"Das Hauptproblem ist, dass die Politiker in Washington immer unfähiger werden"

Devisenexperten gehen davon aus, dass der politische Kampf um den Etat und die Anhebung der Schuldenobergrenze den Dollar kurzfristig weiter schwächen wird. Denn es droht nichts Geringeres als die Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft.

"Das Hauptproblem ist, dass die Politiker in Washington immer unfähiger werden"

Noch setzen die meisten Analysten darauf, dass Republikaner und Demokraten in letzter Minute vor Beginn des neuen Haushaltsjahres am Dienstag eine Lösung finden. "Doch in der Tat steigt die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten unerfreulicher Szenarien mit jedem Tag, der verstreicht", sagt NordLB-Experte Tobias Basse.

In einem ersten Schritt müssen die Parteien bis Dienstag mit einem provisorischen Haushalt dafür sorgen, dass der Bund flüssig bleibt. Sonst drohen unter anderem Schließungen von Ministerien und Zwangsurlaub für Regierungsangestellte. Parallel läuft die Debatte über die Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar - das ist nötig, um bestimmte Ausgaben zu decken. Ohne eine Einigung sind die USA schätzungsweise Mitte Oktober faktisch zahlungsunfähig.

"Nicht-panikartiger Schwebezustand"

Noch warten die Anleger ab, denn dieses Schauspiel um den Etat gab es schon öfters. In der Vergangenheit haben die Investoren in den Tagen vor Verstreichen der Fristen die Finger von der US-Währung gelassen und nach einer Einigung in letzter Minute erleichtert wieder zugegriffen, betonen die Analysten der Deutschen Bank. "Im Moment befinden sich die Märkte in einem nicht-panikartigen Schwebezustand", sagt Stratege Jim Reid.

Eine länger andauernde Hängepartie könnte Dollar-Investoren allerdings vergraulen. "Die Zahlungsunfähigkeit könnte einen irreparablen Vertrauensverlust der internationalen Investoren für Anlagen in Dollar zur Folge haben", warnt Ömer Esiner, Chefstratege von Commonwealth Foreign Exchange in Washington. "Ein Scheitern der Verhandlungen könnte im Markt für Panik sorgen", ist Kathleen Brooks vom Brokerhaus "Forex.com" überzeugt. "Das Hauptproblem ist nicht, dass die USA sich ihre enormen Schulden nicht leisten können, sondern dass die Politiker in Washington immer unfähiger werden", ergänzt sie.

Rating-Downgrade

Sollte es keine schnelle Lösung geben, wäre unter anderem eine schlechtere Bonitätsnote seitens der Ratingagentur Fitch für die USA wahrscheinlich, meint Analyst Basse. "Dies könnte den US-Dollar sicherlich unter zwischenzeitlichen Abwertungsdruck bringen." Im Jahr 2011 hatten die USA wegen des Streits um den Haushalt bereits beim Fitch-Konkurrenten Standard & Poor's (S&P) ihre Top-Bonitätsnote "AAA" eingebüßt.

Seit Anfang September befindet sich der Dollar gegenüber vielen Währungen auf dem Rückzug. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, verlor knapp drei Prozent. Auslöser für die aktuelle Talfahrt war die Warnung der US-Notenbank Fed vor den Risiken des Etatstreits. Dies war offenbar ein Grund dafür, dass die Notenbank nun später als zuvor erwartet die geldpolitischen Zügel anziehen wird.

Ein Ende der Dollar-Talfahrt ist nach Einschätzung der Commerzbank-Strategin Antje Praefcke erst einmal nicht in Sicht. Das Gezerre um den US-Haushalt könnte den Euro wieder über die Marke von 1,36 Dollar hieven. Aktuell kostet er rund 1,35 Dollar. Zu Jahresbeginn lag er noch bei 1,32 Dollar.

Eine Flucht in den Dollar als sicheren Anlagehafen wird es nach Meinung von Sebastian Sachs, Analyst bei der Metzler Bank in Frankfurt, vorerst jedenfalls nicht geben. In den vergangenen Jahrzehnten griffen Anleger in Krisenzeiten bevorzugt zur Weltleitwährung, weil Wertanlagen in Dollar dank der hohen Liquidität an den US-Börsen problemlos handelbar sind. "Sogenannte 'Safe Haven'-Käufe sollte es dieses Mal eigentlich nicht geben", sagt Metzler-Analyst Sachs. "Wir sehen den Haushaltskonflikt in den USA generell als negativ für den Dollar."