"Es wäre töricht, die Chancen von Schiefergas zu ignorieren"

In Europa wird die wirtschaftliche Dimension von Schiefergas aus politischen Gründen noch nicht ausreichend gesehen, erklärt OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss.

"Es wäre töricht, die Chancen von Schiefergas zu ignorieren"

Shale-Gas könne auch Grundlage für die petrochemische Industrie sein, "das ist eine interessante Wertschöpfungskette", so Roiss in einem "Kurier"-Interview. Die Öl- und Gaskonzern OMV hatte Pläne für eine Erkundung eines Schiefergas-Vorkommens im Weinviertel in Niederösterreich verfolgt, diese aber voriges Jahr wieder ad acta gelegt.

Zuletzt hatte sich am Freitag der Chef des Europäischen Chemieindustrie-Verbandes Cefic, Kurt Bock, für eine Schiefergas-Förderung in Europa stark gemacht. "Wir sehen Schiefergas als Chance. Ich denke, wir sollten es erschließen", sagte Bock in München: "Es wäre töricht, die Chancen zu ignorieren", sagte der BASF-Chef Bock. Es gehe darum, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die umstrittene Fördermethode des Fracking nicht gefährlicher sei als die herkömmliche Weise, konventionelles Gas aus tiefen Gesteinsschichten zu holen.

OMV-Chef Roiss wollte im Interview auf das Argument, Schiefergas führe zu Umweltschäden, nicht eingehen. "Kommen wir weg von der populistischen Diskussion", sagte er: "Reden wir über Forschung, über neue umweltfreundliche Methoden."

Nur eine Option?

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte sich erst im September erneut dafür ausgesprochen, der umstrittenen Schiefergas-Förderung in Europa eine Chance zu geben. "Bewahrt euch die Option", sagte er auf einer Energiekonferenz in Köln. Die Politik solle Geologen und Ingenieuren ihre Arbeit machen lassen. Durch die Erschließung neuer Vorkommen könne auch Druck auf den wichtigen Gaslieferanten Russland unter Präsident Wladimir Putin ausgeübt werden. "Haltet die Option offen, die Putin nervös macht", forderte Oettinger.

Die USA haben in den vergangenen Jahren die Förderung von Schiefergas vorangetrieben. Die Preise für Gas und auch für Strom sind dadurch in den Vereinigten Staaten deutlich zurückgegangen.

Kommenden Freitag (11.10.) entscheidet in Paris der französische Verfassungsrat über ein Verbot von Schiefergas-Förderung.