Die Schweiz erzeugt eine Schieflage der Eurozone

Die Schweiz erzeugt eine Schieflage der Eurozone

Damit verteilt die SNB indirekt Geld von den Krisenländern in die Kern-Eurozone um und ist dadurch ein Haupttreiber der massiv gesunkenen Zinsen. Die Notenbank selbst weist die Analyse der Ratingagentur als fehlerbehaftet zurück.

Der in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Schuldenkrise stark angeschwollene Zufluss von Kapital auf Schweizer Banken stammt nach einer am Dienstag veröffentlichten Analyse von S&P zu einem bedeutenden Teil aus Euro-Krisenländern wie Griechenland oder Spanien. Die Schweiz importiere seit 2008 netto Kapital.

Davor war die Schweiz tendenziell eher ein Kapitalexporteur gewesen. Während die Schweizer Banken die Gelder bei der SNB parken, blähen sich die Devisenreserven der Währungshüter wegen der Untergrenze-Politik zum Euro weiter stark auf. Um den Kurs von 1,20 Franken zu halten, musste die SNB mehrfach massiv Euro kaufen.

Zwischen Ende 2009 und Juli 2012 verdreifachten sich durch diese Effekte die Devisenreserven der SNB auf umgerechnet 312 Mrd. Franken (258 Mrd. Euro). Die Bilanz der SNB multiplizierte sich um den Faktor 3,4.

Die Mittel investieren die Schweizer Währungshüter laut S&P zu einem bedeutenden Teil in Staatsanleihen von Euroländern, die nach wie vor über ein solides Bonitätsrating verfügen. Es sind dies Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Finnland und Österreich.

Schweiz rafft Euro-Anleihen

S&P schätzt, dass die SNB von Anfang 2012 bis Juli 2012 auf diesem Wege Regierungsobligationen dieser Länder in Höhe von 80 Mrd. Euro gekauft hat. Dies entspricht knapp der Hälfte des durch Anleihen gedeckten Finanzbedarfs dieser Staaten. Die SNB selbst gibt keine Details darüber bekannt, wie sie ihre Reserven bewirtschaftet.

Die Käufe der SNB tragen laut S&P "bedeutend" dazu bei, dass die Zinsen für deutsche, französische, niederländische, finnische und österreichische Anleihen sinken. Diese reduzierten sich, gemessen an einem Mehrjahresmittelwert, von 3,04 Prozent im Vorjahr auf 2,15 Prozent im bisherigen Jahresverlauf 2012.

Indem die SNB dieses "Recycling" von Euros betreibt, trägt sie laut S&P zu den Ungleichgewichten in der Eurozone bei. Die Zinsen von Ländern mit großen Wirtschafts- und Schuldenproblemen erreichten in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch hohe Niveaus, was das Misstrauen der Finanzmärkte widerspiegelt.

Im Fokus steht derzeit vor allem Spanien. Um die Lage zu stabilisieren, und weil große Investoren vorsichtig geworden sind, kauft die Europäische Zentralbank (EZB) in einem nicht unumstrittenen Programm Anleihen von Euro-Krisenländern auf, umso die Zinslast für diese Staaten zu senken.

Anfang September hatte EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigt, die Zentralbank werde zur Bekämpfung der Krise uneingeschränkt Anleihen kaufen.

SNB: Analyse enthält fundamentale Fehler

Die SNB hat die S&P-Analyse am Abend zurückgewiesen. Die Analyse enthalte einen fundamentalen Fehler, erklärte die Notenbank am Dienstag. S&P nehme nicht zur Kenntnis, dass die SNB ihre Einlagen bei anderen Notenbanken und internationalen Institutionen deutlich erhöht und dies jeden Monat auch veröffentlicht habe. Die von S&P vorgelegte Schätzung, wonach die SNB für 80 Milliarden Euro Staatsanleihen von Deutschland, Frankreich, Niederlande, Finnland und Österreich gekauft habe, entbehre jeder Grundlage.

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