In Norwegen wird der Öl-Reichtum zum Problem

In Norwegen wird der Öl-Reichtum zum Problem

Denn der Öl-Boom, den Beobachter mit dem Goldrausch in den USA Ende des 19. Jahrhunderts vergleichen, hat sich für einige eher zu einem Fluch als zu einem Segen entwickelt.

“Es ist wie ein Erdbeben, eine Katastrophe”, sagt Per Swensen, der Bürgermeister von Meloey, einem nördlich des Polarkreises gelegenen Bezirks mit 6600 Einwohnern. Vom Ölreichtum kommt in Meloey nicht viel an und der Solarkonzern Renewable Energy (REC) hat aus Kostengründen im März eine Produktionsanlage mit 200 Mitarbeitern in Glomfjord geschlossen. “Das hat dramatische Konsequenzen”, sagt Swensen.

Orte wie Glomfjord sind Opfer der wachsenden wirtschaftlichen Kluft, die durch das Erdöl in Norwegen geschaffen wurde. Einerseits wurden durch den Boom aus einigen Fischerdörfern reiche Wohnorte, deren Immobilienpreise es mit Zürich und Tokio aufnehmen können. Andererseits ist es nirgendwo in Europa teurer, Geschäfte zu führen. Alle anderen Branchen haben es also sehr schwer, in dem Land etwas aufzubauen.

“Es würde mir besser gefallen, wenn wir mehr als nur ein Standbein heute und in Zukunft hätten”, sagt Hilde Bjoernland, eine Wirtschaftsprofessorin an der Norwegian Business School in Oslo. Andere mögliche Standbeine würden zurzeit allerdings eher abgesägt werden, fügt sie hinzu.

Stundenlohn: 44 Euro

In der Herstellung beträgt der durchschnittliche Stundenlohn etwa 44 Euro - das sind 31 Prozent mehr als in Deutschland und sogar 65 Prozent mehr als in den USA. Den exportorientierten Unternehmen macht zudem die starke Krone zu schaffen, die sich in den vergangenen 3 ½ Jahren gegenüber einem Währungskorb der wichtigsten Handelspartner um 24 Prozent verteuert hat. Dahinter stand nicht zuletzt der Wunsch von Investoren, sich angesichts der Finanzkrise im ölreichen Norwegen abzusichern.

Außerhalb der Ölbranche fällt es Unternehmen dadurch schwer, zu wachsen und sich zu entwickeln. Von den 20 größten börsenotierten norwegischen Unternehmen wurde lediglich eines in den vergangenen 40 Jahren gegründet, das nicht zur Ölbranche zählt. Es handelt sich dabei um den Krebsmittel-Spezialisten Algeta. Die Hälfte der Konzerne entfällt direkt oder indirekt auf die Ölbranche.

Die Ingenieurin Annett Kildal wurde ungewollt Teil dieses Trends, als sie in der REC-Fabrik in Glomfjord ihren Arbeitsplatz verlor und stattdessen nun den “perfekten Job” in der Ölbranche 1300 Kilometer südlich in Bergen annahm.

Mit Blick auf Glomfjord sagt sie: “Die Leute waren sauer und frustriert. Der Ort hat 1100 Einwohner. Und jetzt nach dem Bankrott von REC sind sie noch wütender und fragen sich, wie Unternehmen wie REC so etwas machen können.” Die REC-Tochter Norwegian Wafer hatte Gläubigerschutz beantragt.

Natürlich hat der Öl-Boom aus Norwegen ein Land gemacht, das von vielen beneidet wird. Die Norweger haben das dritthöchste Prokopf-Bruttoinlandsprodukt der Welt, die Arbeitslosenquote liegt unter drei Prozent und Gesundheitsversorgung und Erziehung sind gratis. Im durch den Öl-Reichtum gefüllten Staatsfonds stecken mittlerweile 640 Mrd. Dollar (490 Mrd. Euro), das entspricht 128.000 Dollar pro Einwohner.

Ein teures Leben

Gleichzeitig schafft der Reichtum Probleme für den Wohlfahrtsstaat, da die Lebenshaltungskosten landesweit klettern. Stavanger beispielsweise lebte früher von seinen Fischfabriken, jetzt tummeln sich Menschen aus allen möglichen Ländern in der Stadt, hochpreisige Restaurants schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Kosten sind so stark gestiegen, dass sich Arbeiter aus der Gesundheitsbranche - beispielsweise Krankenschwestern - das Leben in Stavanger gar nicht mehr leisten können. Die örtlichen Krankenhäuser versuchen händeringend bis zu 40 Vakanzen zu füllen.

Die Immobilienpreise haben sich in Stavanger seit dem Jahr 2000 auf 40.000 Kronen (5360 Euro) je Quadratmeter verdreifacht, sagt der örtliche Verband der Immobilienmakler. Das liegt vor allem an den Mitarbeitern von Exxon Mobil, Total und anderen Öl-Giganten, die in die Stadt strömen. In den zehn teuersten Wohngegenden Londons beträgt der Immobilienpreis im Mittel etwa 8589 Dollar (6580 Euro). Stavanger ist die fünftteuerste Stadt der Welt, vor Genf und Zürich. Oslo ist die Nummer zwei nach Tokio.

“Die Menschen, die nicht in der Ölbranche arbeiten, stellen für mich die größte Herausforderung dar”, sagt Bürgermeisterin Christine Sagen Helgoe. Sie ist die Enkelin des ersten Norwegen-Chefs von Texaco. “Sie verdienen nicht so viel und es fällt schwer, in der Stadtverwaltung, als Krankenschwester oder Erzieher zu arbeiten, wenn die Ölbranche gleichzeitig so viele Möglichkeiten bietet.”

Tatsächlich hängt für das ganze Land sehr viel von dem Schwarzen Gold ab. Ohne die Öl-Einnahmen hätte Norwegen mindestens seit 1980 jedes Jahr ein Defizit erwirtschaftet, wie aus den Haushaltsberichten hervorgeht.
Zurzeit sieht es danach aus, als würde das Öl in dem Land aber noch eine ganze Weile sprudeln. Seit 2010 haben Statoil und die schwedische Lundin Petroleum unabhängig voneinander Erdölfunde in der Nordsee gemacht, die voraussichtlich die größten seit den 70er Jahren sind.

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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