"Ein Euro-Exit ist jetzt viel schwieriger geworden"

"Ein Euro-Exit ist jetzt viel schwieriger geworden"

trend : Herr Professor, Sie stehen mit Ihrer Position, dass der Euro rettbar ist, aber dass es dafür keine weitere Zentralisierung der Institutionen braucht, ziemlich allein da, oder?

Karl Socher : Ja, aber es ist meine feste Überzeugung, dass weder eine Banken- noch eine Fiskalunion dazu beitragen, dass die Währungsunion in ihrer bestehenden Form überleben kann. Was es braucht, ist eine klare Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken einerseits, der Geldpolitik und der Fiskalpolitik andererseits. Dann hat der Euro eine Chance zu überleben.

Überall heißt es, „mehr Europa“ ist der Ausweg aus der Krise.

Karl Socher : Das glaube ich eben nicht. Ich sehe in Schritten hin zu gemeinsamer Budgetpolitik, zu einer Bankenunion, zu einer Sozialunion eine große Gefahr für Europa. Der Wettbewerb der Systeme und die Freiheit der einzelnen Länder haben Europa groß gemacht. Für eine Transfer- und Sozialunion ist in den einzelnen Ländern nicht genügend Solidarität vorhanden.

Wäre nicht zumindest ein gemeinsamer europäischer Präsident ein einigendes Symbol?

Karl Socher : Nur um ein Symbol zu haben, bringt es nicht viel. Der Vorteil eines Präsidenten mit einigen beschränkten Machtbefugnissen wäre es, in einer Demokratie, die zu einer Diktatur der Mehrheit neigt, im Interesse der langfristigen Ziele auch die Minderheiten zu schützen. Das könnte ein Kaiser aber noch besser, weil er nicht nur bis zu seiner nächsten Wahl schauen muss, sondern auch noch auf seine Enkel.

Wie stehen sie zu den Euro-Ideen der „Alternative für Deutschland“ und von Wilhelm Hankel, dem Berater von Frank Stronach in Euro-Fragen?

Karl Socher : Ich verfolge das genau, bin aber nicht überall mit ihnen einer Meinung. Hankels Idee einer Parallelwährung mit dem Euro als zentraler Recheneinheit würde meiner Meinung nach nicht funktionieren.

In Deutschland sind in der Euro-kritischen „Alternative für Deutschland“ auch viele Ökonomen tätig. Haben Sie je politische Angebote bekommen?

Karl Socher : 1988, als die FPÖ noch für einen Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eintrat, bekam ich von ihr eine Einladung zu einem Vortrag, die Nachteile eines Beitritts zur EWG und des kommenden Maastricht-Vertrags mit der Währungsunion darzustellen. Ich bilde mir ein, dass mein Vortrag vielleicht dazu beigetragen hat, dass die FPÖ ebenfalls diese Gefahren erkannt hat. Später wurde ich zu Veranstaltungen mit ÖVP-, SPÖ-, FPÖ- und BZÖ-Politikern über den EU-Beitritt und die Währungsunion eingeladen. Vor kurzem traf ich bei einer Veranstaltung der Hayek-Gesellschaft in Wien FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, mit dem ich über die Möglichkeit eines Austritts oder einer Auflösung der Währungsunion diskutierte.

Ist eine Auflösung machbar?

Karl Socher : Technisch natürlich. Es bräuchte nur eine längere Vorbereitungszeit – der Euro ist ja auch zehn Jahre vorbereitet worden. Aber die beste Gelegenheit für einen Exit eines Landes aus der Eurozone hätte es 2010 gegeben, als die Probleme Griechenlands bekannt wurden und die Haftungen noch nicht eingegangen worden waren. Das ist jetzt viel schwieriger geworden.

Wäre es aus heutiger Sicht besser gewesen, den Euro nicht einzuführen?

Karl Socher : Hätte es weiter eigene Währungen gegeben, wären zwar durch verzögerte Wechselkursanpassungen auch Störungen entstanden, aber sie hätten nicht das Ausmaß der jetzigen Störungen entwickelt. Außerdem gab es Pläne, durch ein eigenes Währungsinstitut die Wechselkurspolitik besser zu koordinieren. Wäre es in Deutschland möglich gewesen, eine Volksabstimmung über die Abschaffung der D-Mark abzuhalten, wäre uns der Euro erspart geblieben. Die deutschen Wähler wussten damals besser als die Politiker, dass eine Währungsunion mit Staaten mit einer schlechten Geld- und Finanzpolitik nicht gut gehen kann.

Zu den Argumenten der politischen Euroskeptiker lesen sie auch eine große Story im neuen trend (Ausgabe 6/2013) .

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