Der nächste Kampf des Mario Draghi

In einem Korb aus zehn wichtigen Währungen zeigt der Euro in diesem Jahr die beste Entwicklung hinter der schwedischen Krone. Und das trotz der wachstumsfördernden Politik von Draghi, die den Euro eigentlich schwächen müsste. Eine Zinssenkung könnte daher früher kommen als gedacht...

Der nächste Kampf des Mario Draghi

Optionshändler sind so wenig pessimistisch im Hinblick auf die Kursentwicklung des Euro zum Dollar wie zuletzt 2009. Analysten, die Anfang dieses Jahres einen Kursrutsch des Euro gegenüber dem Yen voraussagten, revidieren ihre Jahresend- Prognosen so deutlich wie bei keinem anderen Währungspaar. Das geht aus Daten von Bloomberg hervor.

Die Gemeinschaftswährung hat an Stärke gewonnen, da die Banken dreijährige Kredite aus den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (LTRO) der EZB vorzeitig zurückzahlen, was die kurzfristigen Finanzierungskosten und die Anleiherenditen in die Höhe getrieben hat. Im Gegensatz dazu weiten die US-Notenbank Federal Reserve und die japanische Zentralbank ihre Bilanzen durch Anleihenkäufe weiter aus.

Zwar gehen alle 58 Ökonomen in einer Umfrage von Bloomberg News davon aus, dass die EZB auf ihrer Sitzung am Donnerstag dieser Woche ihren Leitzins unverändert belassen wird. Die Analysten von Citigroup zählen jedoch zu denjenigen, die eine Zinssenkung bis zum Ende des ersten Halbjahres für nötig erachten.

Andere Zentralbanken drucken Geld – auf Teufel komm raus

“Das Tempo des Euro-Anstiegs ist sicherlich etwas, das zu Problemen führen könnte”, sagte Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenstrategie bei der Commerzbank in Frankfurt, am 30. Januar. Die EZB nehme Liquidität weg, während die anderen Zentralbanken auf Teufel komm raus Geld drucken und das “ist etwas, was den Euro attraktiv macht”, fügte er an.

Seit Draghi am 1. November 2011 die EZB-Präsidentschaft von Jean-Claude Trichet übernahm, stieg der handelsgewichtete Index der Deutsche Bank AG für den Euro gegen Währungen wie Dollar, Yen, Schweizer Franken, Pfund und schwedische Krone um 1,5 Prozent. Und seit Draghi im Juli 2012 versprach, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu bewahren, legte die Gemeinschaftswährung mehr als zehn Prozent gegenüber dem Dollar zu. Am Dienstag notierte der Euro bei 1,3540 Dollar. In diesem Jahr hat die Devise bereits 2,6 Prozent gewonnen, zeigen die Bloomberg Correlation-Weighted Indizes. Besser hat nur die schwedische Krone mit einem Anstieg von 2,9 Prozent abgeschnitten.

Der Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker bezeichnete den Euro-Kurs nach dem jüngsten Anstieg am 15. Januar als “gefährlich hoch”. Das Risiko besteht darin, dass die Aufwertung die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte von Unternehmen aus der Eurozone beeinträchtigt, während die Konkurrenten aus Japan und den USA, wo die Zentralbanken die Geldpolitik weiter lockern, von den schwächeren Wechselkursen ihrer Währungen profitieren.

Der EZB-Zentralbankrat wird auf seiner Sitzung am 7. Februar über die Zinsen beraten. Danach findet eine Pressekonferenz statt, auf der Draghi die Entscheidung erläutern wird.

Eurozone als wirtschaftlicher Nachzügler

Die Devisenhändler würden Kommentare Draghis zum Anstieg des Euro “heiß ersehnen”, sagt Sara Yates, Globale Devisenstrategin in London bei der JPMorgan Private Bank von JPMorgan Chase & Co. Sie erwartet, dass der Euro bis auf über 1,38 Dollar steigt, bevor er in zwölf Monaten bei rund 1,33 Dollar notieren wird. Leuchtmann geht von einem Anstieg bis auf 1,40 Dollar aus und sieht dann in der zweiten Jahreshälfte einen Kursrückgang. Der Durchschnittskurs für den Euro seit seiner Einführung liegt bei 1,2118 Dollar.

Auch wenn Draghi dazu beigetragen habe, dass der Euro einen Teil seiner verloren gegangenen Glaubwürdigkeit zurückgewonnen hat, so werde die Eurozone doch wirtschaftlich ein deutlicher Nachzügler bleiben, sagt Peter Frank, Globaler Leiter Devisenstrategie bei BBVA in London. “Die Idee, dass der Euro zum Dollar weiter zulegen wird, in einer Phase, in der es potenziell eine rekordmäßig bessere Wachstumsentwicklung in den USA geben wird, ist unwahrscheinlich”, führt Frank aus. Nach seiner Einschätzung steigt der Euro bis auf 1,40 Dollar und schwächt sich dann bis zum Jahresende auf 1,33 Dollar ab. Gegenüber dem Kurs vom 31. Dezember 2012 wäre dies immer noch ein Plus von 0,8 Prozent.

Höhere Finanzierungskosten und eine stärkere Währung könnten die Bemühungen der Eurozone untergraben, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Arbeitslosenrate von 11,7 Prozent im Dezember zu verringern. Laut einem Bericht des EU-Statistikamtes vom 1. Februar lag die Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone bei 24 Prozent. In Spanien waren sogar 55,6 Prozent der Jugendlichen ohne Arbeit.

“Eine weitere rasche Euro-Aufwertung wird die Chancen für eine Zinssenkung in nächster Zeit erhöhen”, schrieb Valentin Marinov, Leiter Devisenstrategie bei der Citigroup in London, am 1. Februar in einer Mitteilung für Kunden. Die EZB sei sich bewusst, dass die Wirtschaft der Eurozone in einer schlechteren Verfassung sei als 2011. Daher könnte der Euro-Anstieg eine Reaktion auslösen, noch bevor der Kurs alte Höchststände wieder erreicht habe, hieß es weiter.