Kupfer-Boom in Chile – "Grubenarbeiter kleiden sich, leben und essen jetzt besser"

Kupfer-Boom in Chile – "Grubenarbeiter kleiden sich, leben und essen jetzt besser"

Der Kupferpreis hat sich im letzten Jahrzehnt vervierfacht. 2012 lag der Preis für das Industriemetall im Durchschnitt bei 7952 Dollar je Tonne. Und obwohl der Kupferpreis zuletzt aufgrund der nachlassenden Nachfrage aus China weit unter den Höchstständen aus dem Jahr 2012 notierte, profitiert Chile nach wie vor von der Entwicklung rund um den Preis des Industriemetalls.

Das Gehalt von Erick Moreno hat sich verdreifacht, seit er vor zwei Jahren in der Kupfermine Esperanza im Norden Chiles angefangen hat. Die Bezahlung ist so gut, dass er gar keine andere Arbeit mehr will und mittlerweile über den Kauf eines Hauses nachdenkt.

“Ich werde in dieser Branche alt werden, ich sehe mich nirgendwo anders”, sagt Moreno telefonisch aus Antofagasta, einer Stadt am Rande der mineralstoffreichen Atacama-Wüste. “Wenn man in einem Kupferbergwerk anfängt, ändert sich alles sehr schnell.”

Während der 27-Jährige seine Ingenieurausbildung an der Universität von Antofagasta abgeschlossen hat, brachen viele seiner Kommilitonen die Studien ab, um in den Bergwerken zu arbeiten. Die meisten von ihnen besitzen bereits ein Haus und fahren Sportwagen. Ältere Grubenarbeiter haben sogar fünf oder mehr Häuser, einige weit von den Zechen entfernt, die zerstreut am nördlichen Rand der Wüste liegen, sagt Moreno.

Ausgabenfreude beflügelt Wirtschaft

Die Ausgabenfreude der hochbezahlten Kumpel wirkt sich positiv auf die Wirtschaft aus: Der Konsum zieht an - auch bei Luxusartikeln - und in der Hauptstadt Santiago ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 1973 nicht mehr. Der schmale Landstreifen zwischen Anden und Pazifik ist der wohlhabendste Staat in Lateinamerika, zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim gratulierte im Juli zum neu errungenen Status eines Landes mit hohem Einkommen.

Das schnelle Wachstum im chilenischen Bergbau und der daraus folgende Mangel an Fachkräften haben dazu geführt, dass die Arbeiter bei der Erneuerung ihrer Verträge alle zwei oder drei Jahre eine Bonuszahlung von umgerechnet mehr als 30.000 Dollar einstreichen. Nach Angaben von BHP Billiton verdienen Lastwagenfahrer im Bergwerk Escondida ohne Boni etwa 80.000 Dollar im Jahr - mehr als ihre Kollegen in den USA erhalten.

“Die Investitionen in den Bergbau erklären die Wirtschaftsdynamik”, sagt Felipe Alarcon, Ökonom der Banco de Credito & Inversiones in Santiago. “Die aktuell hohen Gehälter für ungelernte Grubenarbeiter sind nicht mit denen in anderen Branchen vergleichbar.”

Die Bergarbeiter tätigen so viele Ausgaben, dass durch jeden neuen Kumpel anderswo drei weitere Stellen geschaffen werden, erklärte Bergbauminister Hernan de Solminihac letzte Woche im Interview. Viele dieser Stellen seien im Einzelhandel.

Umsätze im Einzelhandel ziehen an

Die Umsätze der chilenischen Einzelhändler sind laut Statistikbehörde in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 11,8 Prozent gestiegen. Der Autoabsatz zog im Juli gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 20 Prozent an und lag 2013 im Monatsschnitt bei über 30.000 Fahrzeugen - verglichen mit 7335 Autoverkäufen vor zehn Jahren.

Mariano Garcia, Chef des Einzelhändlers TAIS DFS, hat in der steuerbefreiten Zone von Iquique vier Läden eröffnet. Dort bietet er den Kumpeln aus den nahgelegenen Minen von Anglo American, BHP Billiton und Glencore Xstrata Luxus- Parfüms, Uhren und Kosmetika an. “Die Bergarbeiter kaufen drei bis vier Parfüms, wenn sie den Laden betreten, und entscheiden sich für hochwertige Marken wie Carolina Herrera, Hugo Boss und Paco Rabanne.”

Der neue Wohlstand hat die Städte im Norden verändert, sagt der 64-jährige Eduardo Catalano, der seit 48 Jahren im Bergbau arbeitet. Supermärkte verkaufen nun Kaviar, Riesenkrabben und andere Delikatessen, die die Einheimischen früher nicht mal gekannt hätten. “Die Grubenarbeiter kleidenaich , leben und essen jetzt besser”, konstatiert Catalano, Präsident des Bergarbeiterverbands in Copiapo, einer Stadt nahe der Chuquicamata-Mine.

Aber nicht nur der Norden profitiert vom Kupfersegen. Viele Arbeiter fliegen mit Latam Airlines aus dem Süden ein und arbeiten mehrere Wochen am Stück in der Atacama-Wüste, wo der weltgrößte Kupferproduzent Codelco, die polnische KGHM Polska Miedz und die japanische Pan Pacific ihre Aktivitäten ausbauen, um die hohe Nachfrage aus Asien zu befriedigen. Chile hat im Juli Kupfer für 2,4 Milliarden Dollar nach Asien geliefert, verglichen mit 300 Millionen Dollar vor zehn Jahren.

Gestiegener Kupferpreis sorgt für Bergbau-Boom

Der Bergbau-Boom in Chile wurde vor allem durch die anziehenden Kupferpreise ausgelöst. Der Preis des Industriemetalls hat sich im letzten Jahrzehnt vervierfacht und 2012 im Jahresschnitt 7952 Dollar je Tonne betragen. Basierend auf dem Produktionsvolumen von 482.252 Tonnen im Juni ergeben sich monatlich zwei Milliarden Dollar an zusätzlichen Exporten.

In diesem Jahr hat sich der Kupferpreis im Zuge einer nachlassenden Nachfrage aus China wieder abgeschwächt. Am 24. Juni fiel der Preis auf bis zu 6670 Dollar je Tonne, verglichen mit dem Hoch am 14. September 2012 bei 8380 Dollar. Zuletzt notierte der Dreimonatskontrakt in London bei 7360 Dollar.

Moreno, der in der Mine des Bergbaukonzerns Antofagasta für die Instandhaltung zuständig ist, sorgt sich nicht um den Rückgang des Kupferpreises. Er setzt darauf, dass sich der Boom in der Branche fortsetzt, und spart auf sein eigenes Haus.

“Esperanza besitzt Kapazitäten für wenigstens weitere 50 Jahre”, sagt Moreno und fügt an: “Der Kupferpreis ist irrelevant. Die Kumpel werden zwar nicht mehr haufenweise Geld verdienen, aber immer noch viel bekommen. Die Branche ist darauf ausgelegt, auch Preisrückgänge auszuhalten und Bergleute weiter zu bezahlen.”

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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