Türkei erlebt wirtschaftliches Beben

Türkei erlebt wirtschaftliches Beben

"Der Währungskurs ist nicht länger ein Indikator für allgemeine Aussichten auf die türkische Wirtschaft", überraschte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Ali Babacan gestern in einer Erklärung vor Journalisten. Man erlebe seit drei Monaten im Hinblick auf die Weltwirtschaft eine neue Phase. Zum Glück sei man aber budgetseitig sicher aufgestellt um diesen "Sturm auf dem Weltmarkt" zu überstehen.

Wirtschaftsminister Zafer Caglayan bemühte sich die Tage ebenfalls um Zweckoptimismus und betonte, "das Überschreiten der psychologischen Grenze von über zwei Lira pro Dollar bedeutet nicht das Ende". Seiner Ansicht nach brauche es kein Einschreiten der türkischen Zentralbank, um gegen den hohen Dollarkurs vorzugehen. Zwar sehe er die Bemühungen einer Zinslobby, die Zinsen weiter in die Höhe zu treiben, aber die türkische Wirtschaft, "steht wie ein Fels", betonte er.

Auch der Wissenschafts- und Industrieminister Nihat Ergün legte nach und bekräftigte, es gebe keinen Grund zur Panik. Eine Rückkehr zu einem Wert von 1,90 Lira für den Dollar bis Ende des Jahres sei nicht schwierig.

Einige türkische Medien orten "die Zinslobby" hinter dem Dollarhoch um die türkische Wirtschaft zu Fall zu bringen. Ein Gerücht, das der "Hürriyet"-Journalist Metehan Demir ätzend so kommentierte: "Wenn eine solche Lobby existiert, wäre die US-Fed an ihrer Spitze", erklärte er gegenüber CNN Türk.

Teures Öl bremst

Wie Energieminister Taner Yildiz gestern in Ankara bekannt gab, hat der Ölpreisanstieg in den vergangenen Wochen der Türkei hingegen bereits 300 Mio. Dollar an Mehrausgaben aufgebürdet. Nicht zuletzt müsse das Land Öl in ausländischer Währung einkaufen, aber in türkischer Lira verkaufen, sagte der Energieminister.

Als Reaktion hat die Regierung den Benzinpreis am 29. August neuerlich um 14 Kurus (auf 5,16 Lira pro Liter), Diesel um 17 Kurus (auf 4,60 Lira pro Liter) anheben müssen. Die Preise für Elektrizität sollen zumindest im September gleich bleiben, wurde versichert. Durch den Wertverlust der Lira und als Folge des hohen Ölpreises muss in den nächsten Wochen und Monaten aber mit weiteren Preiserhöhungen bei Strom, Gas, Lebensmitteln und Konsumgütern gerechnet werden. Gleichzeitig setzt der Sturzflug der Lira die türkische Wirtschaft bei der Güterproduktion unter Druck.

Die Lira erreichte zu Wochenbeginn ein Rekordtief von über zwei Lira pro Dollar. Seit Beginn des Jahres hat sie mehr als 8,7 Prozent verloren. Die türkische Zentralbank hat im Kampf gegen den Kursverfall der Landeswährung den Leitzins am 20. August bereits den zweiten Monat in Folge angehoben. Für Übernachtkredite müssen die Banken nun einen Zins von 7,75 Prozent zahlen, 0,5 Prozentpunkte mehr als zuvor. Mit Stichtag 2. September (der 30. August ist offizieller Feiertag in der Türkei) hat die Zentralbank 50 Mio. Dollar an Devisen verkauft.

Der Präsident der türkischen Zentralbank, Erdem Basci, legte sich Mitte der Woche gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu eindeutig fest und erklärte, es werde bis Ende des Jahres keine weiteren Zinsschritte geben. Ob er sein Versprechen einhalten kann, ist zu bezweifeln. Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, demnächst mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu beginnen, hatte in den vergangenen Wochen die Währungen der Schwellenländer unter Druck gesetzt.

Allein die Istanbuler Börse hat in den vergangenen drei Monaten – seit der Ankündigung der US-Notenbank in der letzten Maiwoche – 27 Prozent an Wert eingebüßt. Die Firmenwerte der insgesamt 22 an der Börse notierten Unternehmen stürzten von 670,1 Mrd. Lira auf 497,3 Mrd. Lira ab (Stichtag 23. August).

Das Ziel der türkischen Regierung, die Inflation bis Ende des Jahres auf einem Mittelwert von 6,2 Prozent zu halten, wird sich nicht realisieren lassen. Auch das Wachstumsziel von 4 Prozent für 2013 ist in weite Ferne gerückt. Schon im ersten Quartal 2013 konnte die Türkei ihr Wachstumsziel nicht verwirklichen und blieb bei 3 Prozent. Die innenpolitischen und außenpolitischen Turbulenzen, von den Gezi-Park-Protesten bis hin zur Ägyptenkrise und dem wahrscheinlich bevorstehenden Kriegseinsatz in Syrien haben sich hier noch nicht einmal zu Buche geschlagen.

Handelsdefizit als Schwachsstelle

Die Türkei gilt wegen ihres hohen Leistungsbilanz-Defizits als anfällig. Das Land ist auf ausländische Kapitalzuflüsse angewiesen, um das Defizit zu stoppen. Um die im Vergleich zu den Exporten weitaus höheren Importe zu bezahlen, wird Geld in ausländischen Währungen benötigt. Dazu braucht es aber eine ausgeglichene außenpolitische Linie, um das Vertrauen der Märkte und Investoren nicht zu verlieren.

Wie das staatliche Amt für Statistik der Türkei (TUIK) bekannt gab, hat sich das Außenhandelsdefizit im Juli dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 9,81 Mrd. Dollar (+22,5 Prozent) vergrößert. Im Juli 2012 belief sich das Außenhandelsdefizit noch auf 8,5 Mrd. Dollar (aktuell 6,41 Euro Mrd. Euro).

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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