Europa vs. Japan – Der Währungskrieg ist für die Unternehmen längst Realität

Europa vs. Japan – Der Währungskrieg ist für die Unternehmen längst Realität

Um mehr als 30 Prozent ist der Yen seit Sommer 2012 zum Euro abgerutscht. Diese politisch betriebene Abwertung lässt die japanischen Firmen frohlocken, da sie dank der Weich-Währung europäischen Rivalen weltweit einen erbitterten Preiskampf liefern können. Viele deutsche Unternehmen verdienen damit - in Euro umgerechnet - allerdings nicht nur in Japan weniger. Sie bekommen die Nachteile des Yen-Kursverfalls auch auf anderen Märkten zu spüren.

Wichtige Wettbewerber aus Japan hätten "einen massiven Vorteil", beobachtet etwa Klaus Unterharnscheidt, Manager beim Wiesbadener Grafitspezialisten SGL Group. "Wir erleben gerade einen Preiskampf, der in dieser Form lange nicht mehr stattgefunden hat", sagt der Leiter der wichtigten Grafitelektrodensparte in einem Reuters-Interview.

"Negative Währungseffekte" trüben auch die Bilanz des Konsumgüterriesen Henkel - und daran ist der Yen mitbeteiligt, wie der Hersteller von Pritt und Persil jüngst bei der Vorstellung der Zahlen für das zweite Quartal beklagte. Besserung ist nicht in Sicht: "Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir weiterhin mit Gegenwind aus Währungskurseffekten." Knapp zwei Prozent seines Jahresumsatzes von zuletzt 16,5 Milliarden Euro erwirtschaftet Henkel in Japan.

Henkel: Eine komplette Absicherung ist nicht möglich

Dabei versuchen die Düsseldorfer durchaus, sich gegen Währungsrisiken abzusichern, beispielsweise mit klassischen Devisentermingeschäften, Swaps oder anderen Wetten auf die künftige Kursentwicklung. Henkel versuche, die Risiken aus Wechselkursschwankungen so gut es geht zu minimieren. "Nichtsdestotrotz lassen sich Kursgewinne oder -Verluste hierdurch nicht vollständig vermeiden. Insgesamt sind wir jedoch mit unserer Hedgingstrategie erfolgreich." Eine Änderung der Absicherungspolitik plane die Firma nicht.

Die Abwertung wird von Japans Regierung gezielt betrieben. Das Land litt über Jahre unter einer Deflation. Die seit Dezember amtierende Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe hat nun den Geldhahn aufgedreht und befeuert damit das Wachstum der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes legte von April bis Juni im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 0,6 Prozent zu nach 0,9 Prozent zu Jahresbeginn. Damit zog die Wirtschaft das dritte Quartal in Folge an.

Deutsche Lufthansa: "Tokio, wir haben ein Problem"

Die Folgen sind bis nach Deutschland zu spüren: So stutzt die Politik Japans der Deutschen Lufthansa die Flügel. "Wir verkaufen natürlich viele Tickets in Japan und haben dort ein Währungsproblem", beklagt Lufthansa -Finanzchefin Simone Menne. Die Kursverluste des Yen und anderer asiatischer Währungen sorgten zusammen mit der härteren Konkurrenz dafür, dass die Erträge der Lufthansa und ihrer Töchter wie Swiss und Austrian Airlines auf den Strecken in die Region Asien/Pazifik im zweiten Quartal um knapp zehn Prozent einbrachen. Währungsrisiken sichert die Airline nach eigenen Angaben in verschiedenen Schritten über 24 Monate ab. Der Sicherungsgrad liege dabei im Schnitt bei etwa 50 Prozent.

In Asien ist Japan für die Lufthansa einer der wichtigsten Märkte - gesonderte Zahlen für das Land nennt der Konzern nicht. Einen Anhaltspunkt gab Vorstandschef Christoph Franz aber kurz nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011: Im Jahr zuvor flog allein die Kranich-Linie - also ohne Tochter-Airlines und andere Geschäfte wie etwa Lufthansa Technik - vier bis fünf Prozent ihres Umsatzes von 14 Milliarden Euro mit den Langstreckverbindungen nach Japan ein.

Für die deutschen Exporteure ist Japan gemessen an seiner Wirtschaftskraft zwar vordergründig ein eher kleiner Handelspartner. Sie verkauften dorthin 2012 nur Waren im Wert von 17 Milliarden Euro, das sind weniger als zwei Prozent der deutschen Exporte - damit nimmt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt den 17. Platz in der Rangliste der wichtigsten deutschen Außenhandelskunden ein. Doch die Zahlen täuschen über die große Bedeutung der Firmen aus Japan auf den Weltmärkten hinweg. So machen sie den deutschen Maschinenbauern etwa auf Wachstumsmärkten wie China verstärkt Konkurrenz.

Auch die Exporte nach Japan seien zurückgegangen und zwar um 12,5 Prozent in den ersten fünf Monaten, berichtet der Chefvolkswirt des Maschinenbau-Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers, der Nachrichtenagentur Reuters. 2012 hatten die Ausfuhren ein Volumen von rund 2,2 Milliarden Euro. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gibt sich hingegen gelassen. "Wir sind noch nicht besorgt", betont DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. "Unsere Unternehmen exportieren vor allem Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen, und hier zählt mehr die Qualität als der Preis." Gut behauptet haben sich auch die deutschen Autokonzerne. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres setzten sie dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge 119.250 Pkw in Japan ab - rund 15.000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Währungsexperten geben keine Entwarnung – Yen fällt

Die Folgen der Geldschwemme der Notenbanken auf die Währungskurse sind seit Monaten auch bei den großen Konferenzen der führenden Industrie- und Schwellenländer ein großes Thema. Zeitweise gab es Befürchtungen vor einem Abwertungswettlauf oder einem regelrechten Währungskrieg. Zumindest beim Yen gibt es für Entwarnung noch keinen Grund: "Der Yen hat seit Mitte November real und handelsgewichtet rund ein Fünftel seines Werts verloren, und die lockere Geldpolitik der Notenbank sollte den Yen weiter schwächen", prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner. Firmen aus Nippon dürften davon weiter profitieren. Auch das weiter solide Wachstum in China und den USA sollte die japanischen Ausfuhren anschieben und Gewinne in die Kassen der dortigen Unternehmen spülen, meint der Experte.

Bundesbank und Bundesregierung warnen aber bereits vor einem Strohfeuer. So betonte Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer unlängst im Reuters-Interview: "Wenn es denn so ist, dass die japanische Finanz- und Geldpolitik den Yen-Wechselkurs schwächt, dann kann dies vielleicht kurzfristig die preisliche Wettbewerbsfähigkeit stärken und Marktanteile sichern. Aber mittel- und langfristig sind das keine geeigneten Rezepturen."

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