"Kali-Krieg" eskaliert

"Kali-Krieg" eskaliert

Russland bestellte am Dienstag den weißrussischen Botschafter ein und forderte die Freilassung von Wladislaw Baumgertner, dem Chef des russischen Düngemittelriesen Uralkali. Die Verhaftung Baumgertners in Weißrussland könne die diplomatischen Beziehungen der beiden ehemaligen Sowjetrepubliken belasten, warnte der russische Vize-Außenminister Grigori Karassin.

"Es ist unzulässig, eine Person auf dem Rückweg von Gesprächen auf Einladung der weißrussischen Regierung zu verhaften", sagte er der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Baumgertner war am Montag nach geheimen Gesprächen mit dem weißrussischen Ministerpräsidenten Michail Mjasnikowitsch am Flughafen in Minsk festgenommen worden. Fernsehaufnahmen zeigen, wie er mit gespreizten Beinen und Händen an der Wand durchsucht wird. Auf späteren Bildern trägt er Handschellen und ist umringt von Polizisten. Nach Angaben der weißrussischen Behörden soll Baumgertner zunächst zwei Monate in Haft bleiben, der Arrest könne aber auch verlängert werden. Bei einer Verurteilung drohen dem Uralkali-Chef bis zu zehn Jahre Haft. Außerdem wollen die weißrussischen Behörden Immobilien und andere Vermögenswerte des russischen Düngemittelherstellers beschlagnahmen.

Baumgertner hatte Ende Juli das Exportkonsortium BPC mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali aufgekündigt und sinkende Kali-Düngemittelpreise vorhergesagt. Für Weißrussland wäre dies ein großes Problem, schließlich zählt Kali zu den wichtigsten Exportgütern und Devisenbringern des Landes. Analysten spekulieren nun, dass sich Uralkali und Belaruskali auf Druck der Politik wieder zusammenraufen könnten. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Präsidenten Putin und Lukaschenko zum Telefon greifen und das Problem auf höchster Ebene klären", sagte DZ-Bank-Analyst Heinz Müller.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Uralkali hat den Partner Belaruskali für das Platzen des Exportkonsortiums verantwortlich gemacht. Im Dezember 2012 habe der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko Belaruskali erlaubt, Düngemittel außerhalb von BPC zu verkaufen, 2013 sei dies dann auch geschehen. Uralkali habe darauf reagieren müssen. Der russische Konzern kann mit niedrigeren Düngemittelpreisen besser umgehen als Belaruskali, da Uralkali niedrigere Produktionskosten hat und den fallenden Preis zumindest teilweise über steigende Absatzmengen kompensieren könnte.

Weißrussland wirft Baumgertner vor, er habe bei seiner Entscheidung Ende Juli sein Amt missbraucht, schließlich sei der Manager auch Vorsitzender des Exportkonsortiums BPC. Durch seine Entscheidung sei in Weißrussland ein Schaden von 100 Milliarden Dollar entstanden. Uralkali hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Kali gegen Gas?

Aus Sicht von Experten gibt es nun zwei Möglichkeiten, wie der Konflikt weitergeht. Uralkali könnte den eingeschlagenen Weg trotz Baumgertners Festnahme fortsetzen und Belaruskali nun erst recht Marktanteile abjagen. Dieses Szenario halten beispielsweise die Analysten von Warburg für wahrscheinlich und verweisen auf frühere wirtschaftliche Konflikte zwischen Russland und Weißrussland. Auch in russischen Wirtschaftskreisen glauben wenige daran, dass es zu einer gütlichen Einigung kommt.

Andere Analysten setzen darauf, dass Uralkali und Belaruskali wieder zusammenfinden und - wie bisher - zusammen mit dem nordamerikanischen Pendant Canpotex für hohe Kali-Preise sorgen. "Russland hat kein Interesse daran, dass Weißrussland wirtschaftlich unter Druck gerät", sagte DZ-Bank-Analyst Müller "Schließlich soll das Land weiter für russisches Gas bezahlen." Kali macht in Weißrussland rund zehn Prozent aller Exporte aus und trägt zwölf Prozent zu den Einnahmen des Staats bei.

Steht ein Handelskrieg bevor?

Die staatliche russische Pipeline-Gesellschaft Transneft kündigte am Mittwoch an, die Öllieferungen nach Weißrussland um 400.000 Tonnen zu kürzen. Das entspricht fast einem Viertel aller für September geplanten Lieferungen in das Nachbarland. Grund für die Kürzungen seien Bauarbeiten, erklärte Transneft. Das Unternehmen müsse 700 Kilometern an alten Pipelines ersetzen, da sonst ein Gefahr für die Umwelt bestehe. Die Kürzung sei völlig unerwartet gekommen, erklärten Öl-Händler. "Es sieht so aus, als wenn wir auf einen neuen Handelskrieg zusteuern", sagte einer von ihnen.

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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