BP meint: "Unser Problem liegt nicht unter der Erde"

In einer erst vergangenes Wochenende erschienenen Studie rechnet der Währungsfonds mehrere Szenarien sinkender Ölproduktion durch. BP zeichnet ein anderes Bild.

BP meint: "Unser Problem liegt nicht unter der Erde"

"Unser Problem liegt nicht unter der Erde", beteuerte dagegen BP-Chefökonom Christof Rühl am Dienstag in Wien. Obwohl es trotz massiv steigender Preise in den vergangenen Jahren kaum zu einer Steigerung in der internationalen Produktion gekommen ist, geht BP davon aus, dass sich der jährliche Output (bei "all liquids") in den nächsten 20 Jahren um 18 Prozent auf 103 Millionen Barrel pro Tag steigern lässt. Dies würde nach dem Rechenmodell des BP Energy Outlooks 2030 mit der für diesen Zeitpunkt vorhergesagten Nachfrage decken.

Obwohl BP damit rechnet, dass sich zu diesem Zeitpunkt der weltweite Bestand an Autos um 60 Prozent erhöht haben wird, sollen nur 26 Prozent mehr flüssige Treibstoffe nachgefragt werden.

Die Erklärung für dieses Auseinanderklaffen wird in der massiv gestiegenen Energieeffizienz künftiger Hybridautos, geringerem Konsum in den Produzentenländern selbst, mehr "unkonventionellem Öl" (Ölsande,Tiefseebohrungen) und massiven Nachfragerückgängen in den industrialisierten Ländern gesehen.

Versorgungsprobleme könne es höchstens in einer politisch verursachten geringeren Verfügbarkeit von Öl geben (Zugangsbeschränkungen), meinte Rühl. Auch eine politisch gewollte scharfe Reduktion der CO2-Emissionen würde mit einem geringeren Anstieg/Rückgang der Ölproduktion einhergehen.

CO2-Problem

Selbst bei dem heute geplanten Vorgehen gegen die Emissionen kann die CO2-Zielvorgabe der Klimaforscher nicht erfüllt werden, meint man bei BP. Der Energiekonzern rechnet in seinem Szenario bis 2030 mit einem 28-prozentigen Anstieg der Emissionen. Klimaaktivisten wollen bis dahin bereits Rückgänge sehen.

Im Gegensatz zu BP rechnet der Internationale Währungsfonds in einem soeben erschienenen Arbeitspapier die Auswirkungen einer sinkenden Ölproduktion in verschiedenen Szenarien durch. Ergebnis: Bei Rückgängen von nur einem Prozent pro Jahr und großer Anpassungsfähigkeit der Volkswirtschaften würden sich die negativen Auswirkungen in Grenzen halten (Basisszenario).

Die Autoren rechnen in einem Extrem-Szenario aber auch einen jährlichen Rückgang von fast vier Prozent durch, was zu einem Wachstumsverlust in den USA und Europa von einem Prozentpunkt pro Jahr führen würde (auf das BIP bezogen). In ihrer Analyse erklären die Autoren: "Wir ziehen in unserem Papier die durch Empirie gestützte Ansicht in Betracht, dass die geologischen Fakten in nicht allzu ferner Zukunft die Weltproduktion von Öl beeinträchtigen werden." Das Papier trägt den Titel "Oil and the World Economy: Some possible futures."