Der Euro ist zu stark für Europa

Der Euro ist zu stark für Europa

Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Euro immer noch eine starke Währung, sehr stark sogar. Eine Abwertung auf 1,15 Dollar wäre für niemanden ein Beinbruch, im Gegenteil. Die Euro-Peripherie braucht eine schwächere Währung. Experten fordern die EZB daher zum Handeln auf: Die Druckerpresse anwerfen – für die 1,15!

Einmal mehr wird klar: Die Euro-Krise ist, wortwörtlich genommen, eigentlich keine Euro-Krise. Denn die Gemeinschaftswährung handelt trotz aller Probleme immer noch 5,5 Prozent höher als im Schnitt ihres Bestehens. Außerdem notiert der Euro laut Daten der OECD um immerhin 2,6 Prozent höher als er sollte, gemessen an der Kaufkraftparität.

Der Euro hat in den vergangenen drei Monaten stärker zugelegt als irgendeine andere der neun Hauptwährungen der entwickelten Märkte, trotz einer Rekord-Arbeitslosenrate von 11,6 Prozent. Für die Unternehmen und damit die Wirtschaft wäre es vorteilhafter, wenn der Euro abwerten würde – ähnlich der Lira, die in dem Jahrzehnt vor der Euro-Einführung 30 Prozent ihres Wertes verlor. "Der Euro ist auf diesen Levels mittel- bis langfristig für die Eurozone nicht tragbar", analysiert Ulrich Leuchtmann, leitender Währungsstratege der Commerzbank, gegenüber Bloomberg. "Die Eurozone braucht eine weiche Währung, keine deutsche Mark, sondern eher eine Lira vor 1999. Eine schwächere Währung würde ein paar der Probleme mildern", so Leuchtmann.

Kaufkraft

Seit EZB-Chef Mario Draghi die mittlerweile berühmten Worte sprach (er werde alles tun, um den Euro zu retten) legte die Gemeinschaftswährung um 4,2 Prozent zu. Am Tag zuvor war der Euro relativ zum Dollar laut OECD um 2,7 Prozent unterbewertet – am 24. Juli hatte er sich auf das 2012er-Tief von 1,2043 Dollar abgeschwächt. Laut Leuchtmann dürfte der Euro bis Ende 2013 wieder auf 1,23 Dollar zurückfallen. Der Bloomberg-Konsens erwarttet eine Abschwächung auf 1,28 Dollar bis Ende 2012. Ein Jahr später soll der Euro dann nur noch bei 1,25 Dollar notieren.

"Der Euro ist vor allem im Vergleich mit seinen Ursprüngen immer noch eine starke Währung", weiß Richard Clarida von PIMCO. "Angesichts der wirtschaftlichen Lage Europas, wäre eine Abschwächung auf 1,20 oder sogar 1,15 Dollar nicht das Ende der Welt. Es ist nicht eindeutig, was den Euro aktuell unterstützt.”

Lange vergangen

Die italienische Lira beendete das Jahr 1998 bei einem Kurs von 1659,90 zum Dollar. Ein Jahrzehnt davor, 1987, handelte die Währung noch bei 1169,25. Laut Bloomberg handelte die deutsche Mark 1998 bei 1,6767 je Dollar versus 1,5708 zehn Jahre davor. In diesen zehn Jahren wuchs die italienische Wirtschaft im Schnitt 1,64 Prozent jährlich. Das deutsche BIP legte zwischen 1992 und 1998 im Schnitt um knapp 1,4 Prozent zu.

Credit Suisse-Devisenstratege Marcus Hettinger ist zuversichtlicher als die Mehrheit seiner Kollegen. Die Anstrengungen der europäischen Führung seien bereits erfolgreich, weshalb der Euro 2013 wohl auf 1,35 Dollar steigen werde. Vor allem, weil die Investoren ihre Wetten auf einen Zusammenbruch der Währungsunion reduzieren. "Wenn man sich die Eurozone als Ganzes ansieht, ist der Schuldenstand niedriger als in den USA genau wie das Defizit." Es sei lediglich in den letzten ein oder zwei Jahren der Eindruck entstanden, die Eurozone sei keine Einheit mehr.

Nach den aktuellen Prognosen wird die Eurozone jedenfalls ein schwächeres Wirtschaftswachstum vorweisen können als die USA. Das Euro-BIP wird 2012 wohl um 0,5 Prozent schrumpfen und 2013 auch nur minimal zulegen. Die USA indes, werden es laut Bloomberg-Konsens auf ein BIP-Plus von 2,2 bzw. 2 Prozent bringen.

Mehr QE

Die FED hat zwischen 2008 und 2011 Staatsanleihen und Hypothekenpapiere für 2,3 Billionen Dollar angekauft. Die EZB griff indes mit vergleichsweise mickrigen 280 Milliarden Dollar in die Tasten. Außerdem wurden diese Bondkäufe sterilisiert – sprich die Liquidität aus dem Markt mittels Einlagen wieder abgezogen, um ein Anheizen der Inflation zu verhindern. "Es wäre sehr hilfreich, wenn die EZB ihre Geldpolitik so weit lockern würde wie möglich und den Euro unter Druck brächte", findet Michael Siviter von Invesco. Saxo's John Hardy fordert die EZB auf, die Geldpolitik weiter zu lockern. Das könnte den Euro innerhalb eines Jahres auf 1,15 Dollar abwerten lassen: "Die Volkswirtschaften der Euro-Peripherie müssen ihre Währung abwerten – doch das können sie aktuell nicht", so Hardy. "Sie sind in einer schrecklichen Lage und brauchen eine schwächere Währung."

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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