Kali-Streit – China kauft sich bei Uralkali ein und erhöht Druck auf K+S

Da die Volksrepublik zu den größten Konsumenten von Kali-Düngern gehört, wird es aus Sicht von Experten wahrscheinlicher, dass Uralkali die Preise wie angekündigt drückt und dies durch größere Verkaufsmengen wettmacht - unter anderem in China. Für den deutschen Konkurrenten K+S sind das schlechte Nachrichten. Seine Aktie verlor am Dienstag rund vier Prozent und war damit mit Abstand größter Verlierer im DAX.

Kali-Streit – China kauft sich bei Uralkali ein und erhöht Druck auf K+S

Der chinesische Staatsfonds CIC stieg über eine Tochter mit 12,5 Prozent bei Uralkali ein, indem er eine Wandelanleihe in Aktien des russischen Konzerns umtauschte. Finanzkreisen zufolge kam es zu dieser Wandlung, weil der Börsenwert von Uralkali wegen der jüngsten Turbulenzen am Kali-Markt unter die Marke von 20 Milliarden Dollar gefallen ist.

Öffnet sich Russland für ausländische Investoren?

China kauft sich weltweit in Agrar- und Rohstoffkonzerne ein, das Engagement bei einem russischen Unternehmen ist jedoch außergewöhnlich. Aus Sicht von Experten könnte das rund zwei Milliarden Dollar schwere Geschäft einen Wendepunkt in der russischen Wirtschaftspolitik markieren. Sofern der Kreml grünes Licht gibt, könnten sich künftig auch andere strategische Investoren aus dem Ausland an heimischen Konzernen beteiligen.

Für Uralkali könnte dies von großer Bedeutung sein, da Großaktionär Suleiman Kerimow seinen Anteil von rund 20 Prozent an dem Unternehmen verkaufen möchte. Der russische Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow schloss am Montag auf einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Reuters aus, dass der Staat dieses Aktienpaket übernimmt. Investoren aus dem In- oder Ausland könnten aber Interesse haben, sagte Schuwalow.

Uralkali hatet Ende Juli das Exportkonsortium BPC mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali aufgekündigt, was in der Branche Furcht vor einem Preisverfall auslöste. Bisher haben BPC und das nordamerikanischen Pendant Canpotex 70 Prozent des Kali-Düngemittelmarktes beherrscht und die Preise stets auf einem hohen Niveau gehalten. Branchenvertreter spekulieren, dass Uralkali nach dem Ausstieg von Kerimow wieder auf diesen Kurs umschwenken könnte. Die Chancen, dass es zu einer Neuauflage des Bündnisses mit Belaruskali kommt, seien nach dem Einstieg der Chinesen aber gesunken, sagte NordLB-Analyst Thorsten Strauß.

Lösen Putin und Lukaschenko den Kali-Streit?

Auf der anderen Seite gibt es jedoch Anzeichen, dass sich der Streit zwischen Weißrussland und Russland über die Zukunft des Kali-Marktes entspannt. Weißrussland hatte Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner Ende August am Flughafen in Minsk festgenommen. Das Land wirft ihm vor, bei der Entscheidung Ende Juli sein Amt missbraucht zu haben, schließlich war Baumgertner auch Vorsitzender von BPC und hätte die Interessen des Exportkonsortiums ebenfalls im Blick haben müssen. Gegen Uralkali-Großaktionär Kerimow erheben die weißrussischen Behörden ebenfalls schwere Vorwürfe.

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein weißrussischer Kollege Alexander Lukaschenko haben am Montag am Rande eines Treffens ehemaliger Sowjetrepubliken in Sotschi über das Thema gesprochen. Am Dienstag ist der russische Generalstaatsanwalt Medienberichten zufolge nach Minsk gereist, was Spekulationen über eine Einigung zwischen beiden Ländern auslöste. Weißrussland und Belaruskali würden das Bündnis mit Uralkali gerne wiederbeleben und den Kali-Preis so auf einem hohen Niveau halten. Für das klamme Land ist das von großer Bedeutung, schließlich zählt Kali zu seinen wichtigsten Exportgütern und Devisenbringern.