"Draghi ist ein Genie" - die "Selbstgefälligkeit" der Politik das Risiko

"Draghi ist ein Genie" - die "Selbstgefälligkeit" der Politik das Risiko

Seit Draghi am 26. Juli in einer Rede in London sagte, die EZB werde innerhalb ihres Mandats “alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten”, hat die Gemeinschaftswährung gegenüber allen 16 weltweit meist gehandelten Devisen an Wert gewonnen, zeigen Bloomberg-Daten.

Die Kosten zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle auf Staatsanleihen westeuropäischer Länder sind auf ein 15-Monats-Tief gefallen. Das Vertrauen in den Bankensektor in der Region bessert sich. Seit dem 1. Juni haben sich Bankaktien um 33 Prozent verteuert, mehr als der Stoxx Europe 600 Index, der im gleichen Zeitraum auf Kursgewinne von 18 Prozent kommt.

Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet begrenzte die Käufe von Staatsanleihen der hoch verschuldeten Euroländer, während sich die fast drei Jahre andauernde Krise zuspitzte. Seit Draghi im November an die Spitze der EZB rückte, hat er das Gegenteil unternommen.

“Er hat die Spielregeln verändert”, sagt Axel Merk, Präsident und Gründer von Merk Investments LLC in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien zu Bloomberg. “Draghi hat Schwerarbeit geleistet.” Der von Merk verwaltete Hartwährung-Fonds hat im vergangenen Monat 3,38 Prozent an Wert gewonnen und sich damit besser als 92 Prozent der Fonds in dieser Anlagekategorie entwickelt, zeigen Bloomberg-Daten.

Wechsel auf die Käuferseite

Merk sagt, er sei im laufenden Jahr zunächst “sehr negativ” zum Euro eingestellt gewesen, weil der in Europa ablaufende Prozess zur Lösung der Krise seiner Meinung nach sehr dysfunktional verlaufe. Aber mittlerweile ist er auf die Käuferseite gewechselt. “Der Euro wird von hier weiter deutlich steigen, obwohl er aus dem Gröbsten noch nicht heraus ist”, sagt Merk.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Auseinanderbrechen der Währungsunion bis Ende 2013 kommt, ist nach Daten von Intrade.com aus Dublin von mehr als 60 Prozent Ende Juli auf mittlerweile 50 Prozent zurückgegangen. In der Vorwoche hatte Draghi Einzelheiten zu einem im August angekündigten Plan zum Kauf von Staatsanleihen aus Euroraum-Ländern, darunter Italien und Spanien, vorgestellt.

Der Euro war am 14. September auf ein Vier-Monats-Hoch bei 1,3169 Dollar geklettert. Im vergangenen Monat hat der Euro gegenüber einem Korb von Währungen aus Industrieländern um 3,6 Prozent zugelegt, darunter Yen, Pfund und Franken. In diesem Zeitraum ist der Euro der größte Gewinner in dieser Devisengruppe, zeigen korrelationsgewichtete Bloomberg-Indizes. Am Montag notierte der Euro zum Dollar 0,2 Prozent leichter bei 1,3105 Dollar je Euro.

Europas Politiker haben bislang “ihre Bereitschaft demonstriert, die Währungsunion zu unterstützen und so viel wie möglich dafür zu tun”, sagt Mary Nicola, Devisenstrategin bei BNP Paribas SA in New York.

1,35 Dollar

BNP Paribas hat unter 50 von Bloomberg befragten Devisenstrategen bis Jahresende die höchste Euro-Dollar Prognose und sieht einen weiteren Anstieg auf bis 1,35 Dollar je Euro. Seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999 liegt der durchschnittliche Euro-Dollar Wechselkurs bei 1,21.

Noch über die Sommermonate hinweg hatten Devisenstrategen ihre Euro-Dollar Prognosen gesenkt. Sie sahen den Wechselkurs bis Jahresende im Durchschnitt auf 1,23 fallen, gegenüber der Median-Schätzung vom Mai bei 1,28.

Zum Stimmungsumschwung hatte die Entschlossenheit beigetragen, mit der Draghi in seiner Rede in London eintrat. “Glauben sie mir - es wird ausreichen”, sagte er mit Blick auf die geplanten Anleihekäufe. Anders als sein Vorgänger Trichet will er die Käufe in nach oben unbegrenztem Umfang vornehmen und besteht nicht auf Vorrangigkeit der EZB gegenüber anderen Anleihegläubigern. Im letzten Jahr der Amtszeit von Trichet weitete sich deren Bilanz um rund 442 Mrd. Euro auf 2,33 Billionen Euro aus. Seit Draghi die Notenbank leitet, ist die Bilanzsumme der EZB um weitere 745 Mrd. Euro angestiegen.

“Für die Art, wie er vorgegangen ist, habe ich ihn ein Genie genannt”, sagt Merk über Draghi. “Er hat geschafft, was die Politiker nicht erreicht haben, ohne sich zu sehr auf die politische Ebene zu begeben. Er nimmt die Akteure in der Politik in die Pflicht.”

Zuletzt hat auch die Ankündigung der dritten Runde lockerer Geldpolitik der US-Notenbank Fed in der Vorwoche dazu geführt, den Euro zu beflügeln. “Über die Jahre hinweg haben Investoren gelernt, dass es sich nicht lohnt, sich gegen die Fed zu positionieren”, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei Berenberg Bank in London in einem Interview im September. “Diejenigen, die auf ein Ende des Euro gesetzt haben, könnten nun gezwungen sein, zu erkennen, dass die EZB so mächtig wie die Fed ist”, führt Schmieding weiter aus.

Die Politik - die Kehrseite der Medaille

Auch wenn Draghi den Euro-Skeptikern ordentlich Wind aus den Segeln genommen hat, könnte die Uneinigkeit der Politiker wiederum alles zerstören. So hat der Euro am Montagmorgen die Rally zum Dollar aus der Vorwoche nicht fortsetzen können. Als Grund wurde das Euro- Finanzministertreffen in Nikosia Ende vergangener Woche angeführt, im Zuge dessen sich die Politiker uneins über die nächsten Schritte zur Überwindung der Staatsschuldenkrise waren. So zeichnet sich ab, dass die geplante Bankenaufsicht im Euroraum nicht so schnell kommt, wie geplant.

“Die Erfahrung deutet darauf hin, dass wenn der Tag zu Ende geht, jegliche Verbesserung der Selbstgefälligkeit der Politik weicht, und darauf folgt dann erneut die Krise”, schrieb Joachim Fels, Chefökonom bei Morgan Stanley in London, am Sonntag in einer Notiz.

Entsprechend haben auch die deutschen Bundesanleihen am Montag etwas zugelegt. Mit der neuen Unsicherheit war ihre relative Sicherheit wieder stärker gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Papiere lag zuletzt zwei Basispunkte niedriger bei 1,69 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 22 Basispunkte auf 138,95 Prozent.

Kursverluste an der Peripherie

Zehnjährige Italienbonds ebenso wie spanische Staatsanleihen verzeichneten Kursverluste. Die Renditen stiegen um vier Basispunkte beziehungsweise acht Basispunkte auf 5,03 Prozent und 5,81 Prozent. Besonders deutliche Kursverluste verzeichneten die Portugal-Bonds nach Medienberichten, die Opposition wolle das Sparprogramm im Haushaltsentwurf 2013 der Regierung nicht mehr mittragen. Die zehnjährige Rendite kletterte um 21 Basispunkte auf 7,98 Prozent.

“Das Euro-Finanzministertreffen ist vorbei, und trotz der Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, Bonds zu kaufen, sind wir doch nicht näher an dem, was viele Marktteilnehmer das ultimative Endspiel nennen”, sagte Brian Barry, Analyst bei Investec Bank Plc in London. “Solange wir nicht in der Lage sind, diese Bereitschaft der EZB testen zu können, könnten die Renditen nach oben tendieren”, fügte er hinzu.

Etwas Kritik an Mariano Rajoy klingt da wohl durch. Schließlich schiebt der spanische Premier die Entscheidung über einen Hilfsantrag an den Euro-Rettungsfonds hinaus. Er will wegen politischen Stigmas lieber eine alternative Lösung finden, wie die Zeitung “El Pais” unter Berufung auf Regierungskreise berichtet. Dennoch soll Wirtschaftsminister Luis de Guindos - für alle Fälle - über die Details des Rettungspakets verhandeln. Die Strategie ziele darauf ab, die Bedingungen im Gegenzug für jegliche Rettungshilfen an Spanien zu verringern. Indes würde es de Guindos vorziehen, so schnell wie möglich um Hilfen zu bitten, sagten laut Zeitung Personen, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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