Pipeline-Projekt Nabucco geht in die entscheidende Phase

Pipeline-Projekt Nabucco geht in die entscheidende Phase

Das Rennen um Gas aus Aserbaidschan geht in die heiße Phase: Bis Ende Juni soll feststehen, ob die lange Zeit favorisierte Pipeline Nabucco oder das Konkurrenz-Projekt Trans-Adriatic-Pipeline (TAP) den Zuschlag für den Gastransport nach Europa erhält. Die Entscheidung wird von einem von den Energiekonzernen BP und Statoil angeführten Konsortium getroffen, das die riesigen Reserven des Shah-Deniz-Gasfeldes unter dem Kaspischen Meer fördert.

Die Gasverkäufer dürften bei ihrer Entscheidung aber nicht nur darauf achten, mit welcher Röhre sie die höchsten Gaspreise erzielen; sie müssen auch Rücksicht nehmen auf die politische Unterstützung für das Siegerprojekt - und auf die Befindlichkeiten des Nachbarn Russland. Welche der beiden geplanten Pipelines zum Zug kommt, ist völlig offen.

Die nach der Verdi-Oper Nabucco benannte Röhre galt lange als Prestigeprojekt der Europäischen Union. Gut zehn Jahre nach dem Start des Vorhabens hat der politische Rückenwind aber stark nachgelassen, während die Unterstützung für die kürzere und damit billigere Röhre TAP stetig zunahm.

Nabucco soll das Gas über die Türkei und die beteiligten Länder Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis in das österreichische Baumgarten bei Wien liefern. Der Rivale TAP will das Gas von Griechenland über Albanien durch die Adria nach Italien transportieren. Die EU hat mittlerweile eine neutrale Haltung gegenüber den Projekten eingenommen. EU-Kommissar Günther Oettinger sagt, es sei gleichgültig, welche Route für den Gastransport genommen werde - wichtig sei, dass überhaupt kaspisches Gas in die EU komme.

"Es gab eine drastische Verschiebung", sagte TAP-Manager Michael Hoffmann in der vergangenen Woche zu Reuters. Die neue Haltung der EU begrüße er. Nabucco-Sprecher Christian Dolezal sagte wiederum, dass Nabucco nach wie vor starke politische Unterstützung habe. Ziel der EU ist es, unabhängiger von Russland und dem Staatskonzern Gazprom zu werden, der momentan rund ein Viertel des europäischen Gasbedarfs deckt. Die EU ist der Ansicht, dass Gazprom seine dominante Position in Mittel- und Osteuropa ausnutzt und zu hohe Preise verlangt.

Wie die EU halten sich auch die USA inzwischen mit offener Unterstützung für Nabucco zurück. Sie hatten der Pipeline ursprünglich den Vorzug gegeben, weil sie sich von der Röhre durch Osteuropa mehr Energiesicherheit für ihre Nato-Partner in der Region erhofft hatten.

Wichtig für die Entscheidung dürften auch die Pläne Russlands sein: Das Land plant sein eigenes Gaspipeline-Projekt unter dem Namen South Stream. Die Röhre soll über Osteuropa nach Italien und Österreich laufen. Mit einer unmittelbaren Konkurrenzleitung wie Nabucco würde Aserbaidschan dem russischen Projekt Konkurrenz machen - und den Zorn des mächtigen Nachbarn auf sich ziehen.

Das Gas aus dem Feld Shah Deniz reicht derzeit nur für eine Pipeline. Erst wenn andere Quellen beispielsweise aus dem Irak oder Iran erschlossen werden, würden zwei Pipelines gebraucht. Derzeit sieht es so aus, als ob das Konsortium mit seiner Entscheidung für eine Pipeline zugleich das Aus für die andere Pipeline besiegelt.

Nabucco musste Rückschläge einstecken

Das Nabucco-Projekt musste bereits einige Rückschläge einstecken. So ist von den ursprünglichen Plänen nur eine abgespeckte Version übrig geblieben: Nabucco-West soll statt im Osten der Türkei erst an der türkisch-bulgarischen Grenze beginnen. Zudem stieg der deutsche Energiekonzern RWE aus dem Firmenkonsortium aus. Beteiligt sind noch die österreichische OMV, die ungarische MOL, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz. Laut Nabucco-Chef Gerhard Mitschek und OMV-Chef Gerhard Roiss dürfte sich aber bald ein neuer Partner dem Konsortium anschließen. An TAP sind neben E.ON auch die Schweizer Axpo und die norwegische Statoil beteiligt.

Gasmarkt hat sich in den letzten Jahren gewandelt

Seit dem Beginn der Nabucco-Planungen hat sich der Gasmarkt gravierend gewandelt: Vor einigen Jahren, als russische Erdgaslieferungen nach Europa mehrfach unterbrochen worden waren, erhielt das Projekt noch politische Unterstützung aus Brüssel. Doch seither ist der Gaspreis durch die Wirtschaftskrise, die Importe von verflüssigtem Erdgas und die Möglichkeit eines Überangebots aufgrund der Schiefergasförderung in Nordamerika stetig gesunken.

Zudem ist Europa bei der Abhängigkeit der Importe von Russland zweigeteilt: Während Westeuropa weniger betroffen ist, sind Österreich, das Baltikum und Südosteuropa auf russisches Gas angewiesen. Die Leitung Nabucco-West, die durch die ehemaligen Ostblockländer Bulgarien, Rumänien und Ungarn laufen soll, erhofft sich auch aufgrund dieser Tatsache Unterstützung: "Diese Länder sind abhängig und zahlen einen sehr hohen Preis und Europa sagt: Ich bin neutral", sagte OMV-Chef Roiss in einem Interview mit dem "Wirtschaftsblatt" in der vergangenen Woche. "Das ist die Schwäche unserer Energiepolitik", kritisierte er.

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

Gold

Silber: Durch neue Anwendungen steht unglaublicher Boom bevor

US-Präsident Barack Obama hat Luftangriffe gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak angeordnet.
 

Rohstoffe & Währungen

Obama genehmigt Luftschläge im Irak - Ölpreise ziehen an

Diamonds are forever - warum Sie jetzt investieren sollten und worauf Anleger beim Kauf achten sollten.
 

Rohstoffe & Währungen

Investieren in Diamanten - fünf Tipps zur Geldanlage in Edelsteine