Runtastic: Adidas kauft Fitness-App um 220 Millionen Euro von Axel Springer

Runtastic: Adidas kauft Fitness-App um 220 Millionen Euro von Axel Springer
Runtastic: Adidas kauft Fitness-App um 220 Millionen Euro von Axel Springer

Runtastic: Das Startup aus Oberösterreich gehört nun zum deutschen Sportartikelkonzern Adidas. Mehrheitseigentümer Axel Springer macht den großen Schnitt.

Adidas hat den oberösterreichischen Fitness-App-Anbieter Runtastic vom Medienkonzern Axel Springer gekauft. Der Anbieter von Soft- und Hardware für Fitness und Gesundheit wurde bei der Übernahme mit 220 Millionen Euro bewertet. Adidas übernimmt sämtliche Anteile an der Runtastic GmbH.

Adidas verstärkt sich mit der Übernahme des Fitness-App-Anbieters Runtastic im wachsenden Geschäft mit tragbaren Fitnessmessgeräten. Der Sportausrüster übernimmt den Mehrheitsanteil des Medienkonzerns Axel Springer und die Anteile der übrigen privaten Gesellschafter. Neben dem bisherigen Mehrheitseigner Springer - Runtastic gehörte zu 50,1 Prozent der Axel Springer SE - seien unter den Verkäufern auch ein Privatinvestor und die Unternehmensgründer, die aber an Bord bleiben sollen.

Die Unternehmensgründer Florian Gschwandtner, Alfred Luger, René Giretzlehner und Christian Kaar (alle mit jeweils 10,9748 Prozent) werden innerhalb der Adidas-Gruppe weiterhin die Geschäftsaktivitäten von Runtastic leiten.

Der Wert von Runtastic wird nun mit 220 Millionen Euro bewertet - ein gutes Geschäft für Axel Springer. Der Konzern war im Oktober 2013 eingestiegen und hat 22 Millionen Euro für 50,1 Prozent der Runtastic bezahlt. Der Wert der Beteiligung hat sich für Axel Springer in weniger als zwei Jahren somit verfünffacht, der Unternehmenswert hat sich verzehnfacht. Springer und Adidas einigten sich auf einen dreistelligen Verkaufspreis, wie eine mit der Transaktion vertraute Person sagte.

Nach Einstieg von Springer Gewinn kräftig gewachsen

Runtastic ist seit der Gründung sukzessive gewachsen. Erst wollte das Unternehmen nur mit ihrer Software reüssieren, die nach und nach in unterschiedlichen Sprachversionen auf unterschiedlichen Märkten eingeführt wurde. Im Jahr 2012 hat Runtastic neben der Software auch damit begonnen noch Sportzubehör und Accessoires zu verkaufen. Der Umsatz wollte bis dahin nicht wirklich anspringen, die kostenpflichtige Version der Runtastic-App hatte noch nicht ganz den Absatzerwartungen entsprochen.

Die vier Gründer Giretzlehner, Gschwandtner, Kaar und Lugar hatten die Fitness-App als Studenten an der FH Hagenberg entwickelt und nach dem Studienabschluss in Eigenregie ab dem Jahr 2009 weiterentwickelt. Die Runtastic-App zeigt via GPS am Handy auf, wie viele Kilometer der Nutzer in welcher Zeit läuft, die Durchschnittsgeschwindigkeit oder auch wie viele Kalorien er verbraucht. Zahlen zu Umsatz und Gewinn hütete CEO Gschwandtner stets wie ein Geschäftsgeheimnis.

Mitgründer und CEO Florian Gschwandtner zeigte sich auf Facebook erfreut über die Übernahme durch Adidas.

Im Jahr 2010 hat Runtastic laut offiziellen Angaben im Firmenbuch noch einen Bilanzverlust in der Höhe von 41.000 Euro eingefahren. Erst ab dem Jahr 2011 bilanziert Runtastic positiv: 102.000 Euro standen unterm Strich als Gewinn. Im Jahr 2012 betrug der Bilanzgewinn 498.000 Euro. Im Geschäftsjahr 2013 stagnierte der Gewinn und belief sich auf 497.000 Euro. Erst im Geschäftsjahr 2014 – und nach dem Einstieg von Axel Springer 2013 wurde der Gewinn kräftig gesteigert auf 1,26 Millionen Euro.

Weit freizügiger zeigt sich Gschwandtner stets bei Präsentationen und Anfragen bei der Darstellung von großen Zahlen zum Gratisdownload der Fitness-App. Runtastic hat laut eigenen Angaben rund 60 Millionen Nutzer, die App zählt mehr als 120 Millionen Downloads. Wie viele Nutzer für echten Umsatz sorgen, wird als Geheimnis behütet. Seit dem Einstieg von Axel Springer wird die App jedoch mit Werbung flankiert, mit lästigen Pop-ups werden die Nutzer genervt und die App somit geradezu zugepflastert.

Der Unternehmenswert in Höhe von nun 220 Millionen Euro dürfte weniger dem Umsatz noch dem Profit geschuldet sein. Runtatstic hat offenbar Millionen von Kundendaten, die derzeit im digitalen Business eine der Hauptwährungen darstellt - neben den nackten Zahlen, Daten und Fakten. Auch die weitere Entwicklung des Geschäftsmodells dürfte in die Neubewertung und Steigerung des Unternehmenswertes von Runtastic einfließen.

Millionäre 2.0

Für die vier Gründer Florian Gschwandtner, Alfred Luger, René Giretzlehner und Christian Kaar machen nun den zweiten großen Schnitt. Bereits bei der Übernahme des Mehrheitsanteils von Axel Springer wurden die Oberösterreicher Millionäre. Für die einstigen Absolventen der Fachhochschule Hagenberg in Oberösterreich wird der Exit vergoldet: Der jeweilige Runtastic-Anteil von 10,9748 Prozent bringt pro Kopf satte 24,1 Millionen Euro.

Auch für den Investor Johann Hansmann ist der Exit ein lohnendes Geschäft. Er schneidet sich am Kuchen noch 13,2 Millionen Euro ab. Hansmann hat als Business Angel in gut drei Dutzend Start-ups investiert.

Adidas wächst stark im zweiten Quartal

Adidas kann sich die Übernahme des Startups gerade gut leisten: Dank eines starken Wachstums seiner Kernmarken steigerte der Sportartikelhersteller Umsatz und Betriebsgewinn im zweiten Quartal unerwartet deutlich. Die Erlöse kletterten um 14,9 Prozent auf 3,91 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis legte um 7,6 Prozent auf 234 Mio. Euro zu.

Die Bruttomarge verringerte sich allerdings wegen des wegbrechenden Golfgeschäfts um 0,9 Prozentpunkte auf 48,3 Prozent. Der Vorstand bekräftigte seine Jahresprognose. Analysten hatten mit einem Quartalsumsatz von 3,81 Mrd. Euro und einem Betriebsergebnis von 225 Mio. Euro gerechnet.

Mit der Übernahme von Runtastic folgt Adidas dem aufstrebenden US-Rivalen Under Armour, sich im Februar zwei Konkurrenten von Runtastic einverleibt hatte. Under Armour kaufte für 475 Millionen Dollar den App-Programmierer MyFitnessPal und zahlte weitere 85 Millionen Dollar für den Anbieter Endomondo.

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