Schuldner können jubeln: Euribor erstmals negativ

Der Referenzzins für Zinsen sind auf ein neues Rekordtief gestürzt.

Der Referenzzins für Zinsen sind auf ein neues Rekordtief gestürzt.

Für Kreditnehmer ist es ein historischer Tag. Der 3-Monats-Euribor war am 22. April 2015 das erste Mal negativ. Da rund 90 Prozent der Kredite an der Entwicklung dieses Referenzzinssatzes hängen, bedeutet das: Ihr Kredit wird billiger. Wie man diese Minizinsen jetzt am besten absichert. Bei Sparern steigt allerdings der Verdruß.

Der Notenbank, die, die Märkte mit billigem Geld fluten, sei dank: Der Euribor für drei Monate, der übliche Referenzzinssatz für Kreditzinsen, ist erstmals unter null Prozent gerutscht. Kreditzinsen, die meist vierteljährlich angepasst werden, dürften nun, sofern das Tiefzinsniveau anhält, weiter sinken. Der Euribor dient häufig als Referenzzins bei variabel verzinslichen Darlehen. Der Kunde zahlt in der Regel Aufschläge zwischen 0,5 und 2 Prozentpunkten.

Niedrige Zinsen möglichst lange fixieren

Kreditnehmer, die in den nächsten Jahren ihre Nerven schonen wollen, sollten sich diesen Minizinssatz für länger sichern. Denn der Großteil der Kreditnehmer in Österreich verfügt über einen variablen Zinssatz. Martin Kwauka, von Kwauka Invest: "Wer jetzt seinen Kredit für zehn Jahre fix bindet, zahlt zwar aktuell rund 0,5 Prozent Zinsen pro Jahr mehr, dafür braucht man sich keine Sorgen über mögliche Zinserhöhungen mehr machen." Eine gute Bank würde einen Wechsel von variabel auf fix ohne weiteres vollziehen, so Kwauka.

Einziger Nachteil der Fixzinsvariante: Der Kredit kann nicht so ohne weiteres vorzeitig zurückgezahlt werden. Kwaukas Tipp: "Splitten Sie die Hälfte der Kreditsumme zur Hälfte in einen variablen Zins und einen Fixzins."

3-Monats-Euribor auf Rekordtief

So tief wie jetzt war der Euribor in den vergangenen zehn Jahren nicht.

Die Hoffnung, dass Kredite bald gänzlich gratis sind, ist allerdings minimal. Aber theoretisch dürften Banken, wenn der Euribor noch stärker ins Minus rutscht und so der mit den Bank vereinbarten Aufschlag kompensiert wird, für das Ausborgen nichts mehr verlangen. Aber da die Banken einen negativen Euribor offenbar schon länger erwartet haben, haben sie vielfach bereits einen Passus in die Kreditverträge aufgenommen, in dem steht: Sollte der 3-Monats-Euribor unter Null fallen, wird für die Berechnung der Zinsen der Wert Null herangezogen.

Doch dieses Passus muss man nicht einfach hinnehmen. Wenn es für Kunden nach oben keine Grenze gibt, warum soll es für Banken nach unten eine geben? Rechtlich steht der Passus der Banken jedenfalls auf keinem festen Fundament. Kreditnehmer tun in einem ersten Schritt zumindest gut daran, falls sie es nicht genau wissen, nachzusehen, ob sich ein solcher Zinscap-Passus zugunsten der Bank in ihrem Vertrag findet. In der Schweiz, wo der Referenzzins bereits deutlich unter null ist, stellt sich diese Frage bereits.

Kommen Strafzinsen für Sparer?

Negative Auswirkungen hat das neue Rekordtief beim Euribor jedoch auf Sparer. Sie müssen mehr denn je um ihr Geld bangen, drohen doch, je stärker die Zinsen ins negative drehen, "Strafzinsen". Geld auf der Bank zu horten, kostet dann Geld. Noch wagt niemand in der Bankenbranche diesen Tabubruch, doch auszuschließen ist er nicht.

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