Asien: Das 8,3-Billionen-Dollar-Problem

Asien: Das 8,3-Billionen-Dollar-Problem

Das aus den Schwellenländern abziehende Geld setzt die dortigen Währungen massiv unter Druck. Nun rächt sich, dass Länder wie Indien oder China die Jahre mit hohen Wachstumsraten nicht für dringend nötige Strukturreformen genutzt haben.

Viele Staaten haben sich in der Vergangenheit auf billige Kredite verlassen, um ihr Wachstum zu befeuern. Das hinterlässt Spuren: Die Verschuldung der Privatwirtschaft in Asien schnellte nach Berechnungen der Investmentbank Nomura auf 165 Prozent der Wirtschaftsleistung hoch, vor der asiatischen Finanzkrise Ende der 1990er Jahre waren es 127 Prozent.

Das Geld ist nicht immer gut angelegt. So schaffte China zwar ein Spitzentempo beim Wachstum, doch leerstehende Gebäude und ganze Geisterstädte sind ein Anzeichen für zu hohe Investitionen am Bau. Dazu sind viele Branchen im Land, wie etwa der Schiffsbau, von Überkapazitäten geprägt.

In vielen Ländern wurde das Geld aber erst gar nicht investiert. Beispiel Indien: Dort gehen die Investitionen – mit Ausnahme von Immobilien – nach Berechnungen der Weltbank seit 2007 zurück. Investoren haben es hier besonders schwer – und daran hat die Regierung von Manmohan Singh seit ihrem Amtsantritt 2009 nichts geändert. In der Leistungsbilanz, die den Handel mit Waren sowie Dienstleistungen umfasst, klafft ein Loch von fast fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Land ist auf ausländische Investitionen angewiesen, um diese Differenz auszugleichen.

Auch Indonesien und Hongkong liegen inzwischen bei der Leistungsbilanz im Minus. Nach Nomura-Berechnungen hatten die elf größten asiatischen Volkswirtschaften 2007 einen Überschuss von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geschafft, 2012 waren es nur noch 1,6 Prozent.

Finanzierungslücke von 8,3 Billionen Dollar

Um Straßen, Strom- und Telekommunikationsnetze sowie die Wasserversorgung auszubauen, sind nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank in den kommenden zehn Jahren 8,3 Billionen Dollar nötig – das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Chinas. Sollte Geld weltweit knapper und teurer werden, kommt das für Asien zu einem schlechten Zeitpunkt. Werden jetzt Strukturreformen in Angriff genommen und wie etwa in China Branchen mit Überkapazitäten der Geldhahn zugedreht, wird das zunächst einmal die Wirtschaft belasten.

Für Experten führt daran aber kein Weg vorbei, denn allein mit dem Einsatz Devisen-Reserven lässt sich der Verfall der Währungen nicht dauerhaft stoppen. "Es ist entscheidend, strukturelle Wachstumshemmnisse zu beseitigen", sagt Wai Ho Leong, Regionalexperte bei der Barclays-Bank in Singapur. "Wenn der Wind wieder zunimmt, müssen die Segel groß genug sein, um das Schiff in Fahrt zu bringen."

Einige Volkswirte sehen aber auch Gutes in dieser Entwicklung: "In vielen Ländern, die in der Vergangenheit überwiegend von Exporten an Industrieländer abhängig waren, hat nun die Binnennachfrage eine wichtigere Rolle", erklärt Anoop Singh, beim Internationalen Währungsfonds in Washington zuständig für Asien. Allerdings ist der Beitrag des privaten Konsums zur Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahren vielerorts kaum gestiegen. Der durch die Kapitalflucht ausgelöste Währungsverfall verschärft das Problem. Besonders stark unter Druck steht etwa die indische Rupie, die zeitweise auf ein Rekordtief gefallen ist. Dadurch werden Einfuhren teurer.

Durch eine breite Anwendung von Silber bei flexiblen Touchscreens, LED-Chips und der Halbleiter-Stapelung soll laut neuesten Forschungsergebnissen der Silberpreis bis 2018 um rund 270 Prozent steigen.
 

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