Manipulationsverdacht bei Devisen – Anstieg stets um 16 Uhr

Manipulationsverdacht bei Devisen – Anstieg stets um 16 Uhr

Das gleiche Muster - ein plötzlicher Anstieg um kurz vor 16 Uhr Londoner Zeit am letzten Handelstag des Monats, gefolgt von einem raschen Rückschlag - erfolgte über zwei Jahre lang bei 14 Devisenpaaren in 31 Prozent der Zeit, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Für die am häufigsten gehandelten Währungspaare, wie Euro-Dollar, geschah es etwa in der Hälfte der Zeit, wie aus den Daten hervorgeht.

Die wiederkehrenden Spitzenwerte treten zum gleichen Zeitpunkt auf, zu dem Finanz-Benchmarks bekannt, unter dem Namen WM/Reuters-Sätze, auf Basis dieser Handelsgeschäfte festgelegt werden. Fondsmanager und Experten deuten die Muster als Beleg für Versuche zur Kursmanipulation. Damit würde der Wert von Investments im Volumen von Billionen Dollar in Fonds, die weltweite Indizes abbilden, verzerrt. Bloomberg News berichtete im Juni, dass Händler Informationen austauschten und Kundenorders nutzten, um die Sätze zu beeinflussen und so den Handelsgewinn zu steigern. Die britische Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority überprüft nach Angaben eines Sprechers die Beschuldigungen.

“Wir beobachten enorme Spitzenwerte,” sagt Michael DuCharme, Leiter Devisenhandel bei Russell Investments in Seattle. “Dann, kurz nach 16 Uhr fällt der Kurs wieder zurück auf ein Niveau, das wie der Marktkurs aussieht. Das erhärtet den Verdacht, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht.”

Weltweit untersuchen Aufsichtsbehörden den Missbrauch von Finanz-Benchmarks durch Großbanken, die eine zentrale Rolle bei deren Festlegung spielen. Barclays Plc, Royal Bank of Scotland Group Plc und UBS AG wurden bereits mit Strafen von insgesamt 2,5 Mrd. Dollar für Manipulationen beim Londoner Interbanken- Satz Libor belegt. Die Commodity Futures Trading Commission in den USA untersucht wegen des Verdachts der Manipulation bei den ISDAfix-Sätzen.

"Banging the close"

Von Bloomberg News befragte Investoren und Berater sagen, dass Händler bei Banken, die den Devisenmarkt, an dem täglich 4,7 Billionen Dollar umgesetzt werden, dominieren, möglicherweise eine große Zahl von Handelsgeschäften innerhalb eines kurzen Zeitraums ausführen. Damit solle der Kurs zu ihrem Vorteil bewegt werden - eine unter dem Namen “banging the close” bekannte Praxis. Da die 16-Uhr-Benchmark bestimmt, wieviel Gewinn Händler mit den Positionen, die sie in der vorherigen Stunde eingegangen sind, erzielen, bestehe ein Anreiz, den Satz zu beeinflussen, erläutert DuCharme. Händler sagen, sie müssen innerhalb dieses Zeitfensters handeln, um der Kundennachfrage nachzukommen und ihre eigenen Risiken zu minimieren.

“Es gibt bei den Währungen gewisse Muster, die dem sehr ähneln, was ich in anderen Märkten gesehen haben, und zwar dahingehend, dass die Auswirkungen der Preisfestsetzungen häufig bis zum nächsten Tag verschwunden sind”, sagt Rosa Abrantes- Metz. Die Professorin an der Stern School of Busines der New York University hatte mit ihrem im August 2008 erschienenen Papier, “Libor Manipulation?,” die Untersuchungen über die Manipulation von Referenzzinssätzen mit ausgelöst. “Es sind auch große Kursbewegungen zu einem Zeitpunkt zu sehen, da das Handelsvolumen hoch und daher der Markt sehr liquide ist. Wenn ich Aufseher wäre, würde ich das sicherlich unter die Lupe nehmen”, führt sie aus.

Die WM/Reuters-Sätze legen fest, wieviel viele Pensionsfonds und Vermögensverwalter für Devisen zahlen. Die Kurse werden stündlich für 160 Währungen und halbstündlich für die am meisten gehandelten 21 Währungen ermittelt. Die Benchmarks geben den Median aller Handelsgeschäfte in einem Zeitraum von einer Minute an, der 30 Sekunden vor Beginn einer jeden halben Stunde anfängt. Die Sätze für weniger häufig gehandelte Währungen basieren auf Notierungen innerhalb eines Zeitfensters von zwei Minuten.

Benchmark-Anbieter wie FTSE Group und MSCI Inc. basieren die täglichen Notierungen von Indizes mit unterschiedlichen Währungen auf den zu 16 Uhr ermittelten WM/Reuters-Sätzen, dem so genannten London Close. Die Daten werden von World Markets Co., einer Tochtergesellschaft von State Street Corp., und Thomson Reuters Corp. gesammelt und verbreitet. Bloomberg LP, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, konkurriert mit Thomson Reuters und ICAP in den Bereichen Nachrichten und Information sowie Devisenhandelssysteme.

Reuters und World Markets haben Bitten um eine Stellungnahme an State Street verwiesen. Noreen Shah, eine Sprecherin der Depotbank in London, schrieb in einer E-Mail, dass die Kurse über tatsächliche Handelsgeschäfte ermittelt werden und die Benchmark anonym errechnet werde, wobei mittels einer Reihe von Untersuchungsverfahren die Qualität der Daten geprüft werde.

“WM unterstützt die Bemühungen der Branche, jegliches mutmaßlich störende Verhalten von Marktteilnehmern festzustellen und anzugehen. Wir begrüßen weitere Diskussionen zu diesen Themen und der Frage, welche vorsorglichen Maßnahmen ergriffen werden können”, so Shah.

Kaum reguliert

Der Devisenmarkt ist einer der am wenigsten regulierten und einer der undurchsichtigsten Märkte im Finanzsystem. Er weist auch eine hohe Konzentration auf - mehr als die Hälfte des gesamten Handels entfällt auf vier Banken, wie eine im Mai durchgeführte Umfrage von Euromoney Institutional Investor Plc ergab. Die Deutsche Bank AG belegt mit einem Anteil von 15 Prozent Rang eins, vor Citigroup Inc. mit knapp 15 Prozent. Danach folgen die britische Bank Barclays und die Schweizer UBS AG, die beide auf 10 Prozent Marktanteil kommen. Alle vier Banken wollten keinen Kommentar abgeben.

Da sie die Kundenorders vor dem London Close bekommen und einige Händler mit Kollegen bei anderen Häusern über Orders reden, haben Banken einen Einblick in die zukünftige Richtung der Sätze, wie fünf im Juni interviewte Händler berichteten. Das erlaube ihnen, die Gewinne aus ihren Kundenorders zu maximieren und manchmal eigene, zusätzliche Wetten abzugeben, sagten die Händler, die um Anonymität baten, da die Praxis umstritten ist.

Selbst kleine Verzerrungen bei den Devisenkursen können Investoren im Jahr Hunderte von Millionen Dollar kosten und die Erträge für Sparer und Pensionäre schmälern, sagt James Cochrane, Direktor Analytics bei Investment Technology Group Inc. in Paris.

“Was als einfaches Instrument zur Erstellung einer Benchmark begonnen hat, ist unglaublich groß geworden und es gibt keine Aufsichtsbehörde, die es beobachtet”, sagt Cochrane, der früher im Devisen-Sales-Bereich der Deutschen Bank tätig war und bei Thomson Reuters gearbeitet hat. “Jeder Basispunkt bedeutet eine riesige Geldsumme.”

Ein Investor, der am 28. Juni eine Milliarde kanadische Dollar in US-Dollar tauschen wollte, hätte 5,4 Mio. Dollar weniger erhalten, wenn das Geschäft zum WM/Reuters-Satz ausgeführt worden wäre, statt zum Kassakurs 20 Minuten vor dem 16-Uhr-Fenster.

Einer der größten europäischen Vermögensverwalter hat eine Beschwerde bei der FCA eingereicht und sagt, der Satz werde manipuliert, wie eine informierte Person berichtete. Die Aufsichtsbehörde habe Informationsanfragen an vier Banken verschickt, darunter die Deutsche Bank in Frankfurt und die Citigroup in New York, heißt es weiter. Chris Hamilton, ein Sprecher der FCA, sowie Sprecher der Deutschen Bank und der Citigroup wollten keinen Kommentar abgeben.

Bloomberg News hat für den Zeitraum von Juli 2011 bis Juni 2013 berechnet, wie oft bei 14 Währungspaaren am letzten Arbeitstag eines Monats in den 30 Minuten vor 16 Uhr Kursanstiege von mindestens 0,2 Prozent zu verzeichnen waren. Ein weiteres Kriterium war, dass die Bewegung unter den drei größten des Tages liegen und spätestens nach vier Stunden wieder umgekehrt sein musste, um längerfristige Bewegungen auszuschließen.

Derartige Anstiege zum Monatsende von mindestens 0,2 Prozent waren bei einigen Paaren häufiger, zeigen die Daten. Sie geschahen etwa die Hälfte der Zeit bei den Wechselkursen für US- Dollar und britisches Pfund und für Euro und Schwedische Krone. Bei anderen Paaren, beispielsweise Dollar-brasilianischer Real und Euro-Schweizer Franken, waren derartige Bewegungen etwa zweimal im Jahr zu beobachten.

Beteiligten Banken können sich vor-positionieren

Solche Kursspitzen sollten zum Monatsende wegen der Korrelation zwischen Aktien und Devisen zu erwarten sein, sagten zwei Devisenhändler, die um Anonymität baten, weil sie nicht öffentlich im Namen ihrer Gesellschaft sprechen dürfen. Ein großer Anteil des Handels zu dem Zeitpunkt werde durch Indexfonds erzeugt, die Aktien oder Anleihen kaufen und verkaufen, um einen zugrundeliegenden Korb von Wertpapieren abzubilden, so die Händler.

“Da die großen am Fixing beteiligten Banken ihre Orders zum Fixing vor 16 Uhr kennen, können sie sich vor-positionieren oder Positionen für sich selbst eingehen, bevor sie versuchen Kurse in ihrem Sinne zu bewegen”, schrieben Michael Melvin und John Prins von BlackRock Inc. in einer Aktualisierung des Berichts “Equity Hedging and Exchange Rates at the London 4 p.m. Fix”, den sie für eine Konferenz 2011 in München erstellten. “Die großen Marktmacher sind erfahren darin, vor dem Fixing zu handeln, um die Kurse zu ihren Gunsten zu bewegen, so dass die Fixing-Handelsgeschäfte im Durchschnitt profitabel sind.”

Wiederkehrende Kursanstiege, insbesondere zu geschäftigen Zeiten wie dem Monatsende können ein Anzeichen für Marktmanipulation und möglicherweise Absprachen sein, sagt Abrantes-Metz. “Wenn das Handelsvolumen hoch ist, hat jedes Geschäft wenig Bedeutung im Markt insgesamt und eine geringe Wahrscheinlichkeit, den endgültigen Kurs zu beeinflussen”, erläutert Abrantes-Metz. “Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir hier beobachten. Das könnte ein Signal für ein Problem in diesem Markt sein.”

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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