Russland-Krise: Österreichische Banken am gefährdetsten

Russland-Krise: Österreichische Banken am gefährdetsten

Sowohl Raiffeisen Bank International wie auch die UniCredit -Tochter Bank Austria haben große Niederlassungen in der Ukraine, deren Erträge einbrechen. Zudem bangen die Institute um ihr ertragreiches Russland-Geschäft, das durch den Wirtschaftsabschwung in Mitleidenschaft gezogen wird. Den Banken dürften dann höhere Vorsorgen für faule Kredite drohen, die ihre Gewinne schmälern. Auch die Sanktionen des Westens gegen Russland schränken die Geschäfte der Banken ein.

Die Bankenaufseher sind alarmiert: Sie haben der RBI kein grünes Licht für die bereits vor dem Sommer geplante Komplettrückzahlung der Krisenhilfen gegeben. Stattdessen musste das Institut, dessen Russland-Tochter im vergangenen Jahr fast die Hälfte des Konzerngewinns erwirtschaftet hatte, einen Teil des Geldes als Puffer behalten.

Für viele Unternehmen sind die goldenen Zeiten in Osteuropa vorbei. Kriegsähnliche Zustände in der Ukraine, Sanktionen gegen Russland, eine unberechenbare Wirtschaftspolitik in Ungarn und eine Bankenkrise in Bulgarien bereiten gerade österreichischen Firmen Sorge. Denn sie zählten zu jenen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs dort massiv investiert haben. Betroffen sind alle: von Banken über Versicherungen und Energiekonzernen bis hin zu Telekom-Anbietern.

Regierung beauftragt Studie

Um die Auswirkungen der Russland-Sanktionen auf die gesamte österreichische Wirtschaft abzuschätzen, hat die Regierung ihre Berater vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) mit einer entsprechenden Studie beauftragt, sagte Wifo-Chef Karl Aiginger zu Reuters. Sie soll bis Mitte Oktober zeigen, inwieweit einzelne Branchen - etwa Landwirtschaft, Finanzsektor oder Industriebetriebe mit Einbußen rechnen müssen. "Es gibt kurzfristige Risiken, dass einige Exporte oder Investitionen verloren gehen", sagte Aiginger.

Die Krise in der Ukraine könnte nach Einschätzung von Ökonomen die Konjunktur in ganz Osteuropa dämpfen. Zwar sei die Region ein viertel Jahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht mehr nur von Russland, sondern stark von Westeuropa abhängig, sagte Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer. Hier stagniert die Wirtschaft jedoch und kann keine Impulse für mehr Wachstum in Osteuropa geben. "Ein boomendes Europa würde die Probleme rund um die Ukraine und Russland relativ locker verdauen. Aber leider haben wir keine boomende Wirtschaft im Euroraum", sagte Bruckbauer. Dennoch erwartet der Ökonom, dass Osteuropa in den kommenden Jahren um ein bis 1,5 Prozent schneller wächst als Westeuropa. In den Jahren vor der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 lag der Wachstumsvorsprung noch bei drei bis vier Prozent.

Verbund und Voest zögern mit Investitionen

Viele Unternehmen wollen daher erst einmal lieber kein Geld in den Aufbau des Geschäfts in Osteuropa stecken, etwa der auf Wasserkraft spezialisierte Energiekonzern Verbund. "Die Attraktivität für Infrastruktur-Investitionen in diesen Ländern ist nicht hoch", sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Grund dafür sei auch das wenig berechenbare Rechtssystem, das auf Jahrzehnte ausgelegte Investitionen praktisch unmöglich mache.

Auch der Stahlkonzern Voestalpine zögert. "Osteuropa ist für uns im Moment schwierig, weil wir noch nicht den großen Zug unserer Kunden aus der Automobilindustrie oder aus dem Maschinenbau dorthin haben. Da gibt es große Zurückhaltung, weil natürlich die Finanzierung in diesen Regionen schwierig ist", sagte Firmenchef Wolfgang Eder in Alpbach.

Telekom musste bereits 400 Millionen abschreiben

Die Erfahrungen anderer österreichischer Unternehmen aus den vergangenen Monaten wirken ebenfalls abschreckend: Die Telekom Austria musste 400 Millionen Euro in Bulgarien abschreiben, der Energiekonzern EVN kippte wegen anhaltender Probleme in dem Land seine Gewinnprognose. Das Sparkassen-Spitzeninstitut Erste Group geriet mit massiven Abschreibungen in Rumänien und anhaltenden Problemen bei Fremdwährungskrediten in Ungarn in die Schlagzeilen: Im laufenden Jahr wird ein Rekordverlust von voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

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