Milliardärs-Wette auf Zinn zahlt sich aus

Milliardärs-Wette auf Zinn zahlt sich aus

Als die Metallpreise zu Anbeginn der Finanzkrise im September 2008 einbrachen, kaufte die peruanische Milliardärs-Familie Brescia für umgerechnet 292 Mio. Euro die weltgrößte Zinnlagerstätte im Dschungel am Amazonas. Mittlerweile ist ihr Bergbaukonzern Minsur SA - neben überwiegend asiatischen Wettbewerbern - der einzige größere Produzent in diesem Jahr, der die Zinn-Förderung ausbauen kann.

Das weiche Schwermetall wird verstärkt nachgefragt, da es zu Lötmetall für die Schaltkreise in Smartphones verarbeitet werden kann. Zinn ist eines von zwei Industriemetallen, das in diesem Jahr einen Preisanstieg verzeichnen konnte.

“Das einzige Unternehmen mit einer guten Basis für einen Ausbau ist Minsur”, sagt Cesar Perez, Research-Chef von BTG Pactual in Santiago. “Die Brescia-Familie hat ein gutes Timing.”

Dass die Zinnproduzenten mit dem Nachfragewachstum kaum mithalten können, war nicht immer so. Im Jahr 2008, als Executive Director Fortunato Brescia und Chairman Pedro Brescia den Kauf von Pitinga am Amazonas unter Dach und Fach brachten, war der Zinnpreis zwischen Mai und Oktober um 54 Prozent eingebrochen. Viele Gruben stellten damals den Betrieb ein.

Doch die Führungsriege von Minsur hatte letztlich den richtigen Riecher. Dank des Zukaufs stieg die Banken- und Industriegruppe, die von Fortunatos eingewanderten Großvater im 19. Jahrhundert gegründet worden war, zum größten Zinnproduzenten der Welt nach Chinas Yunnan Tin Co. und Malaysia Smelting Corp. auf.

Die Brescias hatten Minsur mit Sitz in Lima in den 1970er Jahren zugekauft. Nun bereitet sich der Bergbaukonzern darauf vor, einen Markt zu beliefern, der Prognosen zufolge einen globalen Angebotsengpass verzeichnen wird.

“Die Grundlagen der globalen Branche sind allen anderen überlegen”, sagt Konzernchef Juan Luis Kruger im Telefoninterview mit Bloomberg News aus Lima. Seiner Einschätzung nach wird die Nachfrage zwischen drei und vier Prozent im Jahr zulegen, während das Angebot beschränkt bleibt. “Wir werden unsere Marktführerschaft weiter festigen.”

Zugute kommt dem Unternehmen auch, dass das größte Produzentenland Indonesien die Verkäufe aus illegalen Gruben auf der Insel Bangka im September eingeschränkt hat. Die indonesischen Exporte dürfen nach Einschätzung von PT Timah, dem größten Zinnproduzenten des Landes, in diesem Jahr um etwa ein Drittel auf grade mal 60.000 Tonnen sinken.

Das zwingt die Zulieferer von Apple Inc. und Samsung Electronics Co. sich nach neuen Quellen umzuschauen. Foxconn Technology Group, Apples größter Vertragsnehmer, nutzt tausende Tonnen des Schwermetalls, das in kleine Tropfen geschmolzen zur Befestigung von Komponenten auf Schaltkreisen in iPhones und iPads benutzt wird. Samsung, Sony Corp. und LG Electronics Inc. hatten sich bislang das Zinn aus Bangka beschafft.

Zudem steigt die Nachfrage für Lebensmittelverpackungen, was den zweitgrößten Endmarkt für Zinn darstellt, wie das Londoner Beratungsunternehmen für die Bergbaubranche CRU sagte. Das dürfte dem Zinnpreis Auftrieb geben, der sich im letzten Jahrzehnt bereits verdreifacht hatte, als die Europäische Union den Gebrauch von Blei in elektrischen Geräten untersagte.

Als Minsur vor sechs Jahren die Lagerstätte Pitinga und eine Zinnhütte von Paranapanema SA kaufte, wurde Zinn bei etwa 17.000 Dollar je Tonne gehandelt. Das Metall zur Lieferung in drei Monaten kostet derzeit 23.200 Dollar und dürfte nach Einschätzung der indonesischen Firma Timah in diesem Jahr auf 26.000 Dollar zulegen.

Grund dafür ist neben der steigenden Nachfrage auch der Rückgang der Vorräte auf ein Fünfjahrestief. Die LME-Lagerbestände an Zinn sind auf etwa 9555 Tonnen geschrumpft, was die globale Nachfrage für etwa elf Tage befriedigen kann. Vor sechs Monaten hatten sie noch bei 15.000 Tonnen gelegen, was für 17 Tage gereicht hätte.

Die Pitinga-Lagerstätte, die sich etwa 300 Kilometer nördlich des Hafens von Manaus am Amazonas befindet, enthält neben Zinn auch Seltene Erden wie Niob und Tantal, die bei der Herstellung von Transistoren und Kondensatoren für elektronische Ausrüstungen benutzt werden.

Mit Ressourcen von insgesamt rund 420.000 Tonnen verfügt Pitinga über die weltweit größten unerschlossenen Vorkommen, sagt Peter Kettle, Research Manager der Branchengruppe ITRI Ltd.

Der weltweite Zinnmarkt wird 2014 das fünfte Jahr in Folge ein Defizit aufweisen, erklärte Barclays am 13. Januar in einer Studie. Derzufolge belief sich die globale Nachfrage im vergangenen Jahr auf 344.000 Tonnen, womit sie das Produktionsvolumen von 341.000 Tonnen übertraf.

“Im Zuge eines massiven Überangebots an Zinn in den 1980ern haben viele Gruben den Betrieb aufgegeben”, sagt Kettle. “Seit geraumer Zeit nehmen die Lagerbestände tendenziell ab. Wir dürften nicht allzu weit von dem Punkt entfernt sein, wo es eng wird.”

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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