Rubel-Krise: Russland forciert den Kauf von Gold

Rubel-Krise: Russland forciert den Kauf von Gold

Viel russisches Gold landet derteit in den Depots der russischen Nationalbank.

Die russische Zentralbank stockt ihre Gold-Bestände durch den Kauf von russischem Gold massiv auf. Hintergrund: Wegen der Wirtschaftssanktionen ist der Westen bei Goldkäufen aus Russland zurückhaltend - mit Konsequenzen für die Geschäftsbanken Russlands.

Als Reaktion auf die westlichen Sanktionen und den Verfall des Rubels kauft die russische Zentralbank Insidern zufolge verstärkt Gold aus russischen Minen auf. Die Käufe seien nötig, da die russischen Banken als Abnehmer der heimischen Edelmetallproduktion auf ihren Goldbeständen sitzen blieben. Die Information stammt von Teilnehmern der Jahreskonferenz des Londoner Goldmarktverbandes (LBMA) in Peru, die nicht genannt werden wollten.

Russische Banken wie etwa die Sberbank oder VTB sind in der Regel oft Zwischenhändler und verkaufen das Gold an die Zentralbank oder aber ausländische Institute weiter. Diese halten sich nun allerdings mit dem Erwerb russischen Goldes zurück.

Goldbestand aufgestockt

"Die westlichen Sanktionen verbieten zwar nicht ausdrücklich den Kauf von Gold. Doch westliche Banken sind vorsichtig geworden bei Geschäften mit russischen Instituten", sagte einer der Experten. Der russischen Zentralbank sei daher nichts anderes übrig geblieben, als den heimischen Geldhäusern beizuspringen.

Nach Daten des World Gold Council, des Sprachrohrs der Goldindustrie, hat Russland seine Käufe dieses Jahr insgesamt forciert. Demnach wurden die Goldreserven im laufenden Jahr um 115 Tonnen aufgefüllt. 2013 wurden lediglich 77,5 Tonnen zusätzlich eingelagert. Die russische Zentralbank ist bereits seit zehn Jahren äußerst aktiv am Goldmarkt. Ihre Bestände haben sich in diesem Zeitraum fast verdreifacht. Damit steht die Moskauer Notenbank auf Rang sechs weltweit.

Rubel-Krise

Die Goldkäufe sind auch eine Reaktion auf die aktuelle, durch die Wirtschaftssanktionen ausgelöste Rubel-Krise. Alleine in der vergangenen Woche hat die russische Landeswährung, der Rubel, gegenüber dem US-Dollar über acht Prozent an Wert verloren, seit Jahresbeginn sogar schon um rund 40 Prozent. Gegenüber dem Euro ist der Rubel um etwa 25 Prozent gefallen.

Mit Beginn dieser Woche hat die russische Zentralbank einen neuen Kurs eingeschlagen, um den Verfall des Rubels zu stoppen. Notenbankchefin Elwira Nabiullina kündigte an, bei Bedarf jederzeit und in ausreichendem Umfang mit Interventionen am Devisenmarkt auf spekulative Kursbewegungen zu reagieren. Dies gelte insbesondere, wenn Gefahr für die Finanzstabilität drohe.

Russland macht auch der Preisverfall bei seinem wichtigsten Exportgut. dem Erdöl, massiv zu schaffen. Gleichzeitig ist die Inflation erheblich gestiegen. Die Preise haben in Russland seit Anfang des Jahres im Schnitt bereits um acht Prozent angezogen, was die Kauflust der Russen deutlich trübt. Die Wirtschaft versucht relativ vergeblich, dem mit massiven Preissenkungen zu entgegnen.

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