Thailand hält den Kautschukpreis hoch

Die thailändische Regierung spielt mit dem Kautschukpreis: Sie will mit millionenschweren Käufen den Kurs des Rohstoffs stützen und damit bei der wichtigen Wählergruppe der Kleinbauern punkten.

Diese Aktion kann aber leicht nach hinten losgehen und ein Loch in den Landeshaushalt reißen. Wenn die Ernte wie vorhergesagt steigt und sich Käufer nach billigeren Alternativen umsehen, droht Thailand auf mehreren Hunderttausend Tonnen des Gummi-Rohstoffs sitzenzubleiben.

Der Preis für Kautschuk, der unter anderem zur Herstellung von Reifen und Gartenschläuchen verwendet wird, ist in Thailand ein politisch sensibles Thema. Mit der Latex-Ernte verdienen etwa 1,3 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt. Die meisten davon sind arme Kleinbauern, die als treue Wähler der Regierung gelten. Knapp ein Drittel der weltweiten Kautschuk-Produktion kommt aus Thailand.

"Die Idee hört sich gut an", sagt Rohstoff-Analystin Kona Haque von der Maquarie Bank zu den Regierungsplänen. "Man darf aber nicht vergessen, dass die thailändischen Kautschuk-Produzenten sehr fragmentiert sind. Es gibt eine Menge Kleinbauern." Es bleibe abzuwarten, ob alle Beteiligten reibungslos zusammenarbeiteten. "Wenn der Markt zu der Ansicht gelangen sollte, dass die Regierung mit dem Verkauf ihrer Bestände beginnt, wird das sicher die Preise belasten."

Marktfaktor China

Ein weiteres Problem - es könnte mehr Kautschuk auf den Markt kommen: In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche zusätzliche Kautschuk-Bäume gepflanzt. Die ersten sind inzwischen groß genug, um ihre Rinde anzuritzen und den auslaufenden Milchsaft zu ernten.

Außerdem könnte die thailändische Ankauf-Aktion Kunden abschrecken. "Gesetzt den Fall, die Preise in Thailand steigen, was werden die chinesischen Käufer tun?", fragt ein Branchen-Insider, der eng mit der thailändischen Regierung zusammenarbeitet. "Sie werden nach Vietnam oder Indonesien gehen, um Kautschuk billiger einzukaufen."

In China mit seinem boomenden Auto-Markt kaufen Reifen-Hersteller bereits verstärkt Kautschuk im heimischen Qingdao. Die Preise liegen dort rund fünf US-Cent pro Kilogramm unter denen in Südostasien. Offizielle Zahlen zu den chinesischen Lagerbeständen gibt es nicht, Insider schätzen sie aber auf bis zu 250.000 Tonnen. Dies entspricht in etwa dem Bedarf eines Monats.

Politischer Schachzug

Der Kenner des Kautschuk-Marktes bezeichnet die Pläne der thailändischen Regierung als "töricht". "Das unmittelbare Ziel ist, das mögliche Hochkochen politischer Probleme zu verhindern", betont er. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Kooperativen überhaupt genügend Lager-Kapazitäten haben."

Thailand will Kautschuk im Wert von umgerechnet knapp 400 Millionen Euro aufkaufen, um den Preis auf mindestens 120 Baht (31 Euro) pro Kilogramm zu hieven. Ab etwa 80 Baht machen thailändische Bauern Gewinn mit ihrer Ernte. Viele hielten sich aber mit Verkäufen zurück, weil sie hofften, dass der Preis sich wieder dem Rekordhoch von knapp 200 Baht vom Februar 2011 annähere, betont Somdet Khemasuk, Chef des Verbandes der Kautschukbauern-Kooperativen. "Darum muss die Regierung den Preis so stark wie möglich in die Höhe treiben, um die Farmer nicht gegen sich aufzubringen."

Die Ankündigung des Ankauf-Programms im Januar hat den Preis seither um etwa 20 Prozent auf derzeit 110 Baht steigen lassen. Die in Tokio gehandelten Terminkontrakte legten in ähnlichen Umfang auf aktuell 328,50 Yen je Kilogramm zu.

Thailand hat bereits in der Vergangenheit am Kautschuk-Markt interveniert, zum Beispiel während der Finanzkrise 2008. Damals war der Preis auf 30 Baht abgestürzt. Die Regierung kündigte daraufhin den Kauf von bis zu 200.000 Tonnen Kautschuk an. Da sich die Preise aber schnell wieder erholten, beschränkten sich die Orders auf einen Bruchteil dieser Menge.

Wenn die verfügbaren Lagerbestände gering seien, könnten die Preise mit derartigen Käufen gestützt werden, sagte ein Börsianer. In diesem Fall mache der Staat unter dem Strich keinen Verlust. "Dies ist aber nicht immer der Fall", warnte er. "Daher kann man sagen, dass die Regierung einen populistischen Albtraum für sich und zukünftige Regierungen geschaffen hat."

Reuters/hahn

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