"Das größte Risiko für England ist die Eurozone"

Trotz Double-Dip-Rezession würde eine Zinssenkung der britischen Wirtschaft eventuell mehr schaden als nützen, sagt die Bank of England. Der Notenbank stünden andere Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur zur Verfügung.

"Das größte Risiko für England ist die Eurozone"

Aussagen der Bank of England (BoE) zur Konjunkturentwicklung haben dem britischen Pfund am Mittwoch Auftrieb gegeben. Die Währung des Königreichs stieg auf bis zu 1,5645 Dollar. Der Euro geriet zugleich unter Druck und sackte auf 78,65 Pence ab.

Die britische Notenbank hatte ihre mittelfristigen Wachstumsaussichten für die heimische Konjunktur weniger stark gesenkt als einige Börsianer befürchtet hatten. In zwei Jahren werde die Wirtschaft wahrscheinlich um zwei Prozent wachsen. Im Mai hatte die Notenbank ein Plus von 2,5 Prozent in Aussicht gestellt. Gleichzeitig warnte BoE-Chef Mervyn King, eine Zinssenkung wäre kontraproduktiv.

Im zweiten Quartal schrumpfte die britische Konjunktur um 0,7 Prozent, so viel wie in drei Jahren nicht. Zwar waren laut Zentralbank auch Einmaleffekte für das Ausmaß der Schwäche verantwortlich, bis auf Weiteres ist der Ausblick deshalb freilich noch lange nicht rosig. Die Erholung von der Double-Dip-Rezession will nicht so recht gelingen: Budgetkonsolidierung und Eurozonen-Krise belasten das Vertrauen und den Konsum.

"Der Ausblick für das britische Wachstum bleibt außergewöhnlich unsicher", analysierte die BoE. "Das größte Risiko für die Konjunkturerholung in Großbritannien ist die Gefahr, dass die Eurozonen-Krise seitens der Politik nicht effizient und rasch genug bekämpft wird."

Keine Zinssenkung, Inflationsrisiko zurückgegangen

"Viele der Voraussetzungen für eine Erholung, sind schon gegeben und die Notenbank wird auch weiterhin alles ihr mögliche tun, damit es zur Erholung kommt", sagte BoE-Chef King. Allerdings werde die Erholung unserer Wirtschaft ein langer, langsamer Prozess sein. Es ist ein "klein wenig wahrscheinlicher", dass die Inflation unter der Zielmarke bleiben werde. Im Juni betrug die Teuerungsrate 2,4 Prozent. "Die Inflationsrisiken sind niedriger als vor drei Monaten, weil die Energiepreise, aber auch der Preisdruck auf breiter Basis nachgelassen hat", hieß es eitens der BoE.

Bis auf Weiteres vertritt die BoE laut ihrem Chef King die Ansicht, dass eine Zinssenkung vom derzeitigen Niveau von 0,5 Prozent eher schaden als helfen würde. Andere Maßnahmen stünden den Notenbankern zur Verfügung, um die Konjunktur anzukurbeln - wie etwa die Ausdehnung des Bondkaufprogramms.

Das Pfund hat dank seines Status als sicherer Hafen relativ zum Euro in den vergangenen zwölf Monaten ordentlich zugelegt - mittlerweile fürchten die Notenbanker negative Auswirkungen für die Exporteure: "Wenn die Zugewinne sich fortsetzen, könnte es die Konkurrenzfähigkeit der britischen Produzenten beeinträchtigen."