Schuldenkrise in Europa – Zentralbank spritzt Geld

Die Europäische Zentralbank stellt der europäischen Wirtschaft immer wieder Finanzmittel zur Verfügung. Doch die gewünschte Konsequenz - mehr Wachstum - will sich nicht einstellen.

Schuldenkrise in Europa – Zentralbank spritzt Geld
Schuldenkrise in Europa – Zentralbank spritzt Geld

Geld regiert die Welt - doch die nächste Finanzkrise droht bereits, falls der Geldhahn nicht zugedreht wird.

Die Schuldenkrise in Europa hat mit dem Bankrott in Griechenland für Aufregung gesorgt. Zwar besitzt die Europäische Union aktuell die stärkste Wirtschaftsleistung der Welt, allerdings ist Griechenland nicht der einzige Mitgliedstaat in Europa, der sich in die Liste der Schuldner einreiht. Auch Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland haben eine hohe Gesamtverschuldung, wie die Schuldenuhr zeigt. Sie beruht auf den Angaben des statistischen Amtes der Europäischen Union und des Portals haushaltsteuerung.de. Der Verschuldungsgrad von Griechenland liegt dementsprechend bei über 177 Prozent. Was die Pro-Kopf-Verschuldung angeht, sind die Wirtschaftsmächte Belgien und Irland auf den ersten Plätzen. Österreich liegt mit 22.229 Euro Pro-Kopf-Schulden im Mittelfeld. Was die komplette EU-Verschuldung angeht, nimmt Europa weltweit den zweiten Platz hinter Japan ein.

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Europäische Zentralbank bringt Geld ein

Die Europäische Zentralbank stellt der europäischen Wirtschaft immer wieder Finanzmittel zur Verfügung. Doch die gewünschte Konsequenz - mehr Wachstum - will sich nicht einstellen. In der vergangenen Woche meldete man aus Washington, das die Arbeitslosenquote gesunken sei. Die gute Nachricht löste an der Wall Street ein Zusammenbrechen der Kurse aus. Auch die Kurse in Europa sanken daraufhin. Der Grund: Viele Börsianer befürchteten, dass die Zentralbank aufgrund der starken Wirtschaft den Leitzins anhebt. Mitschuld trägt daran die vergangene Finanzkrise. Sie löste die Gier nach billigem Geld aus. Die Finanzmärkte sind danach süchtig. In Europa hat die Zentralbank gerade öffentlich überlegt, ob sie den Geldhahn noch weiter aufdreht. Die Zinsen sind schon jetzt fast bei null und Mario Draghi, der Chef der Zentralbank kauft monatlich 60 Milliarden Euro Anleihen. Die Financial Times glaubt nicht daran, dass das billige Geld der europäischen Wirtschaft helfen könnte. Denn dadurch investieren weniger Firmen. Seit Juli 2014 haben sie aus den Schwellenländern, laut Berechnungen des Vermögensverwalters NN Investment Partners, mehr als 140 Milliarden Dollar abgezogen.

Billiges Geld macht noch mehr Schulden

Die Anleger setzen auf minderwertige Hypotheken, die eine neue Finanzkrise auslösen können. Sichere Anleihen rentieren sich nicht mehr. Die Investoren greifen zu mittelmäßigen Papieren mit kleinen und großen Risiken. Dadurch entstehen riesige Blasen, die irgendwann platzen und neues Geld erfordern. Für die Europäische Union ist das billige Geld zum Problem geworden. Denn es verlockt die Staaten zum weiteren Schuldenmachen, da die Zinsen kaum zu spüren sind. Reformen und Konjunkturprogramme fallen damit unter den Tisch. Der Kreislauf verstärkt sich immer mehr. Die weltweite Verschuldung ist höher als jemals zuvor. Einige Experten sprechen schon von der nächsten Finanzkrise. Namhafte Ökonomen befürchten sogar einen globalen Absturz. Und die Währungshüter trauen sich nicht, den Leitzins anzuheben.

Grenzen setzen, das ist die Lösung

Während vor knapp acht Jahren die Regierungen noch Geld in die Finanzmärkte pumpten, um Wachstumsprogramme zu finanzieren und Banken vor der Pleite zu bewahren, sind es jetzt die Banken, die unaufhörlich Geld in die Staaten pumpen. Die Krise, die durch Schulden ausgelöst wird, wird mit noch mehr Schulden bekämpft.

Ewig kann ich so nicht weitergehen. Amerika sollte ein gutes Beispiel sein und zeigen, dass man bei guter Konjunktur den Leitzzins anheben kann. Und Europa muss verstehen, das Geld ohne Grenzen nicht existiert. Anstatt Geld zu drucken, sollte Mario Draghi den europäischen Mitgliedsstaaten Grenzen setzen. Zumal die aktuelle Flüchtlingskrise den Ländern stark zusetzt und enorme finanzielle Kosten verursacht. Es müssen neue Reformen her. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, sich nicht zurückzulehnen und zu entspannen. Denn das potenzielle Wachstum in der Eurozone ist nicht ausreichend, um die EU langfristig wirtschaftlich und politisch zu stärken. Als positives Beispiel nannte der Eurogruppenchef Österreich. Er lobte das Land für seine niedrige Arbeitslosigkeit und die hohe Erwerbsbeteiligung. Zudem begrüßte er die neue Steuerreform in Österreich und fand Anerkennung für die starke Wirtschaftsleistung des Landes.