"Auf 1,25 Franken zu gehen, wäre ein zu großes Risiko"

"Auf 1,25 Franken zu gehen, wäre ein zu großes Risiko"

Die Notenbank werde das Limit weiterhin "mit aller Konsequenz durchsetzen", hieß es am Donnerstag nach der Zinsentscheidung. Auf einen Kurs von 1,25 Franken pro Euro zu gehen, wäre laut Ökonomen aber ein zu großes Risiko - immerhin müsse die SNB aber nicht mehr über Maßnahmen wie Negativzinsen nachdenken.

Die Euro-Schuldenkrise und trübere Aussichten für die Weltwirtschaft belasten zunehmend die stark von Exporten abhängige Schweizer Wirtschaft. Das Bruttoinlandprodukte (BIP) des Alpenlandes dürfte nach Einschätzung der Notenbank dieses Jahr nur um rund ein Prozent anstatt wie noch im Juni geschätzt um 1,5 Prozent wachsen. "Die globale Konjunkturlage bleibt verletzlich", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung. Beeinträchtigt würden die Wachstumsperspektiven vor allem durch die Krise in der Eurozone und die unsichere Lage in den USA.

Den vor einem Jahr festgesetzten Mindestkurs des Euro von 1,20 Franken werde die SNB deshalb "auch in Zukunft mit aller Konsequenz durchsetzen", erklärten die Währungshüter. Eine Aufwertung der eigenen Währung würde die Schweizer Exporte verteuern und könnte Firmen zur Abwanderung ins Ausland zwingen. "Die Nationalbank wird deshalb eine Aufwertung des Frankens mit ihren schwerwiegenden Folgen für die Preis- und Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz nicht zulassen", erläuterte die Notenbank. Um zu verhindern, dass der Euro unter die Mindestmarke fällt, kaufte die SNB allein seit Mai Devisen im Wert von rund 180 Milliarden Franken auf.

Die Wortwahl der SNB deutet nach Ansicht von Experten darauf hin, dass das Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) und das "Ja" des Bundesverfassungsgerichts zum Euro-Rettungsschirm ESM die Lage aus Schweizer Sicht noch nicht dauerhaft so verändert haben, dass sie auf ihre Tiefzinspolitik und den Mindestkurs verzichten könnte. "Sie werden genauso stark daran festhalten wie bisher", sagte der Sarasin-Volkswirt Jan Poser. Auf einen Kurs von 1,25 Franken pro Euro zu gehen, wäre ein zu großes Risiko. Der Aufwertungsdruck auf den Franken - und auf die SNB - habe aber immerhin etwas abgenommen, sagte der ING-Volkswirt Juliwn Manceaux. Das heiße aber nicht, dass der Euro nun zum Franken kräftig zulegen werde. Für die SNB seien neben der Eurokrise nun auch globale Konjunkturrisiken als neue Sorge hinzugekommen, sagte Nikola Stephan von Informa Global Markets. Aber immerhin müsse die SNB nicht mehr über drastische Maßnahmen wie etwa Kapitalverkehrskontrollen oder Negativzinsen auf ausländisches Geld nachdenken. Am Donnerstag notierte der Euro bei 1,2130 Franken.

Leitzins unverändert

Das Zielband für den Schweizer Leitzins Dreimonats-Libor bleibt unverändert bei 0,00 - 0,25 Prozent. Vorläufig kalkuliert die SNB mit einem Satz von Null.

Neben der Wachstumsprognose nahm die SNB auch ihre Inflationsprognose zurück. Sie erwartet, dass die Verbraucherpreise in der Schweiz dieses Jahr mit 0,6 Prozent etwas stärker sinken als noch im Sommer erwartet. Dies auch weil die Wirtschaft nicht voll ausgelastet ist. Im nächsten und im übernächsten Jahr dürften die Preise dann der Prognose zufolge leicht um 0,2 Prozent und dann 0,4 Prozent steigen.

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