Platin bleibt gefragt

Platin bleibt gefragt

Platin hat sich dieses Jahr um 13 Prozent verteuert und wird von Investoren so stark gekauft wie seit 2010 nicht mehr. Streiks und zeitweilige Produktionsunterbrechungen in Südafrika haben zur größten Angebotsverknappung seit mindestens sieben Jahren geführt.

Nach Schätzungen der Deutsche Bank haben die Platinproduzenten dieses Jahr 380.000 Unzen des grauweißen Edelmetalls weniger gefördert als möglich gewesen wäre. Das entspricht rund sechs Prozent der weltweiten Produktion.

Die Unze Platin kostet mittlerweile 1582,10 Dollar, nachdem der Preis am 24. Juli bis auf 1379,25 Dollar eingebrochen war. Zum Vergleich: Der Standard & Poor’s GSCI Index für 24 Rohstoffe legte dieses Jahr 4,2 Prozent zu und der MSCI All-Country World Index für Aktien stieg um 9,4 Prozent.

Wetten auf steigende Preise

Hedgefonds und andere große spekulative Investoren haben ihre Wetten auf einen steigenden Platinpreis in den beiden Wochen zum 28. August fast verdreifacht, wie aus Daten der US- Terminmarktaufsicht Commodity Futures Trading Commission hervorgeht. Sie halten jetzt netto 20.072 Terminkontrakte, so viel wie seit März nicht mehr.

Die Platinbestände in börsennotierten Anlageprodukten (ETP) erreichten am 4. September mit 45,3 Tonnen ein Elfmonatshoch und kamen auf einen Wert von 2,31 Mrd. Dollar. Das liegt 2,3 Prozent unter dem Rekord vom September 2011, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Analysten gehen in einer Umfrage von Bloomberg für das vierte Quartal im Median von einem Durchschnittspreis von 1625 Dollar je Unze Platin aus. Das wäre der höchste Preis seit über einem Jahr.

Der Produktionsausfall hat das Überangebot verringert, das im Juli beinahe zu einer Baisse im Platinmarkt geführt hat und den Preis unter die Produktionskosten absacken ließ. Die Preiserholung verstärkte sich, nachdem die südafrikanische Polizei im August 34 streikende Minenarbeiter der Marikana-Mine von Lonmin Plc getötet hatte. Es waren die schlimmsten Gewalttätigkeiten im südafrikanischen Bergbau seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994. Auf Südafrika entfallen 75 Prozent des weltweiten Platinangebots.

“Jede weitere Produktionsunterbrechung in Südafrika wird Platin noch attraktiver machen”, sagte Nic Johnson, Vermögensverwalter im Rohstoffbereich bei Pacific Investment Management Co. in Newport Beach, Kalifornien.

Die weltweite Platinproduktion wird die Nachfrage dieses Jahr nach Schätzungen von Barclays Plc um 99.000 Unzen übersteigen. Das sei eine Verringerung um 77 Prozent gegenüber 2011, da die südafrikanische Förderung um fast zehn Prozent auf 4,38 Millionen Unzen und damit ein Zehnjahrestief sinken werde. Das Angebot werde um sechs Prozent sinken, während die Nachfrage um 2,2 Prozent abnehmen werde, erwartet Barclays.

Lonmin, der drittgrößte Platinproduzent, erklärte, seit die Marikana-Mine am 10. August wegen des Streiks geschlossen wurde, gebe es einen Tagesproduktionsausfall von 2.500 Unzen. Impala Platinum Holdings Ltd. hatte seine Rustenburg-Mine - die weltgrößte Platinmine - im Januar wegen eines Streiks über die Bezahlung der Arbeiter für sechs Wochen zu gemacht.

Die Lohnstreitigkeiten sind ein weiteres Problem für die ohnehin schwierige Lage der Platinproduzenten. Teilweise können sie erst in einer Tiefe von über 2000 Meter platinhaltige Erze abbauen. Die Temperaturen in der südafrikanischen Zondereinde- Mine von Northam Platinum Ltd. können bis auf 72 Grad Celsius steigen. Lonmin hatte 2011 eine Ausbeute von 4,4 Gramm Platinmetalle je Tonne Erz. Das war ein Rückgang um 5,4 Prozent gegenüber 2010.

Die weltweiten Förderkosten liegen bei rund 1430 Dollar je Unze, wie Thorsten Pröttel, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart, berichtet. In den letzten 25 Jahren lag der durchschnittliche jährliche Platinpreis nur drei Mal darüber.

“Die Minen sind unprofitabel”, sagt David Christensen, Chef des Vermögensverwalters ASA in San Mateo, Kalifornien. “Zunehmende Arbeitskämpfe werden die Produktion beeinträchtigen.”

Analysten gehen zwar davon aus, dass der Platinpreis weiter steigen wird. Er müsste jedoch um 46 Prozent klettern, um den Rekordpreis vom März 2008 bei 2301,50 Dollar wieder zu erreichen. In dem Jahr war die Produktion nach Schätzungen von Barclays um 220.000 Unzen niedriger als die Nachfrage. Während Lonmin 2008 noch 455 Mio. Dollar verdiente, wird der Gewinn in diesem Jahr nach Analystenprognosen bei 13,9 Mio. Dollar liegen.

Konjunkturelle risiken

Auf der Nachfrageseite bestehen weiterhin Risiken. Zu 38 Prozent wird Platin in Abgaskatalysatoren für Automobile verwendet. In China, dem größten Automobilmarkt, schwächt sich jedoch die Konjunktur seit sechs Quartalen ab. Die Volkswirtschaft der Eurozone steht vor einer Rezession und in den USA ist das Verbrauchervertrauen im August auf den niedrigsten Wert in zehn Monaten abgebröckelt.

Steigt der Preis weiter, wird zudem das Recycling von Platin interessanter. 2008 hatte das Platinangebot aus recycelten Abgaskatalysatoren um 21 Prozent zugenommen. Nach Schätzungen von Morgan Stanley wird die Automobilindustrie dieses Jahr insgesamt 3,22 Millionen Unzen Platin verbrauchen - so viel wie seit 2008 nicht mehr - und 2013 dürfte der Verbrauch bei 3,81 Millionen Unzen liegen.

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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