"Nur Euro, Dollar und Yen könnten von einem neuen Soros nicht attackiert werden"

Das Hauptargument für den Euro seien nicht die Transaktionskosten, sagte der tschechische Präsident, Milos Zeman am Mittwoch in der WKÖ. "Das Hauptargument ist, dass der Euro die einzige Währung ist - abgesehen vom Dollar und vielleicht vom Yen -, die von Spekulanten nicht hinlänglich attackiert werden kann."

"Nur Euro, Dollar und Yen könnten von einem neuen Soros nicht attackiert werden"

Der Euro biete eine gewisse Garantie, dass Spekulationen nicht erfolgreich wären. Zeman führte Island als Beispiel an. Der Wert der isländischen Krone ist in den vergangenen drei Jahren um 70 Prozent gesunken. "Also, jeder der sagt, dass die nationale Währung ein guter Faktor für Stabilität ist, versteht nicht, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass ein neuer Soros herauskommen könnte", sagte Zeman. Der US-Großinvestor George Soros sei schließlich aufgrund von Spekulationen gegen das Britische Pfund Millionär geworden. Tschechien könnte nach Ansicht Zemans den Euro in fünf Jahren einführen.

Kurz ging Zeman auch auf bilaterale Streitfragen wie die Atomenergie und die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Zum Atomkraftwerk Temelin präsentierte er Österreich einen "komplett neuen Einfall": "Wir stoppen Temelin, den Bau neuer Blöcke, und ihr vermietet uns Zwentendorf". Tschechien wäre damit der größte Investor in Österreich, sagte der Präsident, der gleichzeitig einräumte, dass diese Idee nicht so leicht umzusetzen wäre.

Zum Thema Vertreibung meldete sich der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SLÖ), Gerhard Zeihsel, zu Wort. Zeihsel erklärte, dass die noch gültigen Benes-Dekrete "die entschädigungslose Enteignung des Vermögens von Deutschsprechenden, somit auch von Österreichern, verankert". Er fragte Zeman, ob die "besondere Rechts- und Risikolage" Investitionen österreichischer Unternehmen in Tschechien "ohne Bauchweh" ermögliche. Zeman antwortete: "Zeigen Sie mir einen einzigen Unternehmer der vergangenen 20 oder 25 Jahre, der im Namen der Benes-Dekrete konfisziert wurde? Wenn Sie mir nur einen einzigen Namen nennen können, stimme ich mit Ihnen überein."

Zuvor bei einem Gespräch mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) und anderen österreichischen Abgeordneten betonte der tschechische Präsident, er bedaure die Exzesse der Vertreibung. Zeman meinte aber, mit diesem Thema sollten sich Historiker befassen. Für Politiker sei es wichtiger, in die Zukunft zu schauen. Die Vergangenheit lasse sich nicht mehr ändern, sagte er laut Aussendung.

Laut Wirtschaftskammer betrug das Handelsvolumen zwischen Österreich und Tschechien im vergangenen Jahr knapp 9,5 Mrd. Euro. Damit sei Tschechien Österreichs wichtigster Wirtschaftspartner in den Ländern Zentral- und Osteuropas. 2012 investierten österreichische Firmen in Tschechien fast 1,1 Mrd. Euro, das sind um 64 Prozent mehr als 2011. Mit einem Bestand an Direktinvestitionen von derzeit rund 14,1 Mrd. Euro ist Österreich der drittgrößte Investor in Tschechien. Die Tschechische Republik sei hinter den USA der zweitwichtigste Investitionsstandort für österreichische Unternehmen, betonte WKÖ-Präsident Christoph Leitl.