und der Entwicklung der Eurokrise" bis sich die Mindestkurs-Strategie der SNB von selbst erledigt habe.

Nun überschlagen sich Prophezeiungen, wann der 1,20-"Staudamm" brechen wird. Spätestens im dritten Quartal 2012, sagt Ian Stannard, Chef-Devisenstratege der US-Bank Morgan Stanley. Je länger die SNB stur bleibe, desto dramatischer der Absturz, warnt der Zürcher Finanzprofessor Martin Janssen. Er schließt sogar einen Kurs von 90 Rappen (0,90 Franken) zu einem Euro nicht aus.

Die SNB wiederholt unterdessen gebetsmühlenartig die Aussage ihres Chefs Thomas Jordan vom Mai, wonach der Franken-Euro-Unterkurs "mit allen Mitteln" verteidigt werde. Die Nationalbank, meint der Unternehmer und Präsident der liberalen FDP, Philipp Müller, habe ja auch nur "die Wahl zwischen Pest und Cholera". Will heißen: zwischen dem Risiko gewaltiger Verluste bei immer größer werdenden Euro-Deviseneinlagen und der Kursfreigabe mit wohl schlimmen Folgen für die Industrie und die Arbeitsplätze.

Schrittweise Abkehr vom Mindestkurs

Manche Experten raten der SNB, beim Franken schrittweise nachzugeben, ein Rappen pro Quartal: Von 1,20 auf 1,19 und so weiter. Bei Konzernchefs stoßen noch alle derartigen Vorschläge auf Ablehnung. "Damit zieht man Spekulanten geradezu an", kritisierte Gerold Bührer, Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, im Zürcher "Tages-Anzeiger".

Mit Sympathie wird hingegen - rechts wie links - eine Idee diskutiert, die dem Schweizer Nationalstolz zu entsprechen scheint: Die Alpenrepublik, erklärten UBS-Banker sowie der Unternehmer und Abgeordnete der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) Peter Spuhler, solle einen "Staatsfonds" auflegen. Der soll, statt Euros aufzukaufen, in "Aktien erstklassiger europäischer Firmen investieren".

"Die Welt will Schweizer Franken", hieß es im "Bild"-Pendant "Blick". "Also drucken wir Franken für die Welt." Statt Euro-Papiergeld solle der Staatsfonds "echte Werte" kaufen: "Beteiligungen an der Realwirtschaft, Immobilien, strategische Rohstoffe." Noch hält sich die SNB bedeckt. Am 14. Juni will sie ihre Geldpolitik für die nächsten Monate erläutern - kurz vor der Wahl in Griechenland.

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