"Bitcoin ist ein Währungssystem, das nicht von Dritten kontrolliert wird"

"Bitcoin ist ein Währungssystem, das nicht von Dritten kontrolliert wird"

"Wenn es schlecht hergeht, können Sie alles verlieren". Jered Kenna beschönigt den hoch-volatilen Charakter von Bitcoin, einer neuen virtuellen Währung die sich rasant in Silicon Valley verbreitet, nicht.

Sein Startup Tradehill, eine Exchange-Plattform für ebendiese Geldform, betrieb der 30-Jährige vor wenigen Monaten noch in einem nüchternen Erdgeschoß-Büro. Seit kurzem residiert das Unternehmen des Bitcoin-Millionärs im Financial District von San Francisco. Mit sichtlichem Schlafdefizit in den Augen sitzt Kenna auf der Couch in einem kleinen Büro mit Blick auf die Bay Bridge. Die Stadt ist derzeit die Hauptstadt der digitalen Währungen, die laut dem Unternehmer noch am Beginn einer Revolution stehen.

FORMAT : Wie erklären Sie ihren Eltern, was Sie beruflich machen?

Jered Kenna : Ich sage ihnen, wir bieten ein Service an, um virtuelle Währungen zu kaufen und verkaufen. Bitcoin beschreibe ich als öffentliches Konto.

Ist für Sie Bitcoin eine Investmentwährung oder eine neue Art des Zahlens? Und wie kam es zu Tradehill?

Kenna : Viele Leute verwenden es als Investment und für riskante Spekulationen. Ich selbst war immer interessant an Bitcoin als Möglichkeit, einen Wert weltweit und nahezu kostenlos zu transferieren. Ich bin auf Bitcoin gestossen, als es noch ganz neu war. Ich habe die Technologie dahinter gesehen und war sehr beeindruckt von diesem Aspekt. Es löst eine Menge Probleme. Davor hatte niemand herausgefunden, wie man ein dezentrales Währungssystem entwickelt, das nicht von Dritten kontrolliert wird.
Tradehill habe ich gestartet, weil es damals nur eine Exchange-Plattform gab und ich merkte einen richtigen Bedarf an einem größeren Öko-System. Außerdem wollte ich Bitcoin helfen, weiter zu wachsen. So habe ich Tradehill gelauncht, um es Leuten einfacher zu machen, Bitcoins zu tauschen.

Was unterscheidet Tradehill von anderen Exchange-Portalen in dem Bereich? Mittlerweile gibt es ja schon viele Anbieter.

Kenna : Tradehill richtet sich an kommerzielle Trader und hochvermögende Personen. Wir betreuen wenige Klienten, dafür mit einem hochpersonalisierten Service. Jeder Kunde hat seinen eigenen Account Manager. Mit einem kleineren Kundenstamm ist das möglich, bei größeren Plattformen geht der Einzelne unter.

Das heißt, Sie betreiben lieber eine exklusive Plattform und halten ihren Kundenstamm bewusst klein?

Kenna : Wir versuchen nicht unbedingt, den Kundenstamm klein zu halten, aber wir kontrollieren unser Wachstum, sodass wir weiterhin das entsprechende Service anbieten können. Momentan haben wir ein paar Hundert Klienten.

Wer ist der typische Tradehill-Kunde?

Kenna : Momentan haben wir eine Menge Venture Capitalists aus Silicon Valley, die daran gewöhnt sind, mit hohem Risiko und hohem Return zu handeln. Zudem haben wir viele professionelle Trader und frühe Bitcoin-Adopters sowie vermögende Personen, die sich gegen die Inflation von anderen Währungen wie den Euro absichern. Durchschnittlich investieren die TradeHill-Klienten rund 200.000 US-Dollar bei uns. Das Minimum liegt bei 10.000 US-Dollar.

Sind Sie also bei der Wahl Ihrer User sehr selektiv?

Kenna : Wir selektieren noch, neben dem 10.000 US-Dollar-Minimum haben wir noch andere Anforderungen. Potenziellen Händlern stellen wir spezifische Fragen, um anerkannte Investoren zu finden. Wenn es ein Unternehmen ist, sehen wir uns an, was deren Geschäft ist. Außerdem machen wir eine Due Diligence. Der Background-Check ist ziemlich schnell abgewickelt, manchmal brauchen wir dafür nur einige Minuten. Wir arbeiten außerdem mit dem Identitätsprüfungs-Service miiCard, was unsere Arbeit enorm erleichtert.

Welchen Rat haben Sie für Investoren und Händler, die ins Bitcoin-Trading einsteigen möchten?

Kenna : Bitcoin ist bekanntlich hoch-volatil und wird es auch in Zukunft noch sein. Wenn Sie damit nicht umgehen können oder keine Erfahrung haben, lassen Sie die Finger davon. Sie könnten alles verlieren, wenn es schlecht hergeht. Dessen sollten Sie sich auf jeden Fall bewusst sein.

Wie vorhin erwähnt ist Bitcoin auch eine Währung, die auch als Bezahlmethode verwendet werden kann. Wo sehen Sie hier genau das Potenzial?

Kenna : Bitcoin kann vor allem dafür eingesetzt werden, wo man heute noch eine Geldüberweisung macht. Aber auch bei kleinen Käufen ist ein exponentielles Wachstum zu sehen. Weiters gibt es Services wie Gyft, eine Geschenkkarten-App, die mittlerweile auch Bitcoin annimmt. Dadurch werden Bitcoin-Zahlungen bei einer Vielzahl von Händlern ermöglicht. Wenn das so weitergeht, wird sich die Währung schnell verbreiten.

Aber eigentlich ist Bitcoin noch keine offizielle Währung?

Kenna : Nein, noch soll es nicht als Währung bezeichnet werden. Derzeit wird es von der Regierung und dem Financial Crimes Enforcement Network als "Money Transmission" klassifiziert – also als Geldüberweisungsdienst. Ähnlich ist es bei PayPal, das auch nicht als Währung gilt, sondern als Transfersystem, das Währungen benutzt. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, ob Bitcoin als Währung bezeichnet werden darf.

Wie würden Sie es denn gerne bezeichnen?

Kenna : Für mich ist es nicht wichtig, wie Bitcoin heißt. Es ist wichtig, dass eine Entscheidung getroffen und Klarheit geschaffen wird. Es ist schwer, sich sonst an die Compliances zu halten. Derzeit richten wir uns nach dem Letztstand der Regierung, dass es ein Dienst ist. Wie lange es dauern wird, bis die nächste Klassifizierung kommt? Keine Ahnung, aber das Financial Crimes Enforcement Network wird rasch reagieren, da Bitcoin so schnell wächst.

Wo sehen Sie Bitcoin und den Markt für virtuelle Währungen in fünf Jahren?

Kenna : Dieses Unternehmen ist darauf aufgebaut, dass virtuelle Währungen auch noch in fünf Jahren existieren. Viele von uns unterstützen Bitcoin, obwohl TradeHill kein Bitcoin-Unternehmen ist, sondern auch für andere Virtual Currencies offen ist. Bitcoin ist deshalb so dominant, weil es eine der ersten Währungen war und es am besten geschafft hat, ein dezentrales System zu schaffen. In nächster Zeit wird man aber sicher auch verstärkt von anderen Anbietern hören. Bitcoin ist erst der Anfang und ist derzeit zwar in Führung, aber das Rennen hat noch nicht mal gestartet.

Wie sieht Ihre Mission bei TradeHill für die nächsten Jahre aus?

Kenna : Wir sind unabhängig von Bitcoin, aber natürlich wollen wir, dass es erfolgreich ist. Aber sollte sich Bitcoin nicht durchsetzen, wird es TradeHill trotzdem weiter geben. Der allgemeine Tenor lautet, dass virtuelle Währungen auf dem Vormarsch sind und immer wichtiger werden. Wir werden alle diese Währungen weiter zum Traden anbieten. TradeHill soll die wichtigste Exchange-Plattform für diesen Markt sein. In den nächsten Monaten werden wir unser Interface außerdem mehr an traditionelle Broker-Plattformen ausrichten. Und wir launchen eine API, mit der Entwickler unser Service auf anderen Websites einbauen können. Wir möchten die Trading-Welt nicht ändern, sondern TradeHill an die bestehende Trading-Welt anpassen.

Die Bitcoin-Community ist am stärksten hier in der Bay Area verankert. Wird San Francisco die neue Wall Street?

Kenna : Wir eröffnen demnächst einen Standort in New York und expandieren weiter. Alle Entwicklungen und Innovationen werden weiterhin hier in der Bay Area passieren. Aber sobald die Services etabliert sind, werden sie an die Ostküste ziehen. New York ist einfach der Financial Hub. Die Nerds werden hier bleiben, die Jungs in Anzügen werden das Geld an der Wall Street herumschieben.

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